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Der bundeseigene Konzern führt den Gewinneinbruch insbesondere auf die Lokführerstreiks und mehrere Unwetter zurück.

Deutsche Bahn

Bahn schließt Jobabbau nicht aus

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Der Radikal-Umbau des Konzerns könnte mit Stellenstreichungen einhergehen, sagt Chef Rüdiger Grube in Berlin. Der Gewinn brach im ersten Halbjahr um fast 40 Prozent ein.

Der geplante Radikal-Umbau der Deutschen Bahn wird möglicherweise auch mit Stellenstreichungen einhergehen. Das ließ Konzernchef Rüdiger Grube am Dienstag in Berlin erkennen. Der neue Bahn-Vorstand werde bis Dezember ein Konzept für die weitere Ausrichtung des Unternehmens erstellen, sagte Grube. Dabei werde es auch um Arbeitsplätze gehen. Ein ausdrückliches Bekenntnis zum Erhalt aller Jobs legte Grube nicht ab. Er betonte lediglich, dass die Veränderungen im Konzern „gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen“ erarbeitet und umgesetzt werden sollen.

Der DB-Konzern beschäftigt mehr als 300.000 Mitarbeiter, rund zwei Drittel davon in Deutschland. Er gehört zu den größten hiesigen Arbeitgebern. Das Geschäft gestaltet sich jedoch weiterhin schwierig, wie Grube und sein Finanzchef Richard Lutz berichteten.

So brach im ersten Halbjahr der Gewinn nach Steuern um fast 40 Prozent auf nur noch 391 Millionen Euro ein. Der bundeseigene Konzern führt dies insbesondere auf die Lokführerstreiks und mehrere Unwetter zurück. Der Umsatz stieg um 1,3 Prozent auf 20 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr korrigierten die Manager die Gewinnprognose leicht nach unten. Sie rechnen nun damit, dass unterm Strich etwa eine Milliarde Euro übrigbleiben wird. Im Personenverkehr steht die Bahn auch wegen des Erfolgs der Fernbus-Anbieter unter Druck.

Als Antwort auf die schwierige Situation hatte das Bahn-Kontrollgremium am Montag auf Initiative Grubes eine Neuordnung des Vorstands beschlossen, die auch mit ersten Änderungen an der Konzernstruktur einhergeht. Dies soll die Bahn schlagkräftiger machen und der Auftakt für einen grundlegenden Umbau des Unternehmens sein.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kündigte an, dabei die Interessen der Beschäftigten zu verteidigen. „Wir werden uns sehr genau anschauen, welche Folgen die geplanten Veränderungen haben werden, um in der Dezember-Sitzung des Aufsichtsrats die Position der EVG deutlich machen zu können“, sagte EVG-Chef Alexander Kirchner.

Für einige Tausend Beschäftigte des Staatskonzerns sind bereits jetzt größere Veränderungen in Sicht: So soll sich die Berliner Zentrale künftig nur noch mit Aufgaben befassen, die unmittelbar mit der Führung des Unternehmens zusammenhängen. Dafür braucht Grube nach eigenen Angaben etwa 2400 Mitarbeiter. 5000 weitere Beschäftigte, die bislang Servicefunktionen und interne Dienstleistungen für den Konzern erbringen, sollen in Zukunft nicht mehr der Hauptverwaltung, sondern der neuen Einheit „DB Global Service Center“ zugeordnet sein.

Am Standort Frankfurt werden die Zweitbüros des Vorstands geschlossen. Betroffen sind davon nach Angaben Grubes „weit unter 100 Leute“, denen teilweise neue Aufgaben in Berlin angeboten werden sollen. Auch in Zukunft will die Bahn einen Großteil ihrer Aktivitäten vom Main aus steuern. Dort sitzen unter anderem die Töchter DB Fernverkehr und DB Regio.

Weitere Veränderungen für die Mitarbeiter dürften sich durch die Abschaffung der Doppelstruktur im Bahn-Konzern ergeben: So will Grube die DB Mobility Logistics auflösen und wieder mit der Deutschen Bahn AG zusammenführen. Dadurch entfallen zwei Führungsebenen.

Die DB behält sich auch vor, in Zukunft bei zwei Tochterfirmen fremde Investoren mit an Bord zu holen. Dies gilt für die Auslandstochter DB Arriva sowie für den Logistikdienstleister DB Schenker Logistics. Ein Komplettverkauf stehe jedoch nicht zur Debatte, betonte Grube. Durch den Verkauf von Minderheitsanteilen könnte die Bahn Geld für Zukäufe einnehmen oder ihre Verbindlichkeiten reduzieren. Den Konzern hat mehr als 17 Milliarden Euro Schulden.

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