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Beim 21. Deutschen Bankentag in Berlin bespricht die Branche ihre künftigen Strategien.

Gebührenerhöhungen

Bankgeschäfte werden in Zukunft noch teurer

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In Zeiten von Negativzinsen suchen die Institute nach Einnahmequellen. So sollen Kunden höhere Gebühren zahlen - auch wenn die Zinsen künftig wieder steigen sollten.

Bankdienstleistungen werden dauerhaft teurer. Auf ihrem Branchentreffen in Berlin machten die privaten Institute deutlich, dass die jüngsten Gebührenerhöhungen nicht so schnell verschwinden werden, sondern sich im Gegenteil fortsetzen dürften. „Die Zeiten einer Kostenlos-Konjunktur sind da wahrscheinlich schon vorbei“, sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, am Donnerstag. Er glaube, dass dieser Trend anhalten werde, auch wenn die Zinsen irgendwann wieder steigen sollten.

„Mehr Ertragskraft“ müsse das Gebot der nächsten Jahre lauten, betonte Bankenverbandspräsident Hans-Walter Peters. Die Institute müssten ihre Gewinne steigern, um die Stabilität der Finanzbranche zu erhöhen. Zur Zeit zahlen die europäischen Geldhäuser laut Peters jeden Monat 450 Millionen Negativzinsen an die Europäische Zentralbank (EZB). Aufs Jahr hochgerechnet entspreche dies mehr als fünf Milliarden Euro, die als eine Art Sondersteuer anfielen. Diese Milliarden fehlten den Unternehmen für die Umstrukturierung, für Investitionen in die Digitalisierung oder zur Stärkung der Kapitalbasis.

Der Bundesverband deutscher Banken vertritt die privaten Anbieter wie Deutsche Bank oder Commerzbank. Aber auch und gerade Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken sind dazu übergegangen, für die Ausgabe von EC-Karten, für Überweisungen oder fürs Abheben von Bargeld Gebühren zu verlangen.

Die Unterschiede zu den Vereinigten Staaten sprach John Cryan, Chef der Deutschen Bank, an. Die Verbraucher in den USA seien bereit, vergleichsweise hohe Gebühren für den Service zu entrichten. Warum dies so sei, könne er auch nicht erklären. Dies sei in Europa und vor allem in Deutschland ganz anders, meinte Cryan. Für hiesige Banken folge daraus, dass sie noch härter ihre Kosten drücken und an ihrer Effizienz arbeiten müssten. Es heiße aber auch, dass Mittel für Innovationen etwa in die Digitalisierung fehlten, mit denen die Konkurrenten in den USA arbeiteten.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann bestätigte die Einschätzung, dass Gratiskonten ein Auslaufmodell sein dürften. In diesem Zusammenhang machte er sich den Ausdruck vom „Ende der Umsonstkultur“ zu eigen, den Anfang der Woche bereits Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret verwandt hatte. „Die historisch niedrigen Zinsen belasten im Zusammenwirken mit einer flachen Zinsstruktur die Ertragslage der Banken nachhaltig“, sagte Weidmann. Allerdings gebe es auch andere Gründe für die schwache Verfassung der deutschen Finanzfirmen. So seien die Kosten im Vergleich zu den Einnahmen im internationalen Vergleich hoch. Im Schnitt wenden deutsche Banken laut Weidmann etwa zehn Cent mehr für einen Euro Ertrag auf als Wettbewerber aus dem europäischen Ausland. So gebe es mehr Bankfilialen in der Bundesrepublik als Pizzerien. Allerdings haben die meisten Institute im Zuge der Digitalisierung begonnen, die Zahl der Niederlassungen zu reduzieren – nicht immer zur Freude der Konsumenten.

In der Debatte über die extrem tiefen Zinsen sprach sich der Bundesbankpräsident für eine allmähliche Normalisierung der Geldpolitik aus. Damit widersprach er EZB-Chef Mario Draghi, der ebenfalls am Donnerstag in einer Rede in Frankfurt seinen Widerstand gegen eine kurzfristige Kursänderung bekräftigt hatte. Weidmann verwies auf den anhaltenden Wirtschaftsaufschwung und den allmählichen Rückgang der Arbeitslosigkeit im Euro-Raum. Dadurch dürften die Löhne und der Preisdruck wieder zunehmen, so Weidmann. Mittelfristig zeigten die Prognosen eine Rückkehr der Inflation in den Zielkorridor von unter, aber nahe zwei Prozent an. In dieser Lage gehe es nicht um eine Vollbremsung der Geldpolitik, sondern darum, den Fuß ein Stück weit vom Gas zu nehmen.

Davon will EZB-Präsident Draghi freilich nichts wissen. Ihm sind die Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum und für einen Anstieg der Inflation auf Normalniveau zu unsicher. Die Europäische Zentralbank brauche noch mehr Hinweise, um ihre Bewertung der Aussichten für den Preisauftrieb wesentlich zu ändern, sagte Draghi. „Daher ist eine Neubewertung der gegenwärtigen geldpolitischen Haltung derzeit nicht gerechtfertigt.“

Auch der Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, wies in Berlin auf die anhaltenden Risiken im Euroraum hin. Trotz vieler Fortschritte sei das Tempo der Erholung nicht hoch genug, meinte der niederländische Finanzminister. Der Bankensektor bereite nicht nur in Italien Probleme, sondern in vielen Ländern der Währungsunion. Ausdrücklich nannte Dijsselbloem neben Portugal auch Deutschland.

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