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Die Feierlaune der Autokonzerne hat viel mit den guten Absatzzahlen in China zu tun. Doch die Abhängigkeit von diesem Markt ist gefährlich, warnen Beobachter.
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Die Feierlaune der Autokonzerne hat viel mit den guten Absatzzahlen in China zu tun. Doch die Abhängigkeit von diesem Markt ist gefährlich, warnen Beobachter.

Mobilität

Autobranche boomt dank China

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Krise? Welche Krise? Obwohl die deutschen Autokonzerne noch mitten im Dieselskandal stecken, geht es ihnen so gut wie nie zuvor. Doch das Glück könnte schnell vergehen.

Das Feuerwerk werden die deutschen Autobauer erst nach Silvester abbrennen. Das ist natürlich im übertragenen Sinn gemeint. Was da leuchten und aufblitzen wird, sind Zahlen über Absatz, Umsatz und Gewinn. Und die sprechen eine eindeutige Sprache. Noch nie ging es den drei großen Konzernen Volkswagen, Daimler und BMW so gut wie heute. Dabei hat die deutsche Vorzeigebranche die größte Krise in ihrer Geschichte noch längst nicht überwunden. Im neuen Jahr dürfte es sogar eine weitere Zuspitzung des Dieselskandals mit Fahrverboten in vielen Städten geben.

Ein erstes wegweisendes Urteil wird vom Bundesverwaltungsgericht für Ende Februar erwartet. Vorher wird die Autobranche reichlich Rekordzahlen feiern. Allen voran die Marke VW, die im Zentrum des Dieselskandals steht. Doch VW hat kürzlich die Zahlen für den stärksten Monat aller Zeiten gemeldet: Im November wurden weltweit gut 594 000 Autos verkauft.

Grund für die Stärke ist die globale Präsenz: In Südamerika und Russland gingen die Verkäufe jeweils um rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat nach oben. Nach heftigen Einbußen und einer Art Kundenstreik konnte die Marke auch auf ihrem Heimatmarkt wieder ein Plus von acht Prozent vorweisen – das allerdings mit hohen Rabatten recht teuer erkauft wurde. Doch alles entscheidend war, dass der Absatz in China um 16 Prozent auf 331 000 Autos in die Höhe schnellte. Für Frank Schwope, Analyst bei der NordLB, ist die starke Position in China denn auch der Grund dafür, dass der Wolfsburger Konzern mit seinen insgesamt zwölf Marken in diesem Jahr mit mehr als 10,6 Millionen abgesetzten Fahrzeugen den Weltmeistertitel vor Toyota verteidigen kann.

Auch Daimler und BMW haben kräftig Gas gegeben. So konnten die großen Drei aus Deutschland im dritten Quartal ihren weltweiten Absatz um sechs Prozent steigern, während der Gesamtmarkt nur um drei Prozent wuchs. Diese Tendenz hat sich bis zum Jahresende eher noch verstärkt.

Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer erwartet, dass die sogenannten Premiummarken (Mercedes, BMW, Audi, Porsche) im nächsten Jahr ihre globalen Verkäufe noch einmal deutlich nach oben schieben können, um etwa 4,5 Prozent, was einem doppelt so schnellen Wachstum wie der Weltmarkt entsprechen soll. Vor allem auf den Dauerautoboom in China war bislang Verlass. Vor allem die deutschen Autos der gehobenen Kategorie sind bei Chinesen, die es zu etwas gebracht haben, extrem beliebt. Wobei es sich um ein vom Staat gebremstes Wachstum handelt. Ein hoher Nachfragedruck bleibt auch 2018 bestehen. Denn in großen Städten wie Schanghai und Beijing ist die Vergabe von neuen Zulassungen beschränkt, um Lärm, Luftverschmutzung und Verkehrsstaus etwas zu begrenzen.

Doch genau diese Phänomene weisen darauf hin, dass die derzeit ausgelassene Feierlaune in den Chefetagen in Wolfsburg, München und Stuttgart schnell in einen heftigen Kater umkippen kann. Die positive Entwicklung in China führe zu einer steigenden Abhängigkeit von diesem Einzelmarkt, betont Peter Fuß, Autoexperte bei der Unternehmensberatung EY. Er macht darauf aufmerksam, dass in dem Land „mit Hochdruck an der Mobilität der Zukunft“ gearbeitet werde. Konkret: Die Volksrepublik entwickle sich zum Leitmarkt für Elektromobilität und vernetztes Fahren. E-Auto-Quoten könnten dort im nächsten Jahr beschlossen werden.

Auch Fachmann Dudenhöffer warnt: Die deutschen Autobauer müssten aufpassen, nicht abgehängt zu werden. 2018 werde ein Übergangsjahr in die Elektromobilität, die künftig mit ihrem Heimatstandort China weltweit die maßgebliche Antriebstechnik vorgeben werde. Und die „kleine Diesel-Insel Europa“ schrumpft. Tatsächlich spielen die Selbstzünder, an denen so viel herummanipuliert wurde, anderswo kaum eine Rolle. Und die Zulassungszahlen hierzulande sind in den vergangenen Monaten massiv geschrumpft.

Volkswagen-Chef Matthias Müller hat aus all dem Schlussfolgerungen gezogen und beinahe Revolutionäres getan, nämlich die hiesigen Steuerprivilegien für Diesel-Sprit infrage gestellt. Zugleich hat er sich für die Einführung von Blauen Plaketten ausgesprochen, womit Dieselstinker aus Innenstädten verbannt werden könnten.

Er hat damit für branchenweite Empörung gesorgt – auch in den Chefetagen von BMW und Daimler. Dudenhöffer, einst größter Volkswagen-Kritiker, verteidigt indes Müller: „Wir sollten mit Fahrverboten planen.“ Denn daran komme man mit 99,9prozentiger Wahrscheinlichkeit in großen Städten nicht vorbei. Neben München und Stuttgart könnte es auch Köln, Frankfurt oder Berlin treffen. Dudenhöffer fordert von den Autobauern nicht nur forcierte Anstrengungen bei der E-Mobilität, sondern auch nichts Geringeres als den Ausstieg aus der Dieseltechnik.

Soweit will VW-Chef Müller noch nicht gehen. Aber er hat kürzlich angekündigt, in den nächsten sieben Jahren zehn Milliarden Euro zu investieren – in die Produktion von Elektroautos in China.

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