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Bausparen wieder im Aufwind

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Von: Mechthild Henneke

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Illustration Bausparen
Illu_Moritz-klein.jpg © Moritz Wienert/FR

Weil die Kreditzinsen steigen, wird die klassische Geldanlage wieder interessanter. Vor allem für Modernisierungsmaßnahmen bis 50 000 Euro lohnt sich ein Bauspardarlehen.

Jahrelang waren Bausparverträge nicht attraktiv, doch der Umschwung in der Zinspolitik hat das geändert. Sieben Monate nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs liegen die Kreditzinsen bei drei Prozent. Die Darlehenszinsen von Bausparverträgen sind günstiger. „Wir verzeichnen seit Mitte März einen deutlichen Anstieg der Nachfrage, zuletzt mit einem Plus im Neugeschäft von über 50 Prozent“, sagt Christian König vom Verband der Privaten Bausparkassen. Die FR hat Fachleute gefragt, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, wieder mit dem Bausparen anzufangen.

Das Prinzip Bausparvertrag

Bausparverträge werden abgeschlossen, um später Bauvorhaben zu finanzieren. Diese reichen vom Hausbau bis zur einzelnen Sanierungsmaßnahme wie einem Austausch von Fenstern. Der Vertrag wird für eine bestimmte Summe abgeschlossen, von der ein Teil in der Ansparphase selbst erbracht wird. Der andere kann zu den im Vertrag festgelegten Bedingungen später als Darlehen genommen werden.

In der Ansparphase zahlen Sparer:innen monatlich ein. Wie hoch die Rate ist, ergibt sich aus der Summe, die in einem bestimmten Zeitrahmen angespart werden soll. Auf das Guthaben gibt es Zinsen, die meist spärlich sind. Derzeit liegen sie bei den Landesbausparkassen zwischen 0,01 und 0,5 Prozent. Ist der anvisierte Betrag erreicht, wird der Vertrag zuteilungsreif. Dann kann der Sparer das Darlehen bekommen und zwar zu den Bedingungen, die vor Jahren im Vertrag festgeschrieben wurden. Egal, wie das Zinsniveau am Markt zu der Zeit aussieht, wenn der Kredit ausgezahlt wird.

Bis vor kurzem waren die Darlehenszinsen der angebotenen Bausparverträge nicht geringer als die Zinsen am Markt. Neue Bausparverträge wurden seltener abgeschlossen, weil kaum jemand mit steigenden Zinsen rechnete. Das ist jetzt anders: Bleiben die Zinsen auf ihrem derzeitigen Niveau oder steigen sogar noch weiter, könnten diejenigen in der Darlehensphase profitieren, die sich das aktuelle Zinsniveau im Vertrag sichern. Ob das eintritt, kann niemand voraussagen. Dementsprechend vorsichtig äußern sich die Expert:innen zum Abschluss von Verträgen.

„Die Rechnung kann aufgehen, doch es hängt von einigen Faktoren ab“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er weist darauf hin, dass Bausparverträge so angelegt sind, dass sie dann lukrativ sind, wenn sie zu dem Zeitpunkt genutzt werden, wenn sie zuteilungsreif sind. „Was viele nicht wissen: Wer das Darlehen dann noch nicht nehmen kann, muss weiter einzahlen“, sagt Nauhauser. Dadurch sinkt die Darlehenssumme und damit der Zugriff auf günstiges Geld.

Der Verbandsdirektor der LBS-Gruppe, Axel Guthmann, sieht die Aussicht auf einen zinsgünstigen Kredit als entscheidenden Vorteil von Bausparverträgen. Das Zinsniveau für andere risikolose Sparformen sei nicht wesentlich höher als das beim Bausparen. Weitere Vorteile von Bausparkrediten seien, dass sie jederzeit getilgt werden können. Der Darlehensnehmer kann problemlos Sondertilgungen vornehmen, während diese bei normalen Baukrediten vertraglich festgeschrieben werden und oft zu höheren Darlehenszinsen führen.

