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Krankschreibung

Azubis fehlen öfter

  • VonStefan Sauer
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"Leben online" kostet das Gehirn Kraft.

Junge Leute in der Berufsausbildung sind häufiger krank als ihr Alter vermuten ließe. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) lagen sie mit durchschnittlich 11,5 Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tage) im Jahr 2016 zwar drei Tage unter dem Mittelwert aller abhängig Beschäftigten. Im Vergleich zur Altersgruppe der 25- bis 30-Jährigen, die bereits im Beruf stehen, sind Auszubildende aber zwei Tage pro Jahr länger krankgeschrieben. Außerdem werden die Berufseinsteiger mit jährlich 2,1 AU-Bescheinigungen pro Kopf häufiger krankgeschrieben als die übrigen Beschäftigten mit einem Jahresdurchschnittswert von 1,22 AU-Diagnosen.

Ausschlaggebend dafür sind dem TK-Gesundheitsreport zufolge zum einen Bagatellerkrankungen wie Erkältungen. Zum anderen haben psychische Störungen unter Azubis seit der Jahrtausendwende mit einem Plus von 108 Prozent noch weitaus stärker zugenommen als unter den Beschäftigten insgesamt, für die die TK einen Anstieg von „nur“ 88 Prozent verzeichnete. In absoluten Zahlen leiden Azubis gegenüber anderen Berufstätigen zwar seltener an seelischen Erkrankungen: Auf 100 männliche Auszubildende entfielen im vergangenen Jahr 99 AU-Tage, auf weibliche 179. Bei Berufstätigen liegen die Vergleichszahlen mit 186 und 307 AU-Tagen höher.

Allerdings fällt nicht nur der Diagnose-Anstieg für Auszubildende seit dem Jahr 2000 aus dem Rahmen, er hält auch weiterhin an. Während psychische Erkrankungen insgesamt seit drei Jahren nicht mehr zunehmen und 2016 sogar erstmals leicht zurückgingen, nahm die Zahl der Krankschreibungen bei den Azubis unvermindert zu. Mittlerweile kommen auf jeden Auszubildenden rein rechnerisch 1,33 psychisch bedingte AU-Tage pro Jahr. Zur Jahrtausendwende waren es erst 0,64 AU-Tage. Mit der Zahl einschlägiger Diagnosen verzeichnete die TK auch ein kräftiges Plus der Verschreibungen von Psychopharmaka, Antidepressiva und Stimulanzien. Im Schnitt wurde jedem Azubi 2016 eine Wochendosis aus dieser Medikamentengruppe verschrieben.

Ein Teil des Erkrankungsgeschehens ist laut TK-Vorstandschef Jens Baas auf die Veränderungen zurück zu führen, die mit dem Start in eine Berufsausbildung einhergehen. Einen mindestens starken Einfluss misst der TK-Vorstand aber digitalen Medien zu. Der Stresslevel der Berufseinsteiger ist dem Neurologen Volker Busch zufolge auch darauf zurück zu führen, dass ein „Leben online“ das Gehirn viel Kraft koste, eine Regeneration kaum möglich sei. „Erst die konzentrierte Tiefe auf eine Angelegenheit, das Versinken in einem Buch, einem Gespräch oder das Genießen der Natur entspannt das Gehirn effektiv“, so Busch.

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