Glücksspiel

Bangen um das Lotto-Monopol

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Der Deutsche Lotto- und Totoblock und das Deutsche Rote Kreuz warnen vor einer Liberalisierung des Glücksspielmarktes.

Torsten Meinberg, Geschäftsführer des Deutschen Lotto- und Totoblocks (DLTB), ist sich sicher: „Andere Unternehmen würde ordentlich auf den Putz hauen und ihre guten Taten natürlich sofort nach außen stellen. Das tun wir aber nicht.“ Kaum verwunderlich, denn der Glücksspielstaatsvertrag, auf dem Lotto basiert, verbietet dem DLTB exzessive Werbung für die eigene Sache. Um „das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht zu verhindern“ und den „Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen zu lenken“, heißt es im Gesetz.

Darum hält der DLTB auch hinter dem Berg damit, dass rund 40 Prozent der Spieleinnahmen von „6 aus 49“, Eurojackpot und Co. über Lotterieabgaben an die Bevölkerung zurückfließen. Das ist das sogenannte Gemeinwohlmodell für den guten Zweck: Im vergangen Jahr gingen vom 7,05 Milliarden schweren DLTB-Umsatz rund 2,8 Milliarden Euro an Wohlfahrt, Sport, Kultur und Umweltschutz.

Einer der Empfänger ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das am Montag zusammen mit dem DLTB zu einer Pressekonferenz in Berlin geladen hatte. Anlass war die gemeinsame Sorge um das Gemeinwohlprinzip. Das drohen private Anbieter im Internet zunehmend zu untergraben. Bei Unternehmen wie „Lottland“, „Lottohelden“ oder „Tipp24“ wetten die Spieler beispielsweise auf den Ausgang einer staatlichen Lotterie. Die versprochene Gewinnsumme ist die Gleiche – und der Gewinn des Anbieters enorm, weil er weder Steuern noch Gemeinwohlbeiträge abführt.

Für Meinberg ein klarer Fall von „Produktpiraterie“: „Die Unternehmen gaukeln den Spielern vor, sie würden deutsches Lotto spielen. In Wirklichkeit gehen die Gelder komplett ins Ausland.“ Denn die Unternehmen haben ihren Firmensitz nicht in Deutschland. Nach Zahlen der deutschen Glücksspielaufsichten flossen so im Jahr 2016 rund 600 Millionen Euro an Spieleinsätzen ins Ausland. Abzüglich der ausgeschütteten Gewinne lag der Unternehmensgewinn bei fast 300 Millionen Euro. Unter dem Strich „eine Größenordnung, die mittlerweile gesellschaftsschädlich ist“, findet Meinberg.

Das sieht DRK-Generalsekretär Christian Reuter genauso: „Das sind natürlich Gelder, die in der Wohlfahrtsarbeit fehlen.“ Wenn Spielwütige bei privaten Anbieter statt beim DLTB tippen, „reißt das Löcher unter anderem bei uns“. Umso ärger für den DLTB und dessen caritative Profiteure, dass derzeit debattiert wird, den Glücksspielmarkt in Deutschland sogar für private Anbieter zu liberalisieren und Online-Angebote nicht ins Ausland zu drängen. Zuletzt scheiterte eine Reform des aktuellen Glücksspielstaatsvertrags, nachdem Schleswig-Holstein das bisher geltende Verbot von Online-Glücksspielen nicht mehr mittragen wollte. Rechtlich ist das kein unumstrittenes Verbot, unter anderem deshalb, weil Verbote privater Angebote im Ausland nicht vollstreckbar sind.

Trotzdem hält Meinberg nichts von Liberalisierungen auf dem Glücksspielmarkt, die etwa Dänemark auf den Weg gebracht hat. Dort sei die Zahl der spielsuchtgefährdeten Personen enorm gestiegen. „Wenn man das auf Deutschland übertragen würde, sind wir dann nicht mehr weit weg von einer Zockerrepublik.“ Eine Aussicht, die weder Meinberg noch Reuter gefällt. Beide hoffen, dass die Ministerkonferenz Ende Oktober eine Liberalisierung abwendet.

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