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Autoindustrie: Taskforces sollen Folgen des Ukraine-Kriegs abfangen - „kann sich über Wochen ziehen“

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Von: Julian Baumann

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Ein Mitarbeiter montiert den Akku in einen Porsche Panamera Hybrid im Leipziger Porsche Werk.
Der Ukraine-Krieg hat Auswirkungen auf die Autoindustrie. Auch das Porsche-Werk in Leipzig steht derzeit still. © Jan Woitas/dpa

Der Ukraine-Krieg hat fatale Folgen für die Autoindustrie. Extra gegründete Taskforces sollen die Schäden durch fehlende Teile und stillstehende Werke abfedern.

Stuttgart - Als Russland am 24. Februar entgegen dem Völkerrecht eine Invasion in die Ukraine begann, war die gesamte Welt im Schockzustand, der bis heute anhält. Nach dem Beginn des Krieges zeigte sich die deutsche Autoindustrie in Sorge um ihre Mitarbeiter in den beiden Ländern (BW24* berichtete). Mercedes-Benz hat zwar keinen Standort in der Ukraine, dafür aber ein großes Werk in der Nähe von Moskau. Inzwischen haben Mercedes, BMW, VW und Co. ihre Verbindungen zu Russland gekappt und Lieferungen in das Land eingestellt. Die wirtschaftlichen Folgen sind fatal. In der Industrie fehlen wichtige Bauteile und zahlreiche Produktionswerke stehen temporär still.

Durch die fehlenden Bauteile sind bei Autokonzernen wie VW oder BMW nicht nur Standorte in Osteuropa, sondern auf dem gesamten Kontinent gefährdet. Der Volkswagen-Konzern hat laut dem Manager Magazin inzwischen eine Taskforce gegründet, für ein Problem, das es in dieser Form zuvor nicht gab: Die wirtschaftlichen Folgen eines Krieges in Europa abzufangen. Auch BMW und Audi, sowie zahlreiche Autozulieferer arbeiten derzeit mit Hochdruck an Bewältigungsstrategien für dieses Problem. Mit einer schnellen Lösung rechnet aktuell aber niemand.

VW-Konzern vor großer Herausforderung: Taskforce soll Folgen des Ukraine-Kriegs im Zaum halten

Große Industriekonzerne, die ihre Produkte weltweit vertreiben, geraten seit Beginn des Ukraine-Kriegs zunehmend in die Kritik. Mercedes arbeitete mit einem Panzerwagenhersteller aus Russland zusammen* und der ukrainische Außenminister machte Bosch schwere Vorwürfe*. Die Autoindustrie hat inzwischen weitreichende Konsequenzen gezogen, die wiederum deutliche Auswirkungen auf die eigene Produktion haben. Die Invasion hat zahlreiche wichtige Lieferketten unterbrochen, weswegen auch in Deutschland mehrere Produktionswerke stillstehen. Bei Volkswagen betrifft es derzeit die Standorte Zwickau und Dresden, bald sollen auch die Werke Hannover oder Salzgitter und ab Ende März möglicherweise sogar das Stammwerk in Wolfsburg stillstehen.

VW-Chef Herbert Diess hat deshalb eine neue Taskforce aus Managern verschiedener Abteilungen des Konzerns zusammengestellt, die sich täglich im nahe dem Stammwerk befindenden Stadion des VfL Wolfsburg treffen, berichtet das Manager Magazin. Bei diesen Versammlungen wird nach Wegen gesucht, die Folgen des Ukraine-Krieges für den zweitgrößten Autokonzern der Welt im Zaum zu halten. Von den Problemen betroffen ist aber nicht nur die Marke Volkswagen selbst. Das Tochter-Unternehmen Porsche musste beispielsweise das Werk in Leipzig stilllegen, bei Audi trifft es die Produktion in Ingolstadt und im baden-württembergischen Neckarsulm.

Autoindustrie und der Ukraine-Krieg: „Der Stillstand kann sich über Wochen ziehen“

Die Folgen des Ukraine-Kriegs treffen nicht nur die großen Autobauer, sondern auch zahlreiche Zulieferer. Seit Beginn der Invasion ist die Versorgung mit Kabelbäumen gekappt, die in den modernen Autos die Elektronik verbinden. Früher haben die Autohersteller diese Kabelbäume selbst hergestellt, inzwischen verlassen sich die Konzerne auf ausgewählte Zulieferer. In den ukrainischen Städten Stryji und Kolomyja betreibt Leoni, der nahezu alle Autohersteller mit Kabelbäumen beliefert, trotz des Kriegs auch weiterhin die Produktion. Weil die Logistik unterbrochen und die Lieferung in den Westen nicht möglich ist, stehen nun zahlreiche Werke in ganz Europa still.

Die Taskforces der Autokonzerne arbeiten zwar mit Hochdruck an Lösungen, mit raschen Ergebnissen rechnet aber niemand. „Der Stillstand kann sich über Wochen ziehen, wir wissen es nicht“, sagt ein Beteiligter laut dem Manager Magazin. „Die deutschen Hersteller mussten schon früher mal die Fertigung von Zuliefererteilen verlagern“, erklärte Steffen Gänzle von der Beratungsfirma Bain. „So etwas kann je nach Bauteil drei bis sechs Monate dauern.“ Selbstständig können die Autohersteller den Engpass nicht ausgleichen und gerade in Deutschland stammen viele Komponenten aus der Ukraine. „Jetzt ist Flexibilität auf Hersteller- als auch Zulieferseite gefragt“, sagte Peter Nagel, Managing Partner bei anp management consulting laut dem Manager Magazin.

Wie schnell letztendlich mögliche Lösungsansätze für die Probleme der Autoindustrie durch den Ukraine-Krieg gefunden werden können, ist noch nicht abzusehen. Bei den täglichen Treffen der VW-Taskforce in Wolfsburg sind aber auch Delegationen mehrerer Zulieferer vor Ort. „Man wird sich jetzt zusammensetzen, die Drähte heiß laufen lassen, wo man kurzfristig Kapazitäten freimachen kann, um die aktuellen Lieferengpässe zu kompensieren“, sagte Peter Nagel. Er warnt aber bereits davor, dass bei einem länger anhaltenden Krieg die derzeitigen Lieferketten vollkommen neu geplant werden müssten. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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