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Ist Bargeld bald nur noch wertloses Papier? Geldscheine in einem Briefumschlag.

Bargeldlos zahlen

Bargeld stirbt einen langsamen Tod

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Bargeld mögen die Deutschen gern, in Umfragen betonen sie oft ihre Verbundenheit zu Scheinen und Münzen. Doch digitale Zahlungen breiten sich aus. Die Analyse.

Den Bundesbürgern ist ihr Bargeld heilig. Könnte man glauben! In Umfragen geben sie zwar immer wieder an,  wie viel Wert sie auf Münzen und Scheine legen, wenn es um das Bezahlen geht. Doch die Realität spricht eine andere Sprache. Der bargeldlose, digitale Zahlungsverkehr wird immer wichtiger. Alleine schon deshalb, weil sich immer mehr Geschäfte ins Internet verlagern. Wer bei Onlinehändlern einkauft, bezahlt automatisch digital – und ersetzt somit Bargeldtransaktionen.

Zahlungsabwickler wie die Kreditkartenfirma Visa profitieren von dieser strukturellen Verschiebung. Sie steigern ihre Umsätze und Gewinne kontinuierlich und zügig. Visa vermeldete am Dienstagabend im kalifornischen San Francisco einen Nettogewinn von 3,1 Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro) für das abgelaufene Geschäftsquartal. Das ist ein Drittel mehr als vor einem Jahr. Das deutlich höhere Transaktionsvolumen ließ die Gebühreneinnahmen um elf Prozent steigen. Die Aktie der Firma hat im laufenden Jahr bereits mehr als ein Drittel an Wert gewonnen. Bei Konkurrenten wie Mastercard oder Paypal entwickeln sich die Geschäfte vergleichbar. Investoren setzen immer stärker auf den Trend zum bargeldlosen Zahlen.

Bargeld hat positive Eigenschaften - doch der Trend geht zum digitalen Bezahlen

Deutschland mag bei diesem Trend ein Nachzügler sein, aber das bedeutet nicht, dass die Bundesbürger nicht doch auch vermehrt bargeldlos bezahlen. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage für die Technologieberatung Bearing Point gaben 58 Prozent der Befragten an, den Online-Bezahldienst Paypal zu nutzen. Auch Google- und Apple-Pay machen sich demnach inzwischen statistisch bemerkbar. Jeder Zehnte verzichtet offenbar schon ganz auf Bargeld.

Letztlich wird sich digitales Bezahlen aus dem gleichen Grund durchsetzen, wie sich schon viele andere Produkte durchgesetzt haben: Es ist bequem. Dem Bargeld sprechen die Konsumenten zwar weiterhin positive Eigenschaften zu, aber das dürfte den Trend zum digitalen Bezahlen nicht aufhalten, genauso wie die Läden in der Innenstadt zwar geschätzt werden – für ihr Flair, für die Beratung –, aber letztlich doch bei Amazon bestellt wird.

Bequemlichkeit ist ein derart starker Anreiz, dass Menschen dafür auch Bedenken beiseite wischen. Facebook hat eine eindrückliche Demonstration dafür geliefert, dass selbst massive Datenschutzprobleme die Nutzer nicht im großen Stil verschrecken. 

Der 500-Euro-Schein sagt adé

Bargeld hinterlässt weniger Daten - digitales Bezahlen erhöht die Asymmetrie

Beim digitalen Bezahlen sind die Probleme ganz ähnlich gelagert. Zwar sind Zahlungsabwickler geübt darin, Daten vor Unbefugten zu schützen. Gleichwohl gewähren die Kunden den an den Transaktionen beteiligten Firmen tiefe Einblicke in ihr Leben – was sie mit Bargeld, das weitgehend anonyme Zahlungen ermöglicht, bislang nicht tun.

Durch das vermehrte digitale Bezahlen wird sich die Informationsasymmetrie zwischen Verbrauchern und Firmen verstärken. Darauf weist die Deutsche Bank in einer Analyse völlig zu recht hin. Wissen über die Gegenseite ist Macht. Unternehmen können zum Beispiel ihre Preisstrategie an das jeweilige Individuum anpassen: Wer einen lockeren Umgang mit Geld zeigt, wird dann womöglich kräftiger zur Kasse gebeten. Gezielte Werbung und Produktangebote führen dazu, dass mehr konsumiert wird als bisher und die Firmen ihre Umsätze steigern.

Bequemlichkeit hat ihren Preis. Wer ist bereit, ihn zu bezahlen?

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