Blankfein steht unter verschärfter Beobachtung.
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Blankfein steht unter verschärfter Beobachtung.

Goldman Sachs

Bankchef bekommt einen Aufpasser

Goldman-Sachs-Boss Lloyd Blankfein war einst unumstritten. Doch inzwischen wächst die Kritik

Nach einer Serie von Negativschlagzeilen zieht bei der US-Investmentbank Goldman Sachs ein neuer starker Mann ein. Der ehemalige Versicherungschef James Schiro übernimmt den erst jüngst geschaffenen Posten des obersten Direktors (Lead Director) und schaut künftig Bankchef Lloyd Blankfein auf die Finger.

Blankfein war einst die unumstrittene Nummer eins bei Goldman. Inzwischen wird der Ruf nach seiner Ablösung aber immer lauter. Zwar hatte er das legendäre Wall-Street-Haus beinahe unbeschadet durch die Finanzkrise gesteuert und in schwierigen Zeiten noch Milliardengewinne eingefahren, doch Kritiker werfen ihm vor, dies auf Kosten der eigenen Kunden geschafft zu haben.

Zuletzt hatte der ehemalige Bankmitarbeiter Greg Smith öffentlich einen Verfall der Sitten angeprangert und unter anderem Blankfein dafür verantwortlich gemacht. Smith hatte damit eine seit längerem schwelende Debatte wieder angefacht. Schon vor zwei Jahren hatte die US-Börsenaufsicht SEC der Bank vorgeworfen, Kunden bei einem Hypothekengeschäfts übers Ohr gehauen zu haben. Der Fall endete in einem Vergleich, bei dem Goldman Sachs 550 Millionen Dollar (418 Millionen Euro) zahlte.

Auf Drängen von Investoren hatte Goldman erst in der vergangenen Woche die Rolle der Aufpasser im Verwaltungsrat gestärkt und die Funktion des „Lead Director“ neu geschaffen.

Schiro ist seit drei Jahren einfaches Mitglied im Verwaltungsrat. In der Finanzszene kennt er sich bestens aus – und könnte damit Blankfein wenn nötig Paroli bieten. Schiro war zuvor Chef des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich Financial Services.

Bank verkauft Sexportal

Nach anhaltender Kritik teilte Goldman jetzt auch mit, dass es sich von der Beteiligung an einem Sexportal getrennt habe: Ein von Goldman geführter Fonds habe seinen Anteil von 16 Prozent an Village Voice Media verkauft. Village Voice betreibt die Online-Seite Backpage.com, wo neben Mietwohnungen auch „Begleitservices“ und Striptease-Auftritte angeboten werden. Ein Autor der New York Times hatte der Website jüngst die Förderung von Prostitution und Mädchenhandel vorgeworfen. (dpa, rtr)

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