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Für Milch erhalten die Landwirte nur noch halb so viel wie noch vor zwei Jahren.
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Für Milch erhalten die Landwirte nur noch halb so viel wie noch vor zwei Jahren.

Agrarpolitik

Bauerntag beginnt

  • VonStefan Sauer
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Landwirte hoffen auf zählbare Hilfe der Politik.

Bauerntage sind traditionell Veranstaltungen, auf denen gern und ausgiebig Beschwerde geführt wird. Man mosert über maue Ernten, sinkende Erträge, die falsche Agrarpolitik oder einfach übers Wetter. Klagen gehört nun einmal zum Geschäft, bildet es doch die Grundlage für Forderungen nach tätiger, sprich zählbarer Hilfe der Politik. Der diesjährige Bauerntag am Mittwoch und Donnerstag in Hannover bildet da keine Ausnahme.

Und doch ist diesmal alles anders: Das Wehklagen ist nicht taktischer Natur, sondern existenzieller; die deutsche Landwirtschaft befindet sich in der schlimmsten Krise der vergangenen Jahrzehnte. Für Tausende Höfe geht es um die nackte Existenz. Bis zu 14 000 Betriebe könnten binnen Jahresfrist ganz oder teilweise aufgeben, hat Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), zu Anfang der Woche gewarnt. Das durchschnittliche Einkommen der Landwirte habe sich in den vergangenen 24 Monaten halbiert.

Alarmierend ist der Umstand, dass es nicht bloß um ein oder zwei schlechte Ernten geht. Mit vorübergehend sinkenden Erlösen ist die Branche vertraut. Diesmal aber kommt vieles zusammen: Kurzfristige Einbußen nach einer mäßigen Ernte 2015, rapide steigende Boden- und Pachtpreise, die hohe Verschuldung vieler Betriebe, die in den letzten Jahren in Erwartung steigender Verkaufszahlen expandiert sind, schleppende Absätze im Ausland und sinkende Weltmarktpreise, ein Überangebot im Inland und beispiellos niedrige Erzeugererlöse.

Dabei geht es um Milch, für die die Landwirte heute nur noch gut 20 Cent und damit etwa halb so viel erhalten wie noch vor zwei Jahren. Es geht aber auch um Schweinefleisch, das Mitte 2012 noch 1,91 Euro pro Kilo Schlachtgewicht einbrachte und im Januar 2016 nur noch 1,25 Euro. Weniger deutlich, aber dennoch spürbar waren bereits im vergangenen Jahr die Preise für Brotroggen (minus 4,3 Prozent) und Brotweizen (minus 2,5 Prozent) gefallen.

Den sinkenden Erlösen stehen steigende Kosten gegenüber. Die Pachtpreise stiegen zwischen 2010 und 2013 im Bundesdurchschnitt um ein Fünftel auf 243 Euro pro Hektar an. 2015 lag der Preis für Neupachten bereits bei 345 Euro. Von Belang sind diese Zahlen für deutlich mehr als die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe: Nach Angaben des DBV sind mittlerweile 60 Prozent der Agrarflächen gepachtet, wobei der Anteil in den alten Ländern mit 55 Prozent niedriger liegt als in den neuen mit 71 Prozent.

Einerseits ist der Anstieg auf die massive Förderung der Biogas-Erzeugung bis 2014 zurückzuführen. Der Anbau von Mais, Getreide und Ackergräsern zur Energiegewinnung hat die Nachfrage nach Flächen deutlich erhöht. 2015 wurden nach Angaben der Fachagentur „Nachwachsende Rohstoffe“ auf knapp 1,4 Millionen Hektar Energiepflanzen für Biogasanlagen angebaut. Zum Zweiten sind Böden in Zeiten der Niedrigzinsen auch ein lohnendes Anlageobjekt geworden.

600 Delegierte in Hannover

Zu steigenden Pachtkosten und sinkenden Erzeugerpreisen gesellen sich in vielen Betrieben hohe Schulden. Auf die allmähliche Liberalisierung des europäischen Agrarmarkts, die im Auslaufen der Milchquote vor 15 Monaten ein vorläufiges Ende fand, gaben der DBV und die Landesbauernverbände vor allem eine Antwort: Investition – Expansion – Wachstum; vor allem mit Blick auf die vermeintlich auf Jahre hin stark wachsende Auslandsnachfrage. Dem Ratschlag folgten viele Milchbauern und Schweinemäster, allerdings machten Russlandembargo, Chinakrise und ein wachsendes Angebot inner- wie außereuropäischer Konkurrenten den Bauern einen Strich durch die Rechnung. Die Erlöse blieben aus, die Schulden blieben.

Das also ist die Lage, wenn rund 600 Delegierte aus allen 18 Landesbauernverbänden am Mittwoch und Donnerstag in Hannover zusammenkommen. Sie repräsentieren nach eigenen Angaben rund 90 Prozent der 300 000 Bäuerinnen und Bauern in Deutschland. Ihre Erwartung an die Politik ist klar: schnelle finanzielle Hilfe in einer Größenordnung, die die von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) zugesagten „100 Millionen Euro plus X“ deutlich übersteigt. Bisher nämlich ist das X noch nicht beziffert. Eine Milliarde sollte es nach Ansicht der Verbände schon sein.

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