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Ein Mitarbeiter geht im Werk Wetzlar der HeidelbergCement AGwaehrend Wartungsarbeiten auf dem riesigen Klinkerofen.

Sanierung

Banken geben Merckle Schonfrist

Die Finanzierung des Familienkonglomerats ist gesichert. Der Verkauf des Ulmer Generika-Herstellers Ratiopharm nimmt mit der Mandatierung zweier beratender Banken Gestalt an.

Die Gläubigerbanken haben der hoch verschuldeten Merckle-Gruppe mehr Zeit für die Sanierung des Firmenimperiums eingeräumt. Der dabei geplante Verkauf des Ulmer Generika-Herstellers Ratiopharm nimmt mit der Mandatierung zweier beratender Banken Gestalt an.

"Es gibt bereits eine Reihe von Kaufinteressenten, allerdings werden die ersten konkreten Gespräche erst nach der Sommerpause geführt", erklärten Ratiopharm und die Merckle-Vermögensverwaltung VEM. Die Royal Bank of Scotland (RBS) und die Commerzbank werden den Prozess steuern. Durch den Verkauf der Pharmafirma soll die Schuldenlast der Merckle-Gruppe von mehr als acht Milliarden Euro - ohne die mehrheitlich ebenfalls zum Merckle-Imperium gehörende Heidelberg-Cement - deutlich abgebaut werden.

Im Rahmen eines neuen Stillhalteabkommens setzten die Gläubigerbanken nun ihre Forderungen bis Ende 2010 aus. Zugleich wurde der laufende Überbrückungskredit von rund 400 Millionen Euro in einen längerfristigen Kredit umgewandelt. Leitplanken der Vereinbarung waren Ende Mai bekanntgeworden, als das Konzept in Grundzügen stand. Zuletzt hatten allerdings noch Unterschriften einiger der rund 60 Gläubigerbanken gefehlt.

"Für mich stand es außer Frage, dass die Banken auch den längerfristigen Kredit gewähren", erklärte der Sanierungsexperte Hans-Joachim Ziems, der mittlerweile die Geschäfte der Merckle-Vermögensverwaltung VEM führt. Ratiopharm ist im Besitz der VEM. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG hatten zuvor für die wichtigsten Beteiligungen der Merckle-Gruppe die Sanierungsfähigkeit bestätigt.

Ratiopharm zufolge sind mit der Vereinbarung nun auch geplante Investitionen nachhaltig gesichert. Auch der Pharmahändler Phoenix sieht nach eigenen Angaben durch die Ablösung der Übergangsfinanzierung seine Finanzierung gewährleistet.

Der Verkauf von Ratiopharm könnte sich allerdings bis ins nächste Jahr hinziehen. Nach früheren Angaben aus Finanzkreisen könnte der Verkauf bis zu 3,8 Milliarden Euro einbringen. Der israelische Spezialist für Nachahmermedikamente, Teva, sowie der französische Pharmariese Sanofi-Aventis gelten in der Branche als Kandidaten für eine Übernahme. Vom tatsächlichen Erlös wird abhängen, ob sich die Familie um Adolf Merckles ältesten Sohn Ludwig, der Alleinerbe des Firmenimperiums ist, danach auch von der Mannheimer Phoenix trennen muss. An dieser hatte bereits der britische Rivale Alliance Boots Interesse angemeldet, der dem Finanzinvestor KKR gehört.

Firmenpatriarch Adolf Merckle hatte sich Anfang Januar das Leben genommen. Der Milliardär hatte in den vergangenen Jahren ein riesiges, schwer durchschaubares Firmenkonglomerat aufgebaut, das zusammen auf Umsätze von etwa 30 Milliarden Euro kam. In finanzielle Schieflage geriet die Firmengruppe unter anderem durch Fehlspekulationen mit VW-Aktien. Dazu plagt die Gruppe die milliardenschwere Schuldenlast von Heidelberg-Cement. rtr

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