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Bahnfahren wird teurer

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Von: Wolfgang Mulke

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Michael Peterson (r), DB-Vorstand Personenfernverkehr, und Gonzalo Urquijo Fernandez de Araoz, Vorstandsvorsitzender des Herstellers Talgo, stellen den neuen ICE L vor.
Michael Peterson (r), DB-Vorstand Personenfernverkehr, und Gonzalo Urquijo Fernandez de Araoz, Vorstandsvorsitzender des Herstellers Talgo, stellen den neuen ICE L vor. © dpa

Vorstand Michael Peterson kündigt höhere Preise an. Gute Nachrichten für Passagierinnen und Passagiere gibt es aber auch: Mit dem neuen ICE wird das Kofferschieben leichter.

Bahnkund:innen müssen sich im Winter auf höhere Ausgaben für Bahntickets einstellen. „Wir werden die Preise erhöhen müssen“, kündigte der für den Personenverkehr zuständige Vorstand Michael Peterson am Rande einer Zugpräsentation an. Der Konzern erwartet im kommenden Jahr zwei Milliarden Euro Mehrausgaben für Energie. Einen konkreten Beschluss wird der Aufsichtsrat des Konzerns Ende des Monats fassen. Üblicherweise steigen die Preise zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember. Zuvor wurde schon bekannt, dass die Preise im Nahverkehr der Länder am Jahresende um vier Prozent angehoben werden.

Barrierefreies Reisen

Doch es gibt auch gute Nachrichten von der Schiene. Ein Ärgernis wird bald beseitigt. Wenn der schwere Koffer, der Kinderwagen oder ein Rollstuhl mit in einen ICE müssen, ist heute noch Muskelarbeit angesagt. Die Stücke müssen über die Stufen am Einstieg in die Waggons gehievt werden. Damit ist es zumindest auf einigen Strecken bald vorbei. Dafür sorgen die Ingenieur:innen des spanischen Bahnproduzenten Talgo.

Sie haben eigens für die Deutsche Bahn den ICE L entwickelt. Das „L“ steht für Low Floor, Niederflur. Bei diesem Fahrzeug ist der Ausstieg ebenerdig. Die Passagier:innen schieben ihre Koffer einfach in den Waggon hinein. „Es gibt keine Stufen oder Rampen“, sagte Talgo-Chef Gonzalo Urquijo, „alles ist barrierefrei zugänglich und befindet sich auf gleicher Höhe mit dem Bahnsteig“. Talgo zufolge ist diese Ausstattung bisher einzigartig.

23 Züge hat die Bahn zunächst bestellt. Sie werden ab 2024 ausgeliefert. Insgesamt hat sich die Bahn vertraglich die Lieferung von 100 Zügen gesichert. Sie werden zunächst auf der Strecke zwischen Berlin und Amsterdam eingesetzt, danach folgen die Verbindungen nach Sylt und ins bayerische Oberstdorf. „Und mit dem neuen Innendesign im ICE gibt es erstmals Wohnzimmeratmosphäre auf der Schiene“, versicherte Bahn-Vorstand Michael Peterson.

Ebenerdig soll auch die nächste Generation an Hochgeschwindigkeitszügen konstruiert werden. Das sehen laut Peterson die Ausschreibungsbedingungen vor. Daran müssen die Ingenieur:innen aber noch eine Weile arbeiten. Denn noch sind die Radkästen der schnellen ICE so hoch, dass ein Einstieg auf Höhe der Bahnsteigkante gar nicht möglich ist. Zeit haben die Techniker:innen noch. Diese Züge kommen erst im nächsten Jahrzehnt zum Einsatz.

An der Entwicklung des ICE L haben viele mitgewirkt, auch einige Hundert Bahnfahrer:innen und der Behindertenrat. So kann der Zug mit einigen Verbesserungen aufwarten. Das Licht ist nicht mehr so fahl, sondern wärmer. Die Sitze sind mit Wollstoff bezogen und können in eine bequemere Lage verschoben werden, ohne das damit Passagier:innen in der nachfolgenden Sitzreihe eingeengt werden. In der ersten Klasse gibt es zwischen den Sitzreihen eine Trennwand. So lässt sich der Film der Fahrgäste in der Reihe davor nicht mehr mitansehen. Auch Telefonate sollen nicht mehr zu anderen durchdringen. Schließlich erhält auch in der zweiten Klasse jeder Sitz eine Steckdose.

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