Finanzkrisen

Her mit der Bargeldgebühr!

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Es ist wichtig, für neue Krisen gewappnet zu sein. Für eine echte Sicherheit muss allerdings noch einiges getan werden.

Krisen sind für uns irgendwie zum Normalzustand geworden, spätestens seit 2008. Die Finanz-, aber auch die Klima- und die Flüchtlingskrise sowie Kriege und Terroranschläge bringen immer mehr Menschen dazu, sich auf die nächste große Katastrophe gut vorzubereiten. Irgendwie ist die Welt aus dem Gleichgewicht und die Preppers sagen sich: „Be prepared!“ Sie legen Lebensmittelvorräte an und besorgen sich Wasserfilter, Decken, Kerzen und überlebenswichtige Werkzeuge, um „allzeit bereit“ zu sein.

Aber auch die Finanzwelt wappnet sich für weitere Krisen. „Rettungsschirme“ wurden aufgespannt, „Rettungspakete“ geschnürt, die Bankenregulierung inklusive Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften verschärft … Die Finanzstabilität wird laufend auf ihren Zustand hin untersucht – und dennoch: Es gibt noch zu viele kaum tragbare Staatsschulden, faule Kredite, fragwürdige Finanz-„Produkte“ und realwirtschaftliche Risiken, als dass man sich gut geschützt fühlen könnte.

Die Ungleichgewichte sind einfach zu groß geworden. Der Hauptgrund hierfür sind jahrzehntelange positive Zinsen und andere ökonomische Renten, die schon von den klassischen Vertretern des freien Marktes, wie John Stuart Mill und Adam Smith als unverdient und für die Produktion unnötig entlarvt wurden. Im Neoliberalismus hat man diese leistungslosen Einkommen jedoch kritiklos wuchern lassen und sie sogar noch als „effizienzsteigernd“ verkauft.

Statt an Symptomen herumzudoktern, müssten wir zur Bewältigung der Finanzkrisen genau hier ansetzen: bei den ökonomischen Renten. Statt positive Zinsen brauchen wir Negativzinsen, statt Immobilienpreisinflation eine staatliche Abschöpfung der Bodenrente.

Wenn wir dies nicht bald erkennen und geeignete Maßnahmen ergreifen, wird uns die Realität schmerzhaft einholen. Schon jetzt ist deutlich: Zinssteigerungen sind schwierig. Doch beim nächsten negativen Schock wird man erneut gezwungen sein, die Geldpolitik stark zu lockern. Stärkere Negativzinsen werden dann schnell wieder auf der Agenda erscheinen – doch ihnen steht heute noch das Bargeld im Wege. Um auf die nächste Krise gut vorbereitet zu sein, brauchen wir – wenn wir das Bargeld nicht abschaffen wollen – eine Bargeldgebühr. Ökonomische Preppers haben diese in ihrem Survival-Rucksack.

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