Höhere Gebühren

Bankprodukte könnten teurer werden

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Genossenschaftliche Institute sehen Gefahr durch Zinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Bankdienstleistungen könnten mittelfristig teurer werden. Darauf hat die Präsidentin des Branchenverbandes der 875 Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Marija Kolak, hingewiesen. Grund sei die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Kolak glaubt, dass der Leitzins bis 2024 bei null verharren könnte. Sie befürchtet zudem, dass der EZB-Rat möglicherweise schon Ende Juli den Einlagenzins für Banken weiter ins Negative drücken könnte.

Über lange Zeit würden Negativzinsen für Volks- und Raiffeisenbanken „sicher nicht machbar sein ohne eine Belastung der Verbraucher“, sagte Kolak bei der Jahres-Pressekonferenz der genossenschaftlichen Finanzgruppe in Frankfurt. Bislang belasten nur einzelne Volksbanken große Einlagen von mehr als 100 000 Euro mit einem Negativzins.

Nach Berechnungen der Direktbank Comdirect haben Sparer wegen der Niedrigst- und Nullzinsen in Deutschland im ersten Halbjahr 15,9 Milliarden Euro eingebüßt. Im Schnitt habe der Einlagenzins im zweiten Quartal bei nur 0,16 Prozent gelegen, bei einer Inflationsrate von 1,7 Prozent. Daraus ergibt sich real ein negativer Zins von minus 1,55 Prozent. Wer also 1000 Euro auf dem Sparbuch hält, verfügt Ende 2019 nur noch über 984,50 Euro.

Für die Altersvorsorge der Bundesbürger seien die niedrigen Zinsen „Gift“, sagte Kolak. Etwaige Hinweise darauf würden allerdings überhört, auch bei der Bundesregierung. Die halte zudem weiter an der Idee einer Finanztransaktionssteuer fest. „Das macht es nur noch schlimmer“. Sie würde am Ende, wie die Umsatzsteuer, auch die Verbraucher treffen und widerspreche „dem Ziel, die Bürger zu einer langfristigen betrieblichen wie privaten Altersvorsorge zu ermutigen“.

Die 875 Volks- und Raiffeisenbanken mit ihren 10 520 Filialen kommen mit den Niedrigzinsen aber noch ganz gut zurecht. Unter dem Strich verbuchte die Gruppe 2018 einen Gewinn von 5,4 Milliarden Euro, ein Minus von rund 670 Millionen Euro. „Damit sind wir in Europa immer noch eine der ertragsstärksten Finanzorganisationen. Und eine der kapitalstärksten“, sagt BVR-Vorstand Gerhard Hofmann. Unterdessen geht auch bei den Genossen die Konsolidierung weiter. Im Vergleich zu 2018 sind 40 Institute vor allem durch Fusionen verschwunden, die Zahl der Filialen reduzierte sich um 600.

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