Umsatzeinbrüche

Bäckereien in der Krise

Trotz eines neuen Trends zum Brot sinken insgesamt die Umsätze.

Die Kunden kommen mit Mundschutz und dürfen vor dem Tresen nicht mehr nebeneinander stehen. Kaffee zu trinken, ist selbst an den Stehtischen verboten. Und auch Pflaumenkuchen oder Käsebrötchen gibt es nur noch „to go“. Obwohl Bäckereien geöffnet blieben, hat auch ihnen die Corona-Krise zu schaffen gemacht – zumal sie schon zuvor unter mächtiger Konkurrenz zu leiden hatten.

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks schätzt, dass die Umsätze um 40 Prozent eingebrochen sind, in Einzelfällen sogar um 90 Prozent. Die Branche fürchtet eine Pleitewelle, falls es nicht bald zu Lockerungen der Corona-Regeln kommt. Nur eins geht derzeit gut - und das ist Brot.

Das eine hängt mit dem anderen zusammen: In der Corona-Krise essen deutlich mehr Menschen zu Hause. Zum Abendbrot wird wieder häufiger eine Stulle geschmiert. Dafür halten sich die Kunden aber seit Beginn der Corona-Krise bei Kuchen und Torten zurück - auch weil Kaffeeklatsch und Geburtstagstafeln weitgehend ausfallen.

Ob der Trend zum Brot nachhaltig ist, lässt sich zudem bezweifeln. Die langfristige Entwicklung sieht anders aus, denn obwohl nach wie vor fast alle Haushalte in Deutschland Brot kaufen (97,9 Prozent), tun sie dies immer seltener und in geringeren Mengen in klassischen Bäckereien. Das liegt nach Einschätzung des Bäckerhandwerks an Trends, die sich nicht schnell umkehren lassen. Dazu gehört, dass die Menschen insgesamt weniger zu Hause essen, mehr zu Snacks greifen und nicht mehr Tag für Tag im Kreis der Familie am Abendbrottisch sitzen wie zu Zeiten ihrer Großeltern.

Doch das die Zahl der Bäckereien seit Langem zurückgeht, liegt vor allem an der mächtigen Konkurrenz; die Brotregale in Supermärkten und Discountern werden immer länger. Und: Viele Kunden wissen womöglich gar nicht, ob ihr Brot nun aus dem Familienbetrieb oder der Großbäckerei kommt. Viele Backstationen im Supermarkt eiferten traditionellen Bäckereien mittlerweile zumindest optisch nach, kritisiert der Zentralverband, der den Begriff „Bäckerei“ am liebsten schützen lassen möchte. (dpa)

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