In Deutschland gibt es derzeit 43,4 Millionen Pkw. Vor einem Jahr waren es noch 500.000 weniger.
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In Deutschland gibt es derzeit 43,4 Millionen Pkw. Vor einem Jahr waren es noch 500.000 weniger.

Kosten für das Auto

Autofahren ist zu billig

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Autofahren erzeugt hohe Unfall- und Umweltkosten, die zum großen Teil nicht durch Steuern und Versicherungen abgedeckt sind. Ein Pkw müsste in Deutschland, über die gesamte Nutzungszeit gerechnet, rund 20.000 Euro teurer sein, um diese Kosten hereinzubekommen.

Autofahren erzeugt hohe Unfall- und Umweltkosten, die zum großen Teil nicht durch Steuern und Versicherungen abgedeckt sind. Ein Pkw müsste in Deutschland, über die gesamte Nutzungszeit gerechnet, rund 20.000 Euro teurer sein, um diese Kosten hereinzubekommen.

Pro gefahrenem Kilometer müssten etwa 15 Cent zusätzlich gezahlt werden. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Studie der Technischen Universität Dresden.

Dafür wurden die Folgekosten des Autoverkehrs in allen 27 EU-Ländern untersucht, die unter anderem durch Unfälle, Luftverschmutzung, Klimaschäden und Lärm entstehen. Diese liegen danach bei bis zu 373 Milliarden Euro pro Jahr. Das entspricht drei Prozent der gesamten EU-Wirtschaftsleistung. In Deutschland summieren sich diese sogenannten externen Kosten auf bis zu 88 Milliarden Euro. Bei den Unfällen sind es rund 38 Milliarden Euro pro Jahr, bei der Luftbelastung acht Milliarden.

50 Milliarden Steuereinnahmen

Zu den Klimafolgen gibt die Studie eine große Bandbreite von neun bis 32 Milliarden an. Der Grund: Die Klimaschäden sind deutlich schwerer abschätzbar als die anderen Faktoren, da sie größtenteils erst in Jahrzehnten auftreten und es dazu unterschiedliche Kostenansätze gibt. Die Studie wurde im Auftrag der Grünen im Europaparlament erstellt.

Für die Unfallschäden kommen in erster Linie die Haftpflichtversicherungen auf. Allerdings verbleiben laut der Studie hohe Kosten, insbesondere bei den betroffenen Familien, im öffentlichen Gesundheitswesen sowie durch den Rückgang der Lebensqualität. Diese Kosten seien „eine Realität, auch wenn sie nicht immer einen Marktpreis haben“.

Zurzeit überhaupt nicht abgedeckt sind laut der Untersuchung die Kosten im Umweltbereich, etwa durch Schadstoffe und Lärm. Die Autofahrer zahlen durch Kfz-, Mineralöl- und Mehrwertsteuer zwar rund 50 Milliarden Euro pro Jahr. Aber, so der Leiter der Untersuchung, Professor Udo Becker: „Die allgemeinen Steuern gehen in die normale Staatskasse und stehen nicht für diese Schäden zur Verfügung.“ Daher dürften sie hier nicht angerechnet werden. „Wenn Sie Ihrem Nachbarn die Scheibe einwerfen, können Sie auch nicht sagen, dass Sie doch so viel Lohnsteuer zahlen, sondern Sie müssen den Schaden ersetzen.“

Pro Pkw summieren sich die externen Kosten laut der Studie im Schnitt auf über 2.000 Euro pro Jahr, bei einer mittleren Pkw-Gebrauchsdauer von zehn Jahren ergeben sich so mehr als 20.000 Euro. Laut Becker sei zwingend, dass diese Kosten sichtbar werden. „Heute lügen die Preise, und deshalb wird in der ganzen Gesellschaft ineffizient entschieden. Deshalb haben wir so hohe Umwelt- und Gesundheitskosten und Krankenkassenbeiträge, und deshalb haben wir soviel Verkehr und soviel Stau.“

Kritik vom VDA

Dass ein Umstieg auf die Vollkosten wegen der bereits jetzt von Autofahrern als hoch empfundenen Aufwendungen für Autokauf und Sprit schwierig werden dürfte, weiß auch Becker. Man dürfe jedoch nicht die Augen davor verschließen, dass die Autonutzer durch andere Personen und Regionen sowie die Spätschäden auch durch künftige Generationen subventioniert würden. „Anwohner von Hauptverkehrsstraßen, Steuerzahler, ältere Menschen, die kein Auto besitzen, Nachbarländer und Kinder, Enkel und alle künftigen Generationen subventionieren den heutigen Verkehr. Sie müssen einen Teil der Rechnung bezahlen oder werden ihn bezahlen müssen.“ Im EU-Durchschnitt fallen externe Kosten von rund 750 Euro pro Bürger und Jahr an.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) kritisierte die Studie. Andere Untersuchungen kämen zu wesentlich niedrigeren „und aus unserer Sicht realistischen Kostenschätzungen“, teilte der VDA auf Anfrage mit und verwies auf das Institut der Deutschen Wirtschaft in Berlin. Dort habe man externe Kosten von 38 Milliarden Euro pro Jahr errechnet. Die Forscher der TU Dresden hätten „Methodik und Annahmen bewusst so gewählt“, dass die Schäden möglichst hoch ausfallen, so der Verband.

Der VDA wirft den Autoren der Studie vor, „zu einem durchsichtigen Trick“ gegriffen zu haben, indem sie „die immensen Steuern und Abgaben, die die Autofahrer leisten“ nicht oder nur teilweise berücksichtigten. Von den rund 50 Milliarden Euro pro Jahr würden nur rund 15 Milliarden Euro für Straßenbau und -erhaltung ausgegeben. „Die verbleibenden etwa 35 Milliarden stehen für die Abdeckung externer Kosten zur Verfügung.“ Auch der ADAC hält die in der Dresdner Studie errechneten Kosten für „weit überhöht“. Für Wolfgang Kugele, Verkehrsexperte des Automobilclubs, seien diese zum Teil nicht nachvollziehbar. So gebe es beispielsweise Kostenansätze für „immaterielles Leid“ nach Unfällen. „Nur so kommen solche astronomische Summen zusammen.“ Die Studie der TU Dresden setzte außerdem die Klimaschäden zu hoch an.

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