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HeidelbergCement ist stark verschuldet und sucht Investoren.

Überbrückungskredit

Banken geben Merckle-Gruppe Gnadenfrist

Ein Überbrückungskredit für die Unternehmensgruppe des verstorbenen Milliardärs Adolf Merckle soll um zwei Monate verlängert werden. Heidelberg-Cement plant Verkäufe und sucht Geldgeber.

Frankfurt. Der im Januar mit den Banken vereinbarte Überbrückungskredit für die Unternehmensgruppe des verstorbenen Milliardärs Adolf Merckle soll zunächst um zwei Monate verlängert werden.

Danach solle dieser von einem längerfristigen Kredit abgelöst werden, teilte die Merckle-Vermögensverwaltung VEM in Ulm mit. Das in diesem Zusammenhang in Auftrag gegebene Sanierungsgutachten von KPMG solle im April vorliegen.

Am Mittwoch hatten sich nach VEM-Angaben die Gläubigerbanken mit Merckle-Vertretern getroffen. "Wir haben hierbei nochmals bekräftigt, dass wir zu den vereinbarten und bereits eingeleiteten Maßnahmen zum Schuldenabbau stehen und diese im Sinne aller Beteiligten umsetzen", sagte der älteste Sohn des verstorbenen Milliardärs, Ludwig Merckle. Die Treuhänder und die Restrukturierungsexperten hätten sich erstmals persönlich allen Banken vorgestellt.

Der Chef des hochverschuldeten Baustoffkonzerns Heidelberg-Cement, Teil der angeschlagenen Merckle-Gruppe, soll das Unternehmen auch in Zukunft leiten. Der Aufsichtsrat verlängerte den im Januar 2010 auslaufenden Vertrag von Vorstandschef Bernd Scheifele um weitere fünf Jahre. Einen entsprechenden Bericht der "Börsen-Zeitung" bestätigte eine Sprecherin.

Heidelberg-Cement plant Verkäufe

In dem Kontrollgremium sind nach dem Freitod des Unternehmers Adolf Merckle und dem Tod eines weiteren Aufsichtsratsmitgliedes zwei Sitze vakant, zwei weitere sind mit Mitgliedern der Merckle-Familie besetzt. Nach Angaben der Sprecherin werden die beiden freien Posten nicht wieder besetzt, weil der Aufsichtsrat verkleinert werden soll.

Heidelberg-Cement plant Verkäufe im Wert von bis zwei Milliarden Euro und sucht weiter nach Geldgebern. Trennen wolle sich Deutschlands größter Baustoffhersteller von Einheiten, die nicht zum Kerngeschäft gehörten oder die geografisch weit entfernt seien, sagte Vorstandschef Bernd Scheifele am Donnerstag in Heidelberg. Als Beispiel nannte er neben "Kalkaktivitäten in Deutschland" das Stahlrohrgeschäft in den USA.

Das Unternehmen will seine Finanzierungsstruktur neu ordnen und sucht weiter nach Geldgebern. Derzeit spreche man mit potenziellen Investoren, es gebe aber noch keine Ergebnisse zu vermelden, sagte Finanzvorstand Lorenz Näger.

Konjunkturprogramme lassen hoffen

Für das laufende Geschäftsjahr erhofft sich der Konzern Impulse von bereits eingeleiteten Sparprogrammen und von den weltweit geplanten Konjunkturprogrammen. Erwartet wird aber weiter ein Rückgang bei Umsatz (2008: 14,18 Milliarden Euro) und operativem Ergebnis (2008: 2,14 Milliarden Euro).

Der Konzern sitzt seit der Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson im Jahr 2007 auf einem riesigen Schuldenberg. Als die Merckle- Gruppe Ende 2008 in Schieflage geriet, kündigte HeidelbergCement eine Neuordnung der Finanzierungsstruktur an - mit Hilfe von Banken und Investoren.

"Wir sind zuversichtlich, im Laufe des Jahres 2009 zu einer Lösung zu kommen", sagte Scheifele. 2008 hatte der Konzern seine Nettoverschuldung unter anderem dank eines Verkaufs und einer Kapitalerhöhung um 3 auf 11,6 Milliarden Euro gesenkt.

Der Firmenchef zeigte sich für die Zukunft zwar zuversichtlich, wollte aber wegen der Konjunkturkrise keine genaue Prognose für das laufende Geschäftsjahr abgeben. "Einen solchen breitflächigen Absturz in einer solchen Geschwindigkeit habe ich noch nie erlebt", sagte er.

Stellenabbau "bisher" nicht vorgesehen

"Wir sagen zu diesem Jahr erstmal gar nichts, denn was man sagt, ist verkehrt." Er sei aber "optimistisch, dass wir durch das Wellental kommen". Ein Stellenabbau in Deutschland sei "in den bisherigen Planungen nicht vorgesehen", sagte Scheifele.

Zu den Schritten gehöre eine Absenkung der Investitionen von knapp einer Milliarde Euro auf 750 Millionen Euro. Zudem werde sich der Abbau von 7000 Stellen in den USA und von 5000 Stellen in Großbritannien auszahlen. Dort habe Heidelberg-Cement fast 100 Standorte geschlossen.

Ein bereits 2008 gestartetes "Fitnessprogramm" soll Einsparungen von 250 Millionen Euro ermöglichen, das mit der Übernahme von Hanson verbundene Sparvolumen soll sich von 135 Millionen Euro auf 250 Millionen Euro erhöhen.

2008 stieg der Umsatz wegen der Hanson-Übernahme von 10,86 Milliarden Euro auf 14,18 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stiegt um 16 Prozent auf 2,14 Milliarden Euro, der Überschuss sank wegen einmaliger negativer Sondereinflüsse um etwa 400 Millionen Euro auf 1,80 Milliarden Euro. (rtr/dpa)

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