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Ein- und Auszahlungen können etwas kosten. Klar ist: Ganz gratis ist gar nichts.

Gebühren

Bei der Bank gibt's nichts geschenkt

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Bezahlen fürs Geldabheben? Richtig gratis war bei den Banken zwar noch nie etwas. Aber jetzt testen sie aus, welche neuen Gebühren sich die Kunden aufdrücken lassen. Eine Analyse.

„Umsonst ist der Tod und der kostet das Leben“, heißt es. Die Wendung wird häufig zitiert, wenn der Redner sagen will, dass für alles bezahlt werden muss. Sie darf jedoch ebenso ob ihres Wahrheitsgehalts angezweifelt werden wie die jüngste Aussage von Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret, der für viele Bankkunden „ein Ende der Umsonstkultur“ sieht. Gab es denn etwas umsonst?

Zwar war es in der Vergangenheit Praxis, dass Banken als „kostenlos“ beworbene Girokonten mit Einnahmen aus ihren Zins- und Provisionsgeschäften quersubventioniert haben. Richtig ist aber auch, dass Privatkunden ohne nennenswertes Vermögen schon in der Vergangenheit oftmals auf ganz verschiedene Weise zur Kasse gebeten wurden. Und Banken sich „ihr“ Geld darüber hinaus auf vielfältige andere Art „zurückgeholt“ haben. Nicht zu vergessen ist zudem, dass sie mit unserem Geld, das wir ihnen anvertrauen, arbeiten. Mit Philanthropie hatte die „Gratiskultur“, auf deren Ende auf dem 21. Deutschen Bankentag vergangene Woche unter anderen auch von Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, eingestimmt wurde, nichts zu tun.

Kreditinstitute begründen Gebühren mit Niedrigzins

Seit der Neuregelung des Paragraphen 675 f Absatz 4 Satz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) kann eine Bareinzahlung auf das eigene sowie die Barauszahlung vom eigenen Konto mit einem Entgelt versehen werden. Gleichwohl war es eine Zäsur, dass Kunden einiger Sparkassen und Volksbanken für das Geldabheben an institutseigenen Automaten zahlen müssen. Zuvor hatte schon die Sparkasse Köln-Bonn Schlagzeilen gemacht, weil sie von Privatkunden mit sehr hohen Einlagen künftig Negativzinsen verlangt. Andere Institute hatten das zwar bereits vorgemacht. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) gehörte allerdings zu denjenigen, die „Verwahrentgelte“ für Privatkunden ausgeschlossen hatten.

Kreditinstitute begründen die Gebührenerhebung mit dem Niedrigzins. Dabei haben sie auch von ihm profitiert, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann jüngst einräumte: „Fairerweise sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass die sinkenden Zinsen anfänglich bei einigen Banken auch zu positiven Bewertungseffekten geführt haben und die konjunkturstimulierende Wirkung der Geldpolitik das Risiko von Kreditausfällen verringert.“ Erst mit Zeitverzögerung haben sich die negativen Effekte der Niedrigzinspolitik auf die Bankbilanzen durchgeschlagen und werden daher auch nach einer Zinswende noch eine Weile spürbar bleiben. Erste, vorsichtige Zinsanhebungen könnten nach Meinung einiger Experten 2018, 2019 nach Ablauf des Anleihenkaufprogramms kommen.

Bleiben dürften indes die neuen Gebühren. In der Branche spricht man von „Probebohrungen“, wenn sich Kriminelle Zugang zu einem fremden Konto ergaunern und zunächst einen kleinen Betrag – beispielsweise in Gold – investieren. Geht die Transaktion durch, folgen größere Summen. Bei der Gebührenerhebung scheinen die Institute dieser Taktik zu folgen: Es wird kräftig auf höhere Gebühren eingestimmt, erste Institute langen bereits beim Kunden zu. Zunächst nur ein bisschen hier, ein bisschen da. Bleibt der öffentliche Aufschrei aus, dürften weitere Banken nachziehen. Der Dumme ist der Kunde – wenn er mitspielt. Eva Raabe, Leiterin der Verbraucherzentrale Kassel, empfiehlt, Kontoauszüge auf Gebühren zu prüfen – und gegebenenfalls die Bank zu wechseln.

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