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Protest vor der New Yorker Börse gegen den besonders bei jungen Leuten beliebten Broker Robinhood: „Robin crook“ heißt übersetzt so viel wie Gauner Robin.
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Protest vor der New Yorker Börse gegen den besonders bei jungen Leuten beliebten Broker Robinhood: „Robin crook“ heißt übersetzt so viel wie Gauner Robin.

Aktien

Außer Rand und Band

  • Nina Luttmer
    vonNina Luttmer
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  • Frank-Thomas Wenzel
    Frank-Thomas Wenzel
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Das Kräftemessen bei der Gamestop-Aktie geht weiter. Einige Broker stellen den Handel ein - und sehen sich prompt mit Boykott-Aufrufen konfrontiert. Die US-Politik macht sich derweil Sorgen wegen des Aktienmarkts.

Der Hype um die Aktie des US-Videospielehändlers Gamestop beschäftigt nun auch die amerikanische Politik. Der künftige Vorsitzende des Bankenausschusses im US-Senat, Sherrod Brown, kündigte am Donnerstag (US-Ortszeit) eine Anhörung „zum aktuellen Zustand des Aktienmarkts“ an. Es sei an der Zeit für die Börsenaufsicht SEC und den Kongress dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft für alle funktioniere, nicht nur für die Wall Street. „Die Leute an der Wall Street scheren sich nur um die Regeln, wenn sie diejenigen sind, denen es wehtut“, hieß es in Browns Statement. Auch viele andere Politiker:innen meldeten sich kritisch zu Wort.

Hintergrund ist, dass am Donnerstag mehrere Broker, darunter die unter jungen Leuten sehr beliebte US-App Robinhood, den Handel mit Aktien des US-Videospielhändlers Gamestop sowie weiterer Wertpapiere, die zuletzt Kurskapriolen hingelegt haben, beschränkt hatten. So in Deutschland auch der Broker Trade Republic. Kleinanleger:innen konnten dort zwar weiter ihre Aktien verkaufen, aber nicht mehr - oder nur noch sehr begrenzt - zukaufen. Das löste einen wahren Shit-storm der Nutzerinnen und Nutzer aus. Sie warfen den Plattformen vor, mit Hedgefonds zusammenzuarbeiten und den Markt zu manipulieren.

Denn tatsächlich ließen viele andere Broker weiter frei handeln. Eine Anweisung der US-Börsenaufsicht, den Handel generell auszusetzen, gab es offenbar nicht. In Chatforen riefen entrüstete Kleinanleger:innen daher dazu auf, Apps wie Robinhood nicht mehr zu nutzen und auf andere Plattformen zu wechseln. Zudem wurde dazu aufgerufen, den Broker zu verklagen. Robinhood begründete den Schritt unter anderem damit, dass man die Kleinanleger:innen schützen wolle.

Der Aktienkurs von Gamestop und anderen Wertpapieren ist in den vergangenen Tagen exorbitant gestiegen. Im August kostete ein Anteilsschein des Videospielehändlers noch vier Dollar. Seit Mitte Januar ist er kontinuierlich geklettert bis er am Donnerstag an der New York Stock Exchange zeitweise 483 Dollar erreichte - um danach auf bis zu 113 Dollar abzustürzen. