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Angestellte von Hamburger Banken demonstrieren auf dem Adolphplatz.

Tarifverhandlungen

Banker starten ihre Warnstreiks

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Die Tarifverhandlungen für die Mitarbeiter der Geldinstitute gestalten sich äußerst schwierig.

Der Auftakt für landesweite Warnstreiks von Bankern ist gemacht: In Hamburg haben am Mittwoch nach Angaben der Gewerkschaft Verdi rund 500 Banker unter anderem für höhere Löhne demonstriert und sind ganztägig der Arbeit ferngeblieben. Weitere Warnstreiks mit Kundgebungen unter anderem in Köln, Wiesbaden, München und Nürnberg werden diese Woche folgen, auch nächste Woche soll es weitergehen, bevor am 11. April Gewerkschaften und Arbeitgeber für die dritte Verhandlungsrunde in den Tarifgesprächen zusammenkommen.

Bislang scheinen die Positionen der beiden Verhandlungsseiten unversöhnlich. Verdi fordert für die knapp 200.000 Mitarbeiter der privaten und öffentlichen Banken sechs Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit der Vereinbarung von zwölf Monaten. Beschäftigte sollen die Möglichkeit bekommen, statt mehr Geld mehr Freizeit zu erhalten. Zudem fordert Verdi unter anderem je Mitarbeiter sechs „Gesundheits- und Entlastungstage“, wobei Arbeitnehmern diese zur freien Verfügung stehen sollen, was sie de facto zu Urlaubstagen macht. Die beiden anderen Gewerkschaften der Branche, der DBV und die DHV, erheben in Teilen ähnliche, jedoch insgesamt etwas zurückhaltendere Forderungen.

Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt, sondern Verdi aufgefordert, erst einmal den Forderungskatalog abzuspecken. „Es ist eine sehr außergewöhnliche Situation. Verdis Forderungspaket ist so umfangreich wie nie“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands des privaten Bankgewerbes (AGV), Carsten Rogge-Strang, der Frankfurter Rundschau. „Das ist weit entfernt von allem, was für uns vorstellbar ist. Solange das so auf dem Tisch liegt, werden wir nicht vorankommen.“ Die Arbeitgeber verweisen auf die schwierige Ertragssituation der Banken.

Die Gewerkschaften dagegen betonen, dass die Gehaltssteigerungen der Banker in den vergangenen Jahren bei steigender Arbeitsbelastung unterdurchschnittlich waren. Während die Tarifverdienste 2018 laut dem Statistischen Bundesamt durchschnittlich 2,9 Prozent höher waren als ein Jahr zuvor, gewannen Mitarbeiter von Banken und Versicherungen nur 1,7 Prozent hinzu.

Der AGV dagegen hebt hervor, dass Tarifangestellte der Banken im Vergleich zu anderen Branchen immer noch sehr gut verdienen. Laut Statistischem Bundesamt erhielten Vollzeit-Mitarbeiter in der Finanzbranche ohne Sonderzahlungen im Jahr 2018 durchschnittlich 5238 Euro brutto im Monat, der Bundesdurchschnitt über alle Branchen hinweg lag bei 3880 Euro. Dabei geht es aber natürlich nicht nur um Tarifangestellte.

Die Bankbranche ist gewerkschaftlich sehr schwach organisiert. Die Streikbereitschaft könnte momentan allerdings höher sein als sonst. Die im Raum stehende Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank besorgt viele Mitarbeiter der beiden Kreditinstitute und könnte sie gewillter machen, sich aus Frust den Streiks anzuschließen.

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