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Axel Troost: Gegenpol zum neoliberalen Denken

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Von: Pitt von Bebenburg

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Axel Troost schrieb die alternativen Gutachten der „Memorandum-Gruppe“ mit. Die Linke
Axel Troost schrieb die alternativen Gutachten der „Memorandum-Gruppe“ mit. Die Linke © Die Linke

Der Wirtschaftswissenschaftler und Linken-Mitgründer Axel Troost starb mit 68 Jahren.

Wenn es galt, den neoliberalen Wirtschaftsfachleuten mit linken Konzepten von Umverteilung und einer sozial-ökologischen Wende entgegenzutreten, war Axel Troost dabei. Jahr für Jahr trat er mit der „Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik“, besser bekannt als „Memorandum-Gruppe“, dem offiziellen Gutachten des „Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ mit einer eigenen Expertise entgegen.

Wegen Agenda 2010 aus der SPD ausgetreten

Jetzt ist der Mann mit der scheinbar endlosen Geduld, der enormen Schaffenskraft und dem massigen Körper im Alter von 68 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Der promovierte Volkswirt aus der Marburger Schule war ursprünglich Sozialdemokrat gewesen, trat aber nach der „Agenda 2010“ von Bundeskanzler Gerhard Schröder aus und wurde zum Mitgründer der Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit (WASG). Sie ging in der Partei Die Linke auf, in der sich Troost engagierte – als langjähriges Vorstandsmitglied und als Bundestagsabgeordneter.

Wissler: „warmherziger Mitstreiter“

Im Parlament saß der Wahl-Leipziger von 2005 bis 2017 und erneut als Nachrücker 2021. „Klug, engagiert und mit viel Humor hat er die Partei mitaufgebaut. Er wird schmerzlich fehlen“, schrieb der Linken-Chef Martin Schirdewan. Die Ko-Vorsitzende Janine Wissler bezeichnete Troost als „Wirtschaftswissenschaftler, der sich gegen den neoliberalen Mainstream stellte“. Ihr werde Troost „als engagierter und warmherziger Mitstreiter schmerzlich fehlen“.

Ypsilanti: „ein richtig guter Linker“

Im Institut Solidarische Moderne (ISM), einer Denkfabrik aus dem Umfeld von SPD, Grünen und Linken, führte Troost die Geschäfte. Er sei „ein richtig guter Linker, aber überhaupt nicht dogmatisch“ gewesen, betonte ISM-Mitgründerin Andrea Ypsilanti. In ihrem Institut habe er als „tragende Säule“ gewirkt wie in anderen Organisationen. So war Troost auch Geschäftsführer der „Memorandum-Gruppe“ gewesen. Stets hatte sich der Experte für die Wiedereinführung einer Vermögensteuer ausgesprochen und Konzepte dafür erarbeitet. Auch die Wohnungspolitik beschäftigte ihn. Mit einem Bundesprogramm wollte er die Kommunen in die Lage versetzen, 100 000 Wohnungen pro Jahr zu bauen – ein Vorschlag der „Memorandum-Gruppe“, den er mit dem Ökonom Rudolf Hickel entwickelt hatte.

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