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Zwei junge Arbeiter nähen in einer Textilwerkstatt in Dhaka (Bangladesch) Hosen.
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Zwei junge Arbeiter nähen in einer Textilwerkstatt in Dhaka (Bangladesch) Hosen.

Globalisierung

Bangladesch bleibt Bangladesch

  • VonStefan Sauer
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Trotz Textilbündnis und anderer Abkommen leiden Näherinnen unter furchtbaren Arbeitsbedingungen.

Man sieht es Kleidungsstücken nicht an, wo und von wem und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden. Man sieht Qualität und Preis und freut sich: So ein schönes Teil, für so wenig Geld. Trotzdem verdienen Handelsketten wie H&M gut am Verkauf von Hosen, Hemden und Kleidern. Denn produziert werden die Textilien unter oft unerträglichen Bedingungen in Ländern mit extrem niedrigem Lohnniveau, vornehmlich in südasiatischen Ländern wie Indien und Bangladesch. An die hiesige Öffentlichkeit gelangen die Missstände in der Herstellerländern nur im Katastrophenfall, etwa als 2013 in Bangladesch das Rana Plaza Textilgebäude einstürzte und 1135 Menschen unter sich begrub.

Seither wurden alle möglichen Vereinbarungen zu Feuerschutz und Arbeitssicherheit unterzeichnet, Handelsketten traten einem Textilbündnis für faire und sichere Produktionsbedingungen bei und auch H&M verpflichtete sich zur Einhaltung internationaler arbeitsrechtlicher Abkommen und Normen. So bekannte sich der Handelskonzern am 14. Januar 2014 zu den Normen der internationalen Arbeitsorganisation ILO. Neben dem Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit werden damit das Recht auf Gründung von Gewerkschaften und kollektive Tarifverhandlungen garantiert.

Die Wirklichkeit in den rund 400 Zuliefer-Betrieben, in denen H&M in Bangladesch nähen lässt, wird von lokalen Belegschaftsvertretern und Gewerkschaftsaktivisten allerdings völlig anders beschrieben. Jeder Versuch, eine Arbeitnehmervertretung ins Leben zu rufen, um über Gesundheitsschutz, Löhne und Arbeitszeiten zu verhandeln, werde mit massiven Repressalien beantwortet, berichtet der Vorsitzende der Textilgewerkschaft NGWF, Amirul Haque Amin. Amin ist mit drei weiteren Gewerkschaftsvertretern aus Indien und Bangladesch auf Einladung von Verdi nach Berlin gekommen, um auf die schlechten Arbeitsbedingungen in der südasiatischen Textilindustrie aufmerksam zu machen.

Die Arbeiterinnen, so Amin, müssen zwölf bis 14 Stunden pro Tag schuften, oftmals an sieben Tagen in der Woche. Umgerechnet 59 Euro erhalte eine Näherin in Bangladesch pro Monat, in Indien seien es 108 Euro. Sobald sich Widerstand rege, würden Beschäftigte entlassen, körperlich misshandelt, bedroht oder sexuell missbraucht. Auch Fälle von Kidnapping habe es gegeben. Die Unternehmen vor Ort missachteten Bestimmungen zum Mutterschutz, blieben die Bezahlung von Überstunden schuldig und drückten sich um gesetzlich garantierte Lohnzuschläge.

Dabei ist der schwedische Modehändler nicht der einzige, gegen die sich die Vorwürfe richten. Auch Zara, Primark, C&A, Aldi, Lidl und Tchibo tauchen auf einer Liste auf, die Amin und seine Mitstreiterinnen mitgebracht haben. Ihr Vorwurf gegen die Konzerne wiegt schwer: „Die multinationalen Handelsunternehmen geben Preise, Produktionsmenge, Lieferfristen und Qualitätsstandards vor und sind damit unmittelbar für Arbeitsbedingungen und Löhne bei ihren Zulieferern verantwortlich“, sagt Amin. Gemeinsam fordern die Gewerkschaften nun H&M und andere Handelsketten auf, mit halbwegs fairen Preisen wenigstens für existenzsichernde Löhne und die Durchsetzung grundlegender Arbeitnehmerrechte zu sorgen.

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