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Autowäsche ohne Wasser

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Von: Thomas Magenheim-Hörmann

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Es geht auch ohne Wasser - verspricht das Startup MyCleaner.
Es geht auch ohne Wasser - verspricht das Startup MyCleaner. © imago/Weiss

Das Startup MyCleaner bietet umweltschonende Reinigung an und will nun bundesweit wachsen. Eine Tochter der Deutschen Telekom unterstützt das Unternehmen finanziell und mit Know-how.

Das Startup MyCleaner bietet umweltschonende Reinigung an und will nun bundesweit wachsen. Eine Tochter der Deutschen Telekom unterstützt das Unternehmen finanziell und mit Know-how.

Moderne Startup-Firmen sind manchmal so technologielastig, dass man kaum versteht, worum es geht. Oft liegt ihre potenzielle Gewinnschwelle auch in unabsehbar ferner Zukunft. MyCleaner mit Sitz in Stuttgart ist etwas ganz anderes.

„Wir bieten mobile Autoreinigung und waren vier Tage nach Geschäftsgründung Ende 2011 profitabel“, sagt Abdula Hamed. Der 26-Jährige hat jordanische Wurzeln, ist in Deutschland geboren und einer der vier Gründer des Jungunternehmens. Nun sei nach einem vielversprechenden Start unter Schützenhilfe eines Förderers die bundesweite Expansion angesagt.

Keine Pfütze, kein Dreck

MyCleaner gibt es bislang in acht Städten, unter anderem in Hannover, Stuttgart, Ludwigshafen und München. Bis 2014 sollen auch in Frankfurt, Berlin oder Köln mobil Autos von innen und außen geputzt werden, im Parkhaus, auf der Straße oder am Parkplatz eines Einkaufszentrums. Das Besondere ist dabei, dass die Wäsche ohne Wasser funktioniert und auch ohne Stromanschluss.

Der Saubermann des Startups rückt mit einem kleinen Generator an, der selbst Strom erzeugt, und einer ökologisch abbaubaren Spezialflüssigkeit, von der ein Viertelliter für eine komplette Autoreinigung reicht. Nach einer solchen Aktion bleibe am Ort des Geschehens keine Verunreinigung zurück und keine Wasserpfütze, verspricht Hamed. Das muss auch so sein. Denn in Deutschland ist Autowaschen auf der Straße mit Wasser untersagt.

Angeboten wird der Service, der maximal eineinhalb Stunden dauert und je nach Autogröße sowie Reinigungsumfang zwischen 20 und 140 Euro kostet, Firmen und Privatpersonen. „Wir verkaufen Zeit und ein gutes Öko-Gewissen“, sagt Hamed. Denn seinen Wagen in einer Autowaschstraße auf Hochglanz zu bringen verbrauche bis zu 600 Liter Wasser und auch viel Strom. Bei MyCleaner komme der Putzdienst dagegen zeitsparend zum Kunden und der Wasserverbrauch sei praktisch null.

Von der Idee angetan war auch der Startup-Förderer You is now der Scout24-Gruppe, eine Tochter der Deutschen Telekom. You is now unterstützt MyCleaner finanziell und mit Know-how, um die geplante Expansion zu stemmen. Als Fahrzeugreiniger könne das Jungunternehmen vor allem von der Reichweite von Autoscout24 profitieren, dem Online-Portal für Gebrauchtwagen, sagt You-is- now-Chef Stefan Lemper. Außerdem hat er seinem Unternehmen eine Option auf den Erwerb von Anteilen an MyCleaner gesichert.

Gebucht wird per Smartphone oder PC

Über sein Erfolgsgeheimnis plaudert Hamed ungeniert. Wenn eine neue Stadt erschlossen wird, steht am Anfang immer ein Großkunde. Besonders geeignet seien die derzeit aus dem Boden schießenden Carsharing-Firmen. Deren Wagen müssten schließlich mobil gereinigt werden. Infrage kämen aber auch Autovermieter oder Leasingfirmen. Wenn auf diese Art eine Grundauslastung gesichert sei, könne man den Service dann auch Privatkunden anbieten. Gebucht wird zeitgemäß online per Smartphone oder PC.

Nach einer Reinigung durch einen Cleaner, wie Hamed die fest angestellten Saubermänner nennt, sei ein Auto sauberer als nach einer Waschstraße. Lackbeschädigungen schließt er bei der wasserlosen Wäsche aus. Andernfalls hätte man keine Großkunden gewinnen können. Die Bezahlung der bislang zwölf Reinigungskräfte sei ortsabhängig. In Stuttgart betrage sie zum Beispiel monatlich 1700 Euro brutto.

Nun werde kräftig eingestellt. Bis Ende des Jahres sollen es allein an den bestehenden Standorten rund 80 mobile Saubermänner werden. Nächstes Jahr dann noch mehr. Dann peile MyCleaner einen Millionenumsatz an.

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