Bausparkombikredite

Dieses Finanzierungsmodell verbindet einen sogenannten Vorfinanzierungskredit mit einem Bausparvertrag. Das bedeutet, dass für den Bau oder Kauf einer Immobilie ein herkömmlicher Baukredit aufgenommen wird, für den nur Zinsen zu zahlen sind, der aber nicht getilgt wird. Dieser Kredit wird genutzt, um die Wartezeit bis zur Zuteilung eines ebenfalls abgeschlossenen Bausparvertrags zu überbrücken. Wenn der Bausparvertrag zugeteilt wird, löst er den Vorfinanzierungskredit ab. Die Bausparkasse selbst oder ein anderes Kreditinstitut kann Vorfinanzierungskredite gewähren. „So lassen sich die günstigen Zinsen von heute noch für eine über 20 oder 30 Jahre laufende Finanzierung nutzen“, sagt Guthmann.

Nauhauser sieht auch Fallstricke bei dem Modell. Einer davon sei eine Kostenfalle. Vorfinanzierungskredite seien häufig teurer als normale Kredite, der Bausparvertrag beinhalte dazu noch Abschlussgebühren. „Außerdem fallen für die Kontoführung des Bausparvertrags meist Kontoführungsentgelte an und die Guthabenverzinsung ist sehr niedrig“, sagt er. Kund:innen sollten bei dieser Konstruktion nach dem Gesamteffektivzins fragen, die Tilgungspläne genau auf Ratenänderungen nach Ablösung des Vorfinanzierungskredits prüfen und sich auch nach Alternativen erkundigen.

Bausparen für energetische

Modernisierungen

Modernisierungsvorhaben können mit Bausparverträgen günstig umgesetzt werden. „Durch die explodierenden Energiepreise rechnen sich energetische Sanierungen schneller“, sagt König. Die Bausparkassen können Kredite bis zu 50 000 Euro als Blankodarlehen vergeben – ohne Kosten für Grundbucheintrag und Notar. Mit dieser Summe sei ein Großteil der typischen Energieeinsparinvestitionen abgedeckt.

Bausparkassen verlangten auch nicht, wie bei Banken üblich, Kleindarlehenszuschläge. Die ersten Bausparkassen sind bereits mit extra Klimaschutz-Tarifen auf dem Markt. Dazu gehören Tarifvarianten speziell für energetische Modernisierungen mit einem Zinsvorteil von etwa 0,15 Prozentpunkten oder mit einem Klima-Bonus in Form der Rückerstattung der Abschlussgebühr von bis zu 300 Euro.

Auch die Verbraucherzentralen sehen hier einen Vorteil von Bausparverträgen. „Bei kleineren Krediten bieten Banken einen teureren Konsumentenkredit an“, sagt Nauhauser. Der Zins sei dann meist zwei bis vier Prozentpunkte pro Jahr höher als der für Baufinanzierungen. „Mit einem Bauspardarlehen spielt die Kredithöhe keine Rolle, Sie können zu dem zuvor vereinbarten Zinssatz also auch kleinere Kreditsummen erhalten.“

Bausparen und Wohnungs-

bauprämie

„Die Wohnungsbauprämie soll auch junge Leute zum Sparen für eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus animieren“, sagt Guthmann. Anspruchsberechtigt ist, wer in Deutschland steuerpflichtig und mindestens 16 Jahre alt ist. Bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze (35 000 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen für Singles, 70 000 Euro für Verheiratete) werden bis zu 700 beziehungsweise 1400 Euro pro Jahr mit zehn Prozent Sparzulage vom Staat gefördert.

Bausparen und Arbeitnehmer-

sparzulage

Diese Förderung wird Arbeitnehmer:innen im Rahmen der vermögenswirksamen Leistungen angeboten. Sie müssen in einer förderfähigen Sparform, zum Beispiel als Bausparvertrag, angelegt werden. Dann gibt es die staatliche Zulage. Die Einkommensgrenzen sind niedrig: 17 900 Euro zu versteuerndes Jahreseinkommen für Singles, 35 800 Euro für Verheiratete. „Die sind aus der Zeit gefallen und müssten angepasst werden“, kritisiert Guthmann.

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