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Der Dax-Konzern Wirecard plant Für 2025 mit zwölf Milliarden Euro Umsatz. 

Analyse

Bargeldlos auf Erfolgskurs

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Wirecard hat turbulente Zeiten hinter sich – und korrigiert seine Ziele nach oben. Eine wichtige Rolle spielt eine Firma aus Japan.

Anfang des Jahres wurde der Dax-Konzern Wirecard aus Aschheim bei München noch von einer schweren Krise um angebliche Scheinumsätze und Geldwäsche erschüttert. Erhärtet haben sich die Vorwürfe nicht. Jetzt ist der Zahlungsdienstleister wieder dort, wo er sich sieht – dynamisch aufstrebend auf dem Weg nach oben. Bis 2025 soll alles viel besser laufen als ursprünglich angekündigt, hat Wirecard-Chef Markus Braun jetzt bei einem Investorentag in New York erklärt. Während andere Unternehmen vielfach Prognosen nach unten korrigieren, geht es bei Wirecard in eine andere Richtung.

Für 2025 plant Wirecard jetzt mit zwölf Milliarden Euro Umsatz. Das sind zwei Milliarden Euro mehr als zuletzt veranschlagt und das Sechsfache dessen, was Wirecard 2018 umgesetzt hat. Beim operativen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen liegt die Latte für 2025 nun bei 3,8 Milliarden Euro. Das ist eine halbe Milliarde Euro mehr als zuvor geplant und fast das Siebenfache des Vorjahres. Das signalisiert auch, dass die Gewinnqualität trotz rasanten Wachstums nicht verwässert wird.

Auf welche Bedeutung der bei Verbrauchern weitgehend unbekannte Konzern zusteuert, zeigt das für Kunden aus Handel und Finanzwelt bewegte Transaktionsvolumen. Das soll 2025 die schwer vorstellbare Zahl von 810 Milliarden Euro übersteigen. Bislang wurde mit gut 710 Milliarden Euro geplant. 2018 waren es 125 Milliarden Euro.

Wirecard sorgt mit seiner innovativen Internettechnologie dafür, dass bei Käufen Geld rasch und sicher auf elektronischem Weg vom Kunden zum Empfänger gelangt. Dieses lukrative Geschäft haben traditionelle Banken speziell in Deutschland verschlafen. So kam es nicht von ungefähr, dass Wirecard vor Jahresfrist die Commerzbank aus dem Dax verdrängt hat.

Wirecard hat sicher auch den Vorteil, mit dem Strom schwimmen zu können. Der globale Trend geht in Richtung bargeldloses Bezahlen, auch wenn man das im cashverliebten Deutschland nicht so wahrnimmt. Wirecard tut sehr viel, um auf der bargeldlosen Welle zu schwimmen wie kaum ein anderer. Vor kurzem ist der Hightech-Konzern Softbank aus Japan als Ankeraktionär bei Wirecard eingestiegen. Softbank will auch Kontakte zu Unternehmen herstellen, in die die Japaner über Technologiefonds investiert haben. Das dürfte die Innovationskraft von Wirecard stärken und neue Kunden bringen, was auch ein wesentlicher Grund für die jetzige Korrektur der Pläne nach oben ist.

Dazu verknüpft Wirecard die für Kunden vermittelten Zahlungsströme immer mehr mit Mehrwertdiensten. Wirecard weiß genau, wer was wo und wann kauft. Eine Analyse dieser Daten im großen Stil gibt Einblicke in das Einkaufsverhalten von Verbrauchern, die Händler gerne hätten. Wirecard liefert sie. Kunden wiederum können bei einem Kauf per Wirecard-Technologie Konsumentenkredite oder Versicherungspolicen angeboten werden.

Die Erfolgsgeschichte von Wirecard könnte also weitergeschrieben werden. Geschäftlich haben sie bisher stets geliefert und Vorwürfe über angeblich skandalöses Gebahren haben sich bislang nie bewahrheitet, wenn auch dem Aktienkurs einiges Auf und Ab beschert. Aber auch das könnte sich mit dem Einstieg von Softbank als stabilisierendem Faktor ändern.

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