Für den Inselstaat Fidschi bedeutete der Zyklon Winston eine humanitäre Katastrophe.
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Für den Inselstaat Fidschi bedeutete der Zyklon Winston eine humanitäre Katastrophe.

Klimakonferenz Madrid

Australien schießt quer

  • vonSusanne Schwarz
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Die Industrienation fordert Entschädigung für Verluste, die sie mitverursacht.

Tausende zerstörte Häuser, kaputte Straßen, durchtrennte Stromleitungen, 42 Tote – der Zyklon „Winston“ hat Fidschi 2016 stärker getroffen als je ein Sturm zuvor.

Für den pazifischen Inselstaat bedeutet der extreme Wirbelsturm allerdings nicht nur eine humanitäre Katastrophe, sondern auch eine wirtschaftliche. „Winstons“ Zerstörungswut hat Kosten verursacht, die in etwa einem Drittel von Fidschis Bruttoinlandsprodukt entsprechen.

Auf der Weltklimakonferenz in Madrid wird darüber verhandelt, wie gut der Umgang mit solchen Situationen bisher funktioniert. Der sogenannte Warschau-Mechanismus für klimabedingte Schäden und Verluste von 2013 soll das regeln. Er steht nun auf dem Prüfstand.

Arme Länder wollen, dass sie für Schäden und Verluste Geld von den Industrieländern bekommen, die den Klimawandel vor allem verursacht haben – so ist es vom Warschau-Mechanismus auch vorgesehen.

Es gibt bereits einige Fonds, in die Industrieländer einzahlen, um arme Länder zu unterstützen. Das Geld ist aber eigentlich für andere Zwecke gedacht, zum Beispiel, um Klimaschutzmaßnahmen oder die Anpassung an den Klimawandel zu finanzieren – nicht um die Zerstörungen abzufedern, die nicht mehr verhindert werden können.

Bei den aktuellen Verhandlungen blockieren besonders die USA und Australien den von Entwicklungsländern geforderten Fonds. Sie argumentieren, dass es im Katastrophenfall bereits humanitäre Hilfe gebe, zum Beispiel vom Internationalen Roten Kreuz.

Viele andere Industrieländer halten sich eher bedeckt und verweisen auf die Erfolge des Warschau-Mechanismus: Auf die vielen Workshops zum Wissenstransfer, die Dialogformate zum Austausch, die Entwicklung von Versicherungsmodellen.

Australien hat zudem noch einen Hammer in die Verhandlungen eingebracht: Wie die FR von mehreren Beobachtern der Verhandlungen erfuhr, hat das Land angeführt, dass es auch in Industrieländern arme und vom Klimawandel betroffene Menschen gebe, die dann ebenfalls vom Warschau-Mechanismus profitieren sollten.

Speziell auf die indigene Bevölkerung habe Australien verwiesen. Damit will das Land offenbar den Weg dafür ebnen, selbst Zugang zum Klimaschädengeld zu bekommen, sollte es denn welches geben.

„Das ist absurd“, sagte Sabine Minninger vom Hilfswerk „Brot für die Welt“ am Rande der Konferenz. „Australien braucht kein Geld aus der internationalen Klimafinanzierung, um für seine Bürger zu sorgen.“

Das sei bei den armen Ländern anders, „vor allem nach einem Extremwetterereignis, das viel Zerstörung angerichtet hat“, so die Klimaexpertin. „Dafür müssen die Industriestaaten aufkommen, deren Wohlstand auf der Klimakrise beruht. Das nennt man Verursacherprinzip.“ Auch andere Klimaschützer sehen das so.

Australien bekam für seine Verhandlungsstrategie schon zum zweiten Mal in dieser Woche den Schmähpreis „Fossil of the Day“ vom Climate Action Network verliehen. Hinter dem Streit um die Finanzierung von Schäden und Verlusten steckt noch eine größere Debatte: die um die Schuld am Klimawandel.

Die Industrieländer wollen auf keinen Fall, dass ein Beschluss wie eine Art Schuldeingeständnis gewertet werden kann, das dann vielleicht eine Haftung für die ganze Klimakrise nach sich ziehen könnte. Dass das passiert, ist im Paris-Abkommen eigentlich ausgeschlossen, könnte aber noch einmal hochkochen.

„Die Positionen der Staaten sind bei der Debatte um Schäden und Verluste sehr weit gefächert“, sagte Rixa Schwarz, Klimachefin der Umweltorganisation Germanwatch, im Gespräch mit der FR in Madrid. „Das macht die Verhandlungen unglaublich zäh.“

Die Hitze hat Auswirkungen auf das Land. In Australien treiben die Brände Tausende Bewohner und Touristen in die Flucht. Die Behörden warnen davor, in der Gegend zu bleiben.

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