Zukunft der Automesse IAA

Automesse IAA will sich neu erfinden

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Verschiedene Städte bewerben sich mit ganz neuen Konzepten um die Automesse

Wer die nächste IAA ausrichten will, muss schnell sein: Ende Januar will der Verband der Automobilindustrie (VDA) als Veranstalter der Automesse eine Vorauswahl unter den Städten treffen, im Februar sollen die Verträge für die nächste Ausgabe 2021 verhandelt werden. Nach dem Flop in diesem Jahr will der Verband das Konzept grundlegend ändern. „Die neue IAA ist mehr als eine Automesse – sie ist ein Konzept, mit dem sich die austragende Stadt gemeinsam mit uns zu einer Smart City entwickeln soll“, sagt VDA-Geschäftsführer Martin Koers.

Traditionell ist die IAA alle zwei Jahre in Frankfurt heimisch. Doch in den vergangenen Jahren verlor die bisher größte Automesse der Welt massiv an Bedeutung. Im vergangenen September fehlten viele große Marken, und Klimademonstranten machten mehr Schlagzeilen als die neuen Automodelle. Von früher fast einer Million Messebesuchern ist nur noch gut die Hälfte geblieben.

Direkt danach hat der Verband die Veranstaltung neu ausgeschrieben und die Schwerpunkte neu gesetzt: Aus der Autoschau soll eine Mobilitätsplattform werden, die Besuchern viel Gelegenheit gibt, neue Transportlösungen auszuprobieren. „Das soll man bereits erleben können, wenn man am Bahnhof oder Flughafen ankommt“, sagt Koers. Die eigentliche Ausstellung soll nur noch ein Teil des Events sein. Entsprechend ist es mit einer Bewerbung der Messegesellschaften nicht getan, die jeweilige Stadt soll mitziehen.

Neben Frankfurt bewerben sich Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, Stuttgart und München um die neue IAA. Sie hätten sehr unterschiedliche Ideen für das neue Konzept, heißt es nach ersten Gesprächsrunden. Einen Favoriten gebe es nicht. Auch die deutschen Autobauer, die im VDA letztlich das Sagen haben, seien offen – niemand poche auf einen „Heimvorteil“ etwa in Stuttgart oder München.

Der Verband hat Eckpunkte für das neue Konzept vorgegeben, die Ausgestaltung ist Sache der Bewerber. Nachdem der VDA im vergangenen September etwas ratlos vor der Phalanx seiner Kritiker stand, sollen Offenheit und Dialog künftig fester IAA-Bestandteil sein, Koers spricht von einer „demokratischen Messe“. Auch unter den Ausstellern soll niemand dominieren – mit diesem Versprechen will man wohl auch die Firmen aus dem Ausland zurückholen.

Offen für Mobilitätsanbieter

Um Publikum jenseits der Autofans zu erreichen, soll es eine Präsentation an einem zentralen Punkt der jeweiligen Stadt geben. Deren Verbindung zum Messegelände soll innovativ und Teil der Veranstaltung sein. Nicht nur für Autobauer, sondern für alle Mobilitätsanbieter will man künftig offen sein.

Das Auto sei in Deutschland erfunden worden, auch neue Mobilität solle hier entstehen, sagt Koers. „Und auf der IAA soll man sie sehen und erleben können.“ Mit dem Thema Transportlösungen dürfte es auch Überschneidungen zur IAA Nutzfahrzeuge geben, die im Wechsel zur Pkw-Schau alle zwei Jahre in Hannover stattfindet.

„Wir werden nicht mehr die größte Autoschau der Welt sein“, heißt es beim VDA – die würde künftig eher in China veranstaltet. „Wir setzen nicht mehr auf Größe, sondern auf Qualität“, sagt Koers.

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