Ziele verfehlt

Bahn kämpft gegen Verspätungschaos

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Vorstand erwartet für 2020 deutliche Fortschritte bei der Pünktlichkeit

Die Bahn sieht sich gut gerüstet – zumindest für die unmittelbar bevorstehenden Herausforderungen. „Wir glauben, dass wir auf den großen Weihnachtsverkehr optimal vorbereitet sind“, sagte gestern Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla bei einer Pressekonferenz in Berlin. Allerdings musste er auch einräumen, dass der Staatskonzern eines seiner großen Ziele im laufenden Jahr wohl verfehlen wird. Die Bahn hatte sich vorgenommen, dass 76,5 Prozent aller Fernzüge pünktlich sein sollten. Pünktlich heißt es in diesem Zusammenhang: weniger als sechs Minuten zu spät. Im günstigsten Fall seien noch 76 Prozent zu erreichen.

2020 will die Bahn bei der Pünktlichkeit 78 Prozent schaffen. Infrastrukturvorstand Pofalla sagte am Donnerstag, er erwarte eine „deutliche Verbesserung“. Grund für die Zuversicht sind die beiden sogenannten „Plankorridore“, die im kommenden Jahr eingerichtet werden sollen – rund um Hamburg und zwischen Nürnberg und Würzburg. Darunter ist ein spezielles Management des Verkehrs auf besonders hoch belasteten Streckenabschnitten zu verstehen.

Nach Konzernangaben sind mit den ersten beiden dieser Korridore – zwischen Köln und Dortmund sowie Fulda und Mannheim – beachtliche Verbesserungen erzielt worden. So habe man auf dem Streckenabschnitt in Nordrhein-Westfalen durch eine bessere Steuerung des Verkehrs seit November 2018 rund 6000 Zugverspätungen im Fernverkehr vermeiden können – was pro Fahrt im Schnitt sieben Minuten entspricht. Dennoch wird der Konzern sein Verspätungsproblem nicht über Nacht loswerden.

„Es wird nicht in zwei, drei Jahren alles perfekt“, hatte Bahnchef Richard Lutz bereits am Mittwoch die Erwartungen gedämpft. „Das wird eine Generationenaufgabe.“ Allerdings stehen dem Staatskonzern für die Zukunft erheblich mehr Mittel für Investitionen zur Verfügung. 2019 war in diesem Zusammenhang ein Jahr mit wichtigen Weichenstellungen. Je nach Betrachtungsweise und Berechnungsgrundlage kann der Konzern im kommenden Jahrzehnt zwischen 156 und knapp 200 Milliarden Euro für Ausbau und Erhalt des Schienennetzes ausgeben.

Die am Mittwochabend von Bund und Bahn unterzeichnete Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung hat ein Volumen von 86,2 Milliarden Euro: Geld, das ausschließlich für die Sanierungen der bestehenden Infrastruktur bestimmt ist. Für 2020 hat die Bahn bereits Bauaufträge mit einem Volumen von neun Milliarden Euro vergeben. Im vergangenen Jahr sind nach Bahn-Angaben 1500 Kilometer Gleise und 1600 Weichen modernisiert worden, 3,5 Millionen Tonnen Schotter wurden ausgetauscht, 2,5 Millionen Schwellen erneuert.

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