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Baby ohne Makel

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Die umstrittene Präimplantationsdiagnostik soll in Einzelfällen Kassenleistung werden.

Die gesetzlichen Krankenkassen sollen nach dem Willen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) künftig die ethisch umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) bei Paaren bezahlen, die trotz der Vorbelastung durch schwere Erbkrankheiten ein Kind bekommen wollen. Das geht aus einem Änderungsantrag zum Terminservice-Gesetz hervor. Darin heißt es, mit der Kostenübernahme werde im Leistungsrecht der Kassen der „wertmäßige Gleichklang“ zur Entscheidung des Bundestags von 2011 hergestellt, die PID in eng begrenzten Ausnahmefällen zu erlauben. Eine Bezahlung durch die Kassen bedeutet für die betroffenen Paare eine enorme Entlastung, da die PID bis zu 20 000 Euro kostet.

Bei der Präimplantationsdiagnostik werden außerhalb des Körpers erzeugte Embryonen vor ihrer Implantation in die Gebärmutter auf genetische Defekte untersucht. Nach jahrelangen Debatten hatte der Bundestag 2011 ein Gesetz verabschiedet, das die ethisch umstrittene Methode zwar grundsätzlich verbietet, unter engen Voraussetzungen aber zulässt. Erlaubt ist sie nur Paaren, bei denen beide Partner eine Veranlagung für eine schwerwiegende Erbkrankheit in sich tragen oder das Risiko einer Tod- oder Fehlgeburt sehr hoch ist. Ob die Voraussetzungen erfüllt sind, entscheiden eigens dafür eingerichtete Ethikkommissionen.

Um die Bundestagsentscheidung hatte es heftige Kontroversen gegeben. Auch Spahn stimmte damals für ein totales Verbot der PID, ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Gegner einer Liberalisierung hatten kritisiert, die PID führte zur Diskriminierung Behinderter und ebne den Weg zur Erschaffung von „Designer-Babys“. Die Verordnung zur Anwendung des Diagnoseverfahrens ist seit Februar 2014 in Kraft. Seitdem können Paare es in Deutschland nutzen.

Voraussetzung für eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist laut Änderungsantrag, dass Paare, die die PID einschließlich der künstlichen Befruchtung nutzen wollen, miteinander verheiratet sind. Zudem dürfen nur Ei- und Samenzellen der Ehegatten verwendet werden. Eine Altersgrenze ist nicht vorgesehen. Geplant ist, dass insgesamt drei Versuche zur Implantation der untersuchten Embryonen in die Gebärmutter bezahlt werden.

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