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12,5 Millionen Hektar Wald und Busch haben die Feuer vernichtet - etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands.

Feuerkatastrophe

Australiens Schwarzer Sommer

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Die Bilanz der Buschfeuer ist verheerend - und trotzdem will die Regierung an ihrer Energie- und Klimapolitik wenig ändern. Die Analyse.

Die Buschfeuer in Australien brannten rund acht Monate. Inzwischen sind sie zumindest in dem am meisten betroffenen Bundesstaat New South Wales gelöscht, zum ersten Mal seit über 240 Tagen gibt es dort keine Wildfeuer mehr. Und auch im Nachbarstaat Victoria sind alle größeren Brände unter Kontrolle. Zwar endet die Feuersaison offiziell erst am 31. März. Doch es ist Zeit für eine Bilanz – und die ist wenig mutmachend. Denn Australiens Regierung will ihre Energie- und Klimapolitik auch nach dem Höllentrip offenbar nicht grundlegend ändern.

Premier Scott Morrison sprach von einem „Schwarzen Sommer“ für das Land. Eine treffende Beschreibung. Insgesamt sind in Australien rund 12,5 Millionen Hektar Wald und Busch niedergebrannt, das entspricht etwa einem Drittel der Fläche Deutschlands. Es starben 34 Menschen, ebenso Hunderte Millionen Tiere, und rund 3000 Häuser wurden zerstört. Ökologen bilanzierten, dass über ein Fünftel des australischen Mischwaldes vernichtet wurde. Es sei eine „Naturkatastrophe von atemberaubenden Ausmaß“, schrieben sie. Hinzu kommt: Die Brände dieser Saison haben Schätzungen zufolge die enorme Menge von rund 434 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt – das ist die Größenordnung der Gesamtemissionen Australiens in einem normalen Jahr, 2018 waren es 532 Millionen Tonnen.

Die Frage, ob der Klimawandel eine Mitschuld an der Katastrophe hatte, darf inzwischen als geklärt gelten. Eine aktuelle wissenschaftliche Studie weist nach, dass die Wetterlage, die die Megabrände auslöste, durch die Erderhitzung seit 1900 um 30 Prozent wahrscheinlicher geworden ist – mindestens. Der tatsächliche Wert dürfte laut den Klimaforschern noch deutlich höher liegen, nämlich bei 80 Prozent, da etliche Klimamodelle den Trend zu Hitzewellen bisher unterschätzen. Steigen die globalen Emissionen weiter an wie bisher, wäre ein australischer Sommer wie der von 2019/20 anno 2040 normal und 2060 vergleichsweise kühl, haben andere Experten vorausgesagt.

All das wäre Grund genug, auch Australiens Energie- und Klimapolitik einer Revision zu unterziehen. Das CO2-Reduktionsziel, das Canberra sich im Rahmen des Pariser Klimavertrages gegeben hat, reicht nämlich nicht aus, um das Sicherheitslimit von 1,5 bis zwei Grad Erderwärmung einzuhalten.

Die Emissionen müssten bis 20230 um 44 bis 61 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 sinken, um hier in die Spur zu kommen. Tatsächlich hat Australien nur 26 bis 28 Prozent zugesagt - ein Ziel, dessen Einhaltung Morrison bekräftigte. Das ist tatsächlich noch schlechter als es auf dem Papier aussieht. Canberra will nämlich einen Buchhaltertrick anwenden und alte CO2-Gutschriften über 367 Millionen Tonnen aus der Übererfüllung von Ziele aus dem Kyoto-Protokoll für den Paris-Vertrag gutschreiben lassen. Dem Klima nützt diese Umbuchung nichts.

An den Plänen, den Export fossiler Energien auszubauen, lässt Morrison nicht rütteln. Australien ist weltweiter Kohleexporteur Nummer eins und will diesen Status halten - unter anderem mit dem Bau der umstrittenen Adani-Mine. Doch auch die Gasbranche im Land rüstet auf, im Jahr 2019 überholte Australien den bisher größten Flüssiggas-Exporteur Katar. Mit anderen Worten: Es gibt viel Energie für weitere „Schwarze Sommer“.

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