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In den Niederlanden strauchelte während der Wirtschaftskrise so manche Bank - das Institut SNS Reaal wurde gar vom Staat übernommen.

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Banker sollen Berufseid schwören

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In den Niederlanden sollen Banker ab sofort wie Ärzte einen Berufseid schwören. Sieben Punkte umfasst der Ehrenkodex, es geht um Sorgfalt und integre Arbeit – zum Wohl des Kunden und nicht zum Nutzen der Bank.

Als der Investmentbanker Nick Leeson Ende der 90er-Jahre die traditionsreiche Baring’s Bank in den Ruin trieb, zeigte er wenigstens noch ein bisschen Reue. „Tut mir leid“, kritzelte er auf ein Post-it und klebte es an seinen Computer, ehe er untertauchte und Milliardenschulden zurückließ. Andere waren weniger zurückhaltend. Lloyd C. Blankfein, Chef der Bank Goldman Sachs, sagte nach der jüngsten Finanzkrise 2008 nur, Banker würden schlicht „Gottes Arbeit“ verrichten.

Für Chris Buijink ist das schlicht vermessen. Denn das mit dem Vertrauen in die schöpferische Kraft der Banker sei so eine Sache: „Wir stellen fest, dass das Vertrauen in die Bankenwelt gestört ist. Und das bekümmert uns“, sagt der Chef des niederländischen Bankenverbandes. Buijink will das nun ändern: Im neuen Jahr sollen alle 90 000 Banker in den Niederlanden einen Berufseid ablegen. Sieben Punkte umfasst der Ehrenkodex, es geht um Sorgfalt und integre Arbeit – zum Wohl des Kunden und nicht zum Nutzen der Bank.

Bislang mussten nur Spitzenmanager schwören. Nun aber sollen alle Bankangestellten ran. „Unternehmenskultur und rechtschaffenes Verhalten geht alle Mitarbeiter an – ob in den Spitzenetagen oder am Bankschalter“, sagt Buijink, 60, ein Mann mit vollem Gesicht, aber weicher Ausstrahlung. Im vergangenen Jahr hat er die Leitung der Bankenvereinigung übernommen. Als Seiteneinsteiger. Jahrzehntelang machte der Politologe im niederländischen Wirtschaftsministerium Karriere. Dann, nach der Krise, suchten die Banker nach einem Neuanfang und kamen auf Buijink.

Der spricht nun viel von Vertrauen, das es zurückzugewinnen gelte. In der Tat strauchelte auch in den Niederlanden so manche Bank. Das Institut SNS Reaal wurde gar vom Staat übernommen. Den Geldinstituten wurden dafür hohe Abgaben auferlegt. Sie zahlen nun für ihre Krise.

Buijinks Ansatz erinnert ein wenig an die Mediziner und ihren Eid des Hippokrates. Allerdings konnte auch der keinen einzigen Ärzteskandal verhindern. „Unser Berufseid ist kein Ziel an sich“, gibt Bujinks in niederländischen Medien zu. Es gehe darum, das ethische Bewusstsein zu schärfen, damit sich das Verhalten der Bankmitarbeiter bessere.

Die Wirtschaft entdeckt in der Krise den Wert der Ethik. Zumindest wird wieder viel davon geredet. Gewinn soll nicht mehr alles sein. Auch Ehrlichkeit zählt. Soll und Haben sind eben auch moralische Kriterien. Schon Adam Smith war nicht nur Ökonom, sondern auch Moralphilosoph. Aber irgendwann ging das Moralische der Ökonomie verloren und es ging nur noch ums Geldverdienen.

„Der Vertrauenshebel ist mindestens so wichtig wie der Kredithebel“, erklärte nun Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds. Und der niederländische Finanzminister Jeroen Dijjselbloem bemühte gar die calvinistische Tradition seines Landes: „Er lehrt uns, dass du hart arbeiten und vernünftig mit deinem Geld umgehen musst.“

Protestantische Ethik und Kapitalismus – schon für Max Weber gehörte dazu der Verzicht. Und so wollen sich die Niederländer künftig nicht nur auf strengere Gesetze verlassen. Sie appellieren an das Gewissen der Banker. Wenn’s das denn noch gibt. „Banker müssen sich dessen bewusst sein, dass sie eine große gesellschaftliche Verantwortung besitzen“, sagte Buijink zuletzt. Der Mann meint es ernst. Nur in einem lässt er mit sich handeln. Der Zusatz „so wahr mir Gott helfe“ ist beim Schwur freiwillig. Das ist sehr calvinistisch. Es kommt auf den Einzelnen und sein Gewissen an. Nicht nur bei den Bankern.

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