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Weltweit stürzen die Indizes ab. In New York beobachtet dieser Händler den Kursverfall.

Kurssturz

Ausverkauf an der Börse

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Weltweit stürzen die Aktienindizes ab. Dafür gibt es zwar gute Gründe, gleichwohl könnten die Spekulanten überreagiert haben.

Es ist einer der Momente, den Börsianer so mögen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor einem Abrutschen der globalen Konjunktur. Die rechtspopulistische Regierung in Italien ignoriert hartnäckig die Budgetregeln der EU. US-Präsident Donald Trump geht davon aus, dass die Verantwortlichen in der US-Notenbank Fed verrückt geworden sind, weil sie die Leitzinsen weiter erhöhen wollen, was zur Folge hat, dass die Renditen für Staatsanleihen steigen. Das wiederum führt erstens dazu, dass Investoren ihre Engagements in Schwellenländern zurückfahren und dass sie sich vom riskanteren Aktienmarkt zumindest teilweise zurückziehen, um in US-Bonds zu investieren.

Diese Gemengelage hat die Börsen auf Talfahrt geschickt. Eine heftige Verkaufswelle fegte einmal rund um den Globus. Zunächst brachen am Mittwoch die Kurse in den USA ein, besonders heftig erwischte es Technologiewerte – der dazugehörige Index gab um fast 4,5 Prozent nach. Es folgten die Finanzmärkte in Asien. Und die zogen am Donnerstag auch alle wichtigen Aktienindizes in Europa noch weiter in die Tiefe. Sie hatten schon am Mittwoch heftig eingebüßt. Der Dax verlor in den vergangenen zwei Tagen zwischenzeitlich fast 500 Punkte. Also mehr als vier Prozent. Analysten sprachen von Panik und Crash.

Oder handelt es sich doch nur um eine sogenannte Korrektur? Peter Schaffrig von der Royal Bank of Canada sagte etwa auf Bloomberg-TV, dass man von einer Überreaktion ausgehen müsse. Die Ökonomie insbesondere in den USA sei nach wie vor „extrem gesund“. Da ist was dran. Die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Niveau seit Jahren. Zudem haben Steuersenkungen durch Trump die Gewinne der Unternehmen heftig angeschoben. In der Folge schossen auch die Aktienkurse in die Höhe – so hoch, dass die Börsenwerte von Apple und Amazon die magische Grenze von 1000 Milliarden Dollar übertrafen. Schon seit Wochen kursieren Warnungen, dass die Kurse so weit geklettert seien, dass Blasenbildung zu erkennen sei.

In so einer Situation braucht es nur eine Verkettung von Umständen und ein Schneeballeffekt tritt ein. Finanzmärkte sind für solche Mechanismen anfällig. Denn Börsianer sind vor allem an Bewegung interessiert, sei es nach oben oder nach unten. Mit beidem lassen sich Geschäfte machen. Stillstand bringt den Händlern hingegen nichts.

Gleichwohl braucht es plausible Anlässe für solche Stürme. Davon gibt derzeit genug. Hohe Staatsausgaben in Italien machen immer größere Sorgen. Die Lage sei fragil, sagte Jyrki Katainen, Vizepräsident der EU-Kommission am Donnerstag. Niemand wolle Instabilität. Das sei für das italienische Volk sehr schlecht. Und es sei sehr schlecht für andere Länder, die angesteckt werden könnten. Das Hauptproblem: Die geplante Neuverschuldung des Staates hat die Kurse italienischer Staatsanleihen sinken lassen. Da diese zu großen Teilen das Eigenkapital der Banken bilden, schrumpft selbiges. Die Geldhäuser können deshalb weniger Kredite vergeben, was die gesamte Wirtschaft schwächt und deshalb auch bei Unternehmen und Banken in anderen EU-Ländern durchschlagen kann, die mit Italien zu tun haben. Die Angst vor einer Euro-Finanzkrise geht um.

Italien soll wie alle anderen Eurostaaten Anfang nächster Woche seinen Haushalt bei der EU-Kommission in Brüssel vorlegen. Die Regierung steuert auf eine Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu. Das ist dreimal mehr als von der Vorgängerregierung geplant.

Furcht vor Handelskrieg zwischen China und den USA geht um

Zudem geht nach wie vor die Furcht vor einem ausgewachsenen Handelskrieg zwischen den USA und China um. Das wird durch aktuelle Hochrechnungen der Welthandelsorganisation (WTO) befeuert: Das globale Handelsvolumen könne um 17,5 Prozent, die weltweite Wirtschaftsleistung um 1,9 Prozent sinken, mutmaßen die Ökonomen der WTO. Nach einer IWF-Berechnung leiden China und die USA selbst stark unter den Streitigkeiten. Bei den bis jetzt angekündigten Straf- und Sonderzöllen auf Waren sowie den angekündigten Zöllen auf Autos und Autoteile würde die US-Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent, die Chinas um 0,6 Prozent sinken. Und dann noch Trump. Er legte am Donnerstag noch einmal nach. Die Fed mache einen „großen Fehler“. Die Notenbank gehe „zu aggressiv“ vor. Dabei haben vor allem seine Steuerreformen die Erhöhung der Leitzinsen provoziert.

Aber immerhin legte sich der Sturm im Verlauf des Donnerstags einigermaßen. Zeitweise hatte der Dax 1,7 Prozent im Minus gelegen – auf dem niedrigsten Stand seit März 2017. Im Laufe des Nachmittags erholte er sich.

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