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Gute Zeiten für Häuslebauer und Immobilienkäufer.

Zinsen

Baugeld günstig wie nie

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Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen rutscht weiter ins Minus - das drückt auch die Hypothekenzinsen auf neue Tiefstände.

Die Rendite ist nicht nur überschaubar. Sie ist negativ. Am Freitag fiel der Zinsertrag aus einer zehnjährigen Bundesanleihe auf minus 0,21 Prozent. Anleger erhalten also nicht nur nichts, sie legen drauf. Nach Abzug der Inflationsrate von zuletzt 1,4 Prozent im Mai fahren sie real sogar ein deutliches Minus ein und verlieren Geld, wenn sie auf zehnjährige Papiere des Bundes setzen.

Andere reiben sich die Hände: Kreditnehmer und damit auch potenzielle Immobilienkäufer und Häuslebauer. So günstig wie derzeit waren Baukredite in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie. Wer Ende Mai eine Baufinanzierung für zehn Jahre abschloss, zahlte im Schnitt nur 1,06 Prozent - im Vergleich zu 1,11 Prozent im Herbst 2016, dem bisherigen Rekordtief. Bestkonditionen liegen aktuell sogar bei unter 0,8 Prozent. Das ergab eine Auswertung aktueller Zinskonditionen von mehr als 400 Anbietern hierzulande durch die Interhyp, nach eigenen Angaben Deutschlands größter Vermittler für private Baufinanzierungen.

Experten warnen aber vor Hektik: Sowohl bei der Auswahl des geeigneten Objekts als auch der Baufinanzierung. Denn die Zinsen bleiben vorerst im Keller. Dafür sorgt die Europäische Zentralbank (EZB). Sie wird den Leitzins von derzeit null Prozent frühestens Mitte 2020 anheben, viele Volkswirte rechnen eher mit Ende des kommenden Jahres oder gar erst 2021 mit einem ersten kleinen Zinsschritt. Zwar orientieren sich die Hypothekenzinsen nicht direkt am Leitzins der EZB. Aber er gibt die Tendenz vor, auch für die langfristigen Zinsen und damit auch für die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe.

„Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen“, heißt es bei Finanzberatung FMH. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe dürfte weiter um die null Prozent schwanken. Auf Halbjahres- und Jahressicht seien gleichbleibende bis allenfalls leicht steigende Zinsen zu erwarten, sagt Mirjam Mohr, Vorständin bei Interhyp. „Eine nachhaltige Trendwende sehen wir in weitere Ferne gerückt“, verweist sie unter anderem auf den gedämpften Konjunkturausblick, den ungelösten Brexit und die Handelskonflikte zwischen den USA und China sowie den USA und der Europäischen Union.

Es geht um Zehntelpunkte

Allerdings ist es angesichts des angespannten, sehr engen Immobilienmarktes derzeit nicht leicht, ein passendes Objekt und vor allem auch ein bezahlbares zu finden. Der Bau boome, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Damit habe der Rückgang der Zinsen nichts zu tun.

Experten raten zu einer Finanzierung von mindestens zehn Jahren. FMH zufolge sollten aber in jedem Fall immer zwei bis drei Angebote eingeholt werden. Es sollte um jeden Zehntelpunkt verhandelt werden. Denn es geht bei einer langen Laufzeit um Geld, viel Geld. Da kann der Zinsunterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter am Markt mehrere 10 000 Euro ausmachen.

Allerdings sind die günstigsten Offerten nach Ansicht von Verbraucherschützern oft Werbe- und Lockangebote. Nur wenn alle Vorjahressetzungen, vor allem die Bonität, absolut stimmen, sollte es den entsprechenden Zuschlag geben. Verbraucherschützer raten, vorsorglich rund 0,15 Prozentpunkte auf die günstigsten Angebote aufzuschlagen und damit zu kalkulieren. Wenn es am Ende günstiger kommt – umso besser.

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