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Wie BASF seit Jahrzehnten von günstigem Gas aus Russland profitiert

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Von: Max Müller

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Ein Tankbehälter der BASF steht Werksgelände des Chemiekonzerns in Ludwigshafen.
Der Chemiekonzern BASF ist eines der größten Unternehmen in Deutschland. © Uwe Anspach/dpa

Deutschland will unabhängig von Gas aus Russland werden. Dabei haben Unternehmen wie BASF sehr lange von günstigen Importen profitiert, berichtet Frontal 21.

Ludwigshafen – Deutschland kommt nicht los vom russischen Gas. Selbst wenn, wie verschiedene Politiker:innen beteuern, Deutschland weniger Gas aus Russland importieren wird. Langfristige Verträge laufen bis 2030, so oder so. Wie das ZDF-Politikmagazin Frontal 21 berichtet, kann die importierte Menge zwar reduziert werden, das Geld muss aufgrund einer sogenannten „Take or Pay“-Klausel aber trotzdem fließen.

Dem zugrunde liegt die Vereinbarung, dass ein vorher fest ausgehandeltes Volumen gekauft wird. „Wird diese Menge unterschritten, muss dennoch für Gas bezahlt werden, selbst wenn es nicht abgenommen wird“, sagt Jack Sharples vom Forschungsinstitut Oxford Institute for Energy Studies (OIES) gegenüber Frontal 21.

Gas aus Russland: BASF hat Standortvorteil durch günstige Importe

Laut dem Bericht ist nicht nur die deutsche Politik verantwortlich für die große Abhängigkeit. Zwar flankierten Gerhard Schröder und Co. den Kauf von günstigem Gas aus Russland jahrelang, in erster Linie davon profitiert hat aber die deutsche Wirtschaft. Dabei nimmt Frontal 21 speziell die Rolle des Chemiekonzerns BASF unter die Lupe. Bei den Ludwigshafenern läuft es. Einen Tag nach dem Beginn des Ukraine-Konflikts verkündete BASF einen Milliardengewinn. Ein Grund dafür sei billiges Gas aus Russland, berichtet Frontal 21.

Die Geschichte geht zurück ins Jahr 1990. Damals steigt BASF ins Gasgeschäft ein. Gemeinsam mit dem russischen Konzern Gazprom baut das Chemieunternehmen eine Pipeline von Russland bis nach Ludwigshafen. Später kommen noch zwei weitere von BASF mitfinanzierte Pipelines dazu. Die Investitionen lohnen sich, BASF kann nun günstiges Gas direkt aus Russland importieren und genießt damit einen Standortvorteil. „Russland braucht deutsche Technik für seine Gasproduktion. Deutschland lieferte diese Technik. Im Austausch bekamen sie billiges Gas“, sagt Sharples. Deutschland wird zur Drehscheibe für Gas aus Russland.

BASF Chef Brudermüller: „Wollen wir unsere gesamte Volkswirtschaft zerstören?“

Einen Ausweg weg von den langfristigen Verträgen gibt es: Die Bundesregierung setzt einen Gasboykott durch, dann würden die Verträge hinfällig wegen „höherer Gewalt“. Die Richtung der Politik ist klar. „Ja, auch Deutschland steigt vollständig aus russischen Energieimporten aus“, betont Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ergänzt: „Jetzt rechnen wir damit, dass wir schon im Sommer 2024 bis auf wenige Teile uns unabhängig von russischem Gas gemacht haben.“

Wie auch immer Deutschland sich künftig im Energiesektor aufstellt: Für BASF ist klar, dass ein Embargo keine Option ist. „Wollen wir sehenden Auges unsere gesamte Volkswirtschaft zerstören? Das, was wir über Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben? Ich glaube, ein solches Experiment wäre unverantwortlich“, sagte BASF-Chef Martin Brudermüller der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Anfang April. (Max Müller)

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