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Gebühren

Bargeldlos kostet mehr

  • vonTheresa Dräbing
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Viele Sparkassen und Volksbanken erheben bei Bezahlvorgängen mit Girocards Gebühren.

Es ist ein Nebeneffekt der Corona-Krise. Seit einigen Wochen zahlen mehr Kunden an den Kassen mit Karte oder Smartphone und weniger häufiger mit Bargeld als sonst. Zum einen liegt das daran, dass viele Supermarktketten ihre Kunden bitten, bargeldlos zu bezahlen, um so Übertragungen von Covid-19-Infektionen zu minimieren. Aber auch bei Kunden selbst steigt die Nachfrage nach kontaktlosen Bezahlmöglichkeiten.

Laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 1003 Personen ab 16 Jahren, versuchen drei Viertel der Befragten (75 Prozent) aktuell, Zahlungen mit Bargeld so oft es geht zu vermeiden. Sieben von zehn Befragten (71 Prozent) wünschen sich zudem mehr Möglichkeiten, um kontaktlos bezahlen zu können – also die Girocard oder Kreditkarte noch nicht einmal aus der Hand geben zu müssen und per Funkverbindung zahlen zu können.

„Dabei wird verschwiegen, dass bargeldloses Zahlen richtig teuer und eine Kostenfalle für viele Kundinnen und Kunden werden kann, die erst bei der Entgeltabrechnung sichtbar wird“, sagt Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW). So hat eine im Mai durchgeführte Untersuchung des Finanzportals Biallo ergeben, dass knapp die Hälfte aller Sparkassen und Volksbanken in Deutschland Gebühren für das Bezahlen mit Girocard erheben. Durchschnittlich rechnen die Institute demnach 34 Cent pro Bezahlvorgang ab. Die Berliner Sparkasse zum Beispiel verlangt 30 Cent, bei der Berliner Volksbank sind Bezahlvorgänge im Gegensatz zu vielen anderen regionalen Volksbanken kostenfrei. Die höchsten Gebühren erhebt die niederrheinische Sparkasse Rhein-Lippe mit 70 Cent pro Benutzung der Karte.

Hochgerechnet auf ein Jahr kann da schon ein ordentlicher Betrag zusammenkommen. Angenommen die Girocard wird nur einmal pro Tag für einen kontaktlosen Bezahlvorgang eingesetzt, macht das aufs Jahr gerechnet bei durchschnittlich 34 Cent pro Posten knapp 110 Euro.

Ob Gebühren dieser Art erhoben werden, ist abhängig vom Kontomodell. Häufig werden diese bei ansonsten kostenlosen Basiskonten veranschlagt. Bei Konten mit einer höheren monatlichen Kontoführungsgebühr fallen diese Kosten zumindest nicht an.

Info

Per Funkverbindung: Kontaktloses Bezahlen ist mit allen Girocards und Kreditkarten möglich, die mit einem NFC-Chip ausgestattet sind. Auch mit einem Smartphone funktioniert das kontaktlose Bezahlen. Dieses muss dann nur ein paar Zentimeter vor das Bezahlterminal gehalten werden. Über die Funkverbindung NFC wird die Überweisung dann automatisch durchgeführt. 


Via Schnittstelle: Damit Kunden kontaktlos bezahlen können, muss der Handel diese Technik integrieren. Laut dem Deutschen Handelsverband haben circa 85 Prozent der Händler in Deutschland diese Schnittstelle integriert. Ob der Supermarkt oder der Klamottenladen das Verfahren anbietet, können Kunden an einem kleinen Wellensymbol am Bezahlterminal erkennen. 

„Fatal dabei ist, dass in den meisten Fällen diese Gebühr an keiner Stelle ausgewiesen wird“, heißt es in der Auswertung von Biallo. Die Informationen dazu seien nicht explizit aufgelistet, konkrete Antworten erhielte man erst durch Nachfrage. „Verdacht sollte der Bankkunde immer dann schöpfen, wenn irgendwo auf der Website Preise für ,beleglose Buchungen‘ ausgewiesen sind“, rät das Finanzportal. Darunter könnten auch Bezahlvorgänge fallen.

„Das Vorgehen dieser Institute ist nicht nachvollziehbar“, so Harald Olschok von der BDGW und kritisiert die Preispolitik als „unseriös“. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sagt gegenüber Biallo: „Wenn die Banken in Zeiten von Corona allgemein dazu aufrufen, vermehrt bargeldlos zu zahlen, um sich und andere zu schützen, dann ist der Aufruf natürlich nicht so uneigennützig, wie er daherkommt.“ Während Banken an Barzahlungen nichts verdienen, können sie bei jeder Kartenzahlung dazuverdienen.

Es gibt aber auch Institute, die transparent mit den Gebühren umgehen. So sind die Preise bei der Berliner Sparkasse beispielsweise einzeln angegeben. Unter dem Punkt „Buchungen“ finden Kunden den Posten „Gutschriften und Lastschriften inkl. Kartenzahlungen“, der mit 30 Cent ausgezeichnet ist.

Für Verbraucher bedeutet das dennoch: Wer in Zukunft verstärkt kontaktlos bezahlen möchte, sollte das bei seiner Kontowahl mit einbeziehen und möglicherweise über einen Kontowechsel nachdenken, wenn die Hausbank dafür Gebühren erhebt.

Kostenlose Girokonten, bei denen auch keine Gebühren für Bezahlvorgänge mit Karte anfallen, gibt es noch. Zumeist bieten Direktbanken Konten ohne Grundgebühr an, weil die reinen Online-Banken keinen Filialservice bieten und diesen somit auch nicht finanzieren müssen. Wer Wert auf eine Filiale und persönliche Beratung legt, der muss dafür auch bezahlen.

Aber Achtung: Wem es vor allem auf niedrige Kosten ankommt, sollte beim als kostenlos angepriesenen Girokonto auf jeden Fall einen Blick auf die Preisliste werfen. Denn auch, wenn das Institut keine Grundgebühren verlangt, können Gebühren anfallen. Und die sind meist nicht auf das kontaktlose Bezahlen beschränkt. Andere Posten können zum Beispiel Überweisungsgebühren sein, überdurchschnittlich hohe Dispozinsen oder Gebühren bei der Bargeldabhebung im Ausland. Der überwiegende Teil der Konten bleibt außerdem nur dann kostenlos, wenn monatlich eine Mindestsumme auf ihm eingeht.

Bei der Wahl des Kontos kommt es deswegen immer auch auf die persönliche Nutzungsweise an. Stehen häufig Auslandsreisen an? Dann wäre ein Konto günstig, das nur wenig Gebühren beim Geldabheben im Ausland erhebt. Wird womöglich häufiger die kurzzeitige Überziehung des Kontos nötig sein? Dann sollte die Präferenz auf einem niedrigen Dispokredit liegen. Und wer eben künftig an der Supermarktkasse seltener zum Bargeld greifen möchte, für den kann es sich lohnen zu einer Bank zu gehen, die für einzelne Bezahlvorgänge keine Gebühren erhebt.

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