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Seit 1. Juli 2015 führt er die Deutsche Bank zusammen mit Jürgen Fitschen: John Cryan, Bankmanager aus Großbritannien.
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Seit 1. Juli 2015 führt er die Deutsche Bank zusammen mit Jürgen Fitschen: John Cryan, Bankmanager aus Großbritannien.

Deutsche Bank

„Die Bank balanciert am Abgrund“

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
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Der Experte Hans-Peter Burghof spricht über John Cryans psychologisches Spiel und die Aussichten für den Konzern.

Herr Professor Burghof, John Cryan ist seit einem halben Jahr im Amt und der Aktienkurs der Bank ist seitdem abgestürzt. Muss man ihm das persönlich anlasten?
Nein, nach so kurzer Zeit ist er sicher nicht verantwortlich. Wie seine Leistung zu beurteilen ist, kann man noch nicht sagen. Das Problem ist, dass Aktionäre immer schnelle Lösungen sehen wollen. Das ist brandgefährlich, weil das bei den Unternehmen zu kurzfristig gedachten Strategien führen kann. Und das geht dann oft wieder auf Kosten der Kunden und des langfristigen Erfolges. Aber man kann die Aktionäre natürlich auch verstehen – sie sind schon sehr lange geduldig gewesen mit der Deutschen Bank.

Wie beurteilen Sie denn die Strategie, die Cryan im letzten Herbst vorgestellt hat?
Es besteht doch kein Zweifel daran, dass die Deutsche Bank schrumpfen muss. Und ich denke, der neue Mann an der Spitze setzt gute Zeichen: Er hat die Bank personell neu aufgestellt im Management – auch wenn dadurch natürlich auch Wissen und Kontinuität verloren geht. Er bemüht sich darum, eine neue Vertrauensbasis mit der Aufsicht aufzubauen und einiges Porzellan zu kitten, dass hier in den letzten Jahren zerschlagen wurde. Und er ist schonungslos ehrlich gegenüber den Mitarbeitern. Das kommt bei denen natürlich nicht immer gut an.

Inwiefern?
Na, er hat ja mehrfach klar gesagt, was in der Bank alles schief gelaufen ist. Dass die Gehälter zu hoch waren zum Beispiel. Viele Mitarbeiter fühlen sich durch solche Aussagen demotiviert und zum Sündenbock gemacht. Das ist natürlich gefährlich in einem so wichtigen Umbauprozess, wo alle Mitarbeiter mitziehen müssen. Andererseits: Bei einem Verlust von 6,8 Milliarden Euro muss man als Mitarbeiter dieser Bank einiges an Kritik akzeptieren, auch wenn man sich persönlich vielleicht nichts vorzuwerfen hat.

Hätte Cryan denn wirklich einen so krassen Verlust ausweisen müssen?
Er hat vermutlich Zeit gegen Geld gestellt. Vielleicht hätte er Probleme bilanziell strecken können – aber dann hätte er immer wieder schlechte Nachrichten verkünden müssen. Das ist natürlich auch ein psychologisches Spiel – wenn es von nun an aufwärts geht, wirkt er wie der weiße Ritter, der die Bank gerettet hat.

Sind Sie optimistisch, dass es der Bank bald wieder besser geht?
Ich war schon mal optimistischer, es geht einfach nur sehr langsam voran. Und es gibt auch viele Themen, auf die die Deutsche Bank gar nicht so großen Einfluss hat und die ihr dennoch massiv schaden. Die hohen Regulierungskosten, der schwierige, wenig ertragreiche deutsche Bankenmarkt, die Niedrigzinsen – und dann die Art, wie Rechtsrisiken in den USA gestaltet werden. Die Kosten dafür sind gar nicht kalkulierbar, besonders für ausländische Unternehmen. Und selbst wenn man sich geeinigt und gezahlt hat, hängt oft die Möglichkeit der Wiederaufnahme des Verfahrens wie ein Damoklesschwert über dem Delinquenten. Auf die Deutsche Bank könnte da noch einiges zukommen.

In der Bank geht die Angst um, zum Übernahmekandidaten zu werden. Halten Sie das für realistisch?
Sie wäre gerade billig zu haben – aber wer würde sich das antun? Die Bank verdient nicht ihre Kapitalkosten, hat zahlreiche Probleme und agiert in einem schwierigen europäischen Markt. Und sie muss gerade das Vertrauen von Kunden zurückgewinnen. Was meinen Sie, würde der schwäbische Mittelständler davon halten, wenn da plötzlich angelsächsische Golden Boys das Sagen übernehmen? Dann laufen noch mehr Kunden weg – Ausländer haben es schwer auf dem deutschen Markt. Und dann könnte es bei der Deutschen Bank immer noch politischen Widerstand gegen eine Übernahme geben. Aber klar ist: Die Bank balanciert gerade am Abgrund.

Interview: Nina Luttmer

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