Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Spanien ist ein Sorgenkind in Europa.
+
Spanien ist ein Sorgenkind in Europa.

Euro-Krise

Banken und Staaten ziehen sich in den Abgrund

  • VonStephan Kaufmann
    schließen

Die Ratingagentur Moody’s heizt mit der Herabstufung spanischer Geldinstitute die Euro-Krise weiter an, die mittlerweile einem Teufelskreislauf gleicht. Europa hätte jedoch durchaus Möglichkeiten, diesen zu unterbrechen.

Die Ratingagentur Moody’s heizt mit der Herabstufung spanischer Geldinstitute die Euro-Krise weiter an, die mittlerweile einem Teufelskreislauf gleicht. Europa hätte jedoch durchaus Möglichkeiten, diesen zu unterbrechen.

Ein Kreis hat keinen Anfang und kein Ende. Das gilt auch für den Teufelskreis, in dem Spanien derzeit steckt – und mit ihm die Euro-Zone. Um ihn zu beschreiben, kann man also irgendwo ansetzen. Zum Beispiel bei den Banken.

Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit von 16 großen spanischen Banken deutlich herabgestuft und damit der Euro-Krise neuen Schwung gegeben. Als Grund nannte Moody’s die Rezession in Spanien. Die Wirtschaftskrise lässt die Gewinne der Banken einbrechen. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Menschen werden ärmer und können ihre Kredite nicht mehr bedienen. Dadurch verlieren Hypothekenschuldner ihre Wohnungen, und die Banken bilanzieren immer mehr faule Kredite in ihren Büchern.

Folge: Die Geldhäuser werden klamm. Denn gegenseitig leihen sich die Banken derzeit kaum noch etwas, und wenn, dann zu hohen Zinsen. Aus dem Ausland fließt gar kein Geld mehr in Spaniens Bankensystem, im Gegenteil, Mittel werden abgezogen. Dies ist für Moody’s ein weiterer Grund zur Herabstufung.

Der spanische Staat wiederum kann seine Geldinstitute nicht stützen – dazu fehlt ihm das Geld. Der schlechte Zustand des Bankensystems wiederum macht Madrid in den Augen der Finanzmärkte zum unsichereren Kandidaten. Folge: Die Gläubiger verlangen immer höhere Zinsen. Am Donnerstag musste Madrid für drei- und fünfjährige Kredite fünf Prozent Zinsen zahlen, im März waren es noch 3,4?Prozent. Deutschland hingegen ist als sicherer Hafen beliebt und kommt billig an Geld.

Die Herabstufung der spanischen Banken durch Moody’s senkt ihre Kreditwürdigkeit nun weiter, sie müssen noch höhere Zinsen für Kredite zahlen und können selbst immer weniger Kredite an Unternehmen und Haushalte ausreichen. Beides verschärft die Rezession im Land, was wiederum das Haushaltsdefizit der Regierung erhöht und damit die Nervosität an den Finanzmärkten. Dies zwingt die Regierung zu härteren Sparmaßnahmen, die den Abschwung verstärken und so weiter.

Italien und Irland in Gefahr

Derzeit sind alle Augen auf Spanien gerichtet, hier droht derzeit Europas größter anzunehmender Unfall. Aber für Spanien könnte man auch Italien setzen, dessen Banken Moody’s am Donnerstag herabgestuft hatte. Oder Irland: Nach Berechnungen der Deutschen Bank dürfte das Land ein zweites Rettungspaket benötigen. Denn Irlands Banken haben durch den Crash an den Immobilienmärkten in den vergangenen vier Jahren 120?Milliarden Euro verloren – jetzt braucht Dublin wohl mehr Geld, um sie zu stützen.

Zweifelhafte Staatskredite und faule Bankkredite stecken sich derzeit in Europa gegenseitig an. Sollte sich die Situation verschärfen – etwa durch einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone – droht ein sogenannter Bank-Run: Die Sparer Italiens, Spaniens oder Portugals könnten ihre Konten leer räumen und ihr Geld in Sicherheit bringen. Dann stünde das europäische Finanzsystem vor dem Abgrund.

Was könnte Europa dagegen tun? Erstens eine europaweite Staatsgarantie aller Bankeinlagen – die belaufen sich allein für Spanien und Italien auf drei Billionen Euro. Zweitens müsste die Europäische Zentralbank (EZB) die Liquidität der Banken sichern, etwa über weitere Mega-Kredite. Um die Finanzmärkte zu beruhigen, könnte die EZB drittens auch ihr Ankaufprogramm für Staatsanleihen massiv ausweiten, um so den Märkten als verlässlicher Käufer für Staatspapiere zur Verfügung zu stehen. Und viertens wären Kapitalverkehrskontrollen in Europa denkbar, die den Abfluss von Geldern aus Krisenländern gesetzlich unterbinden.

Bundesregierung sperrt sich

Einen weiteren Vorschlag machte am Donnerstag der frühere EZB-Chef Jean-Claude Trichet: Die EU-Staaten sollten im Extremfall ein Land für bankrott erklären und seine Haushaltspolitik übernehmen können. Trichet verwies darauf, dass es bereits eine gegenseitige Überwachung der Haushaltspolitik in der EU gebe sowie Möglichkeiten der Bestrafung bei Verstößen. Der nächste Schritt wäre es, ein Land auch unter Konkursverwaltung stellen zu können, wenn es die EU-Vorgaben nicht erfüllt, sagte er. Demokratisch legitimiert wäre ein solcher Schritt, wenn er durch den Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs sowie das Europäische Parlament gebilligt würde,

Doch dies sind Krisenmaßnahmen für den Ernstfall. Kurzfristig sinnvoll wäre es wohl, dem Euro-Rettungsschirm ESM zu erlauben, Banken in Krisenländern direkt zu stützen. Bislang dürfen nur Staaten den Schirm nutzen – im Gegenzug für harte Sparauflagen, die die Rezession weiter verschärfen. Gegen eine europäische Bankenrettung aber sperrt sich bislang die Bundesregierung. Noch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare