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Beim Bezahlen mit dem Smartphone muss man das Handy vor das Kassenterminal halten und die Zahlung anschließend per Fingerabdruck bestätigen.

Apple Pay

Bargeld vergessen? Egal!

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In den kommenden Tagen wird hierzulande voraussichtlich Apple Pay an den Start gehen. Es ist der nächste Versuch, die Deutschen vom Bezahlen mit dem Smartphone zu überzeugen.

Wundern Sie sich nicht, wenn der Kunde vor Ihnen an der Rewe- oder Edeka-Kasse demnächst seine Armbanduhr an das Bezahl-Lesegerät hält. Das ist dann jemand, der ganz weit vorne beim bargeldlosen Begleichen von Rechnungen ist. Voraussetzung ist der Besitz einer Apple Watch. Genauso gut geht es auch mit einem iPhone. Branchenexperten erwarten, dass in den nächsten Tagen der Bezahldienst des weltgrößten IT-Konzerns auch hierzulande freigeschaltet wird. Apple Pay könnte dem digitalen Bezahlen einen Schub geben.

Wie immer bei Apple-Neuerungen gibt es Gerüchte, Spekulationen und Geleaktes, also Informationen, die an die Öffentlichkeit kommen, obwohl sie es eigentlich nicht sollen. So kursiert im Internet eine ursprünglich über Twitter verbreitete, aber inzwischen wieder gelöschte Abbildung einer Anzeige der Deutschen Bank. Zu lesen ist da: „Jetzt: Apple Pay bei der Deutschen Bank“. Und weiter: „Ba Bing: Bezahlen so einfach wie noch nie“. Die Annonce ist offenbar für einen baldigen Marktstart gedacht.

Start in den nächsten Tagen

Zudem hat der US-Konzern selbst vorige Woche auf einer App mit Tipps für Nutzer eine Art Bedienungsanleitung für Apple Pay schon einmal publik gemacht. Experten erwarten, dass der neue Dienst in den nächsten Tagen gestartet wird, und zwar dann, wenn das nächste Update für das mobile Betriebssystem iOS bereitsteht. Apple-Chef Tim Cook hatte vor gut drei Monaten angekündigt, dass der neue Service noch in diesem Jahr starten soll – und wenn nicht jetzt, wann dann 2018? Das beginnende Weihnachtsgeschäft wäre der günstigste Zeitpunkt.

Warum die Aufregung um einen weiteren Dienst fürs digitale Geld? In der Branche wird auf die noch immer besondere Strahlkraft von Apple gesetzt, die die Kundschaft endlich vom Bezahlen mit dem Smartphone und mit der Computeruhr überzeugen soll. Die Deutschen hängen am Bargeld. Noch immer werden laut Bundesbank im Einzelhandel knapp 50 Prozent aller Einkäufe mit Scheinen und Münzen bezahlt. In Schweden etwa gilt das nur noch für 20 Prozent. 

Schon seit gut einem Jahrzehnt wird hierzulande erfolglos versucht, das Smartphone als Portemonnaieersatz durchzusetzen. Doch Ende Juni kam Bewegung in die Angelegenheit. Damals stellte Google den hiesigen Nutzern seine App zur Verfügung. Ende Juli zogen die Sparkassen und im August die Volks- und Raiffeisenbanken mit eigenen Anwenderprogrammen zum Bezahlen per Smartphone nach.

Die Transaktionen sind denkbar einfach. Sie unterscheiden sich nicht von dem Verfahren, das schon mit der Kredit- und der Girocard, die noch immer als EC-Karte bekannt ist, kontaktlos möglich ist. Der Nutzer hält das Smartphone an eines der bekannten Bezahlterminals. Er muss dann einen Finger auf den Fingerabdrucksensor legen, um den Kauf zu bestätigen. Bei der Apple Watch wird dafür ein Doppelklick auf den unteren Knopf an der Uhr genügen. 

Voraussetzung ist, dass das Lesegerät für die sogenannte Near Field Communication (NFC) ausgestattet ist, was aktuell auf mehr als jeden zweiten der bundesweit  rund 800 000 Terminals von deutschen Händlern zutrifft. Nutzer müssen zudem über ein Kreditkartenkonto bei Visa oder Mastercard verfügen.

Mit dem Smartphone eine Rechnung zu begleichen soll sicherer sein als mit der physischen Kreditkarte. Denn bei der Übertragung der Daten vom Handy werden weder die Kreditkartennummer noch der Name des Nutzers oder das Ablaufdatum der Karte übermittelt. Stattdessen wird ein verschlüsselter Code gesendet, der erst im Netzwerk des Kreditkartenunternehmens entschlüsselt wird.

Mittlerweile haben elf Banken angekündigt, dass sie Apple Pay unterstützen werden. Neben der Deutschen Bank zählen auch die Hypovereinsbank, die Commerzbank-Tochter Comdirect, der Zahlungsdienstleister Wirecard und die Online-Direktbank N26 dazu. Kunden sollen die App unter anderem bei den großen vier Lebensmittelhändlern (Edeka, Rewe, Lidl, Aldi), bei Saturn, im Media Markt, an Aral-Tankstellen und in Schnellrestaurants von McDonald’s und Burger King einsetzen können.

Marktforscher erwarten, dass die Handy-Kreditkarte es in diesem Jahr hierzulande auf rund zwei Millionen Nutzer schaffen kann. Das ist immer noch wenig im Vergleich zu Großbritannien, wo sechsmal so viele Smartphones als Bezahlgeräte im Einsatz sind, in Frankreich sind es mehr als 5,5 Millionen. Absoluter Spitzenreiter ist China mit etwa 350 Millionen.

Die deutsche Zurückhaltung hat auch mit einer verbreiteten – und nicht ganz ungerechtfertigten – Skepsis in puncto Datenschutz zu tun. Internet-Giganten wie Google oder Apple wissen viel über unseren Alltag. Wo Verbraucher wann wie viel Geld ausgeben, ist ihnen aber bislang weitgehend verborgen geblieben. Mit der Kreditkarte im Smartphone werden neue Datenströme generiert. So dürften es die Unternehmen auf Zahlungsbelege abgesehen haben, die den Zeitpunkt, den Ort und die Summe der Transaktion preisgeben.

Obwohl die Daten anonym sind, lassen sich daraus Rückschlüsse auf das Einkaufsverhalten von Kunden ziehen. Der Branchendienst Heise vermutet überdies, dass Google seinen Bezahldienst auch deshalb eingerichtet hat, um Nutzer stärker an andere Anwendungen des Konzerns zu binden. Das dürfte auch für Apple mit seinen zahlreichen Dienstleistungen gelten. 

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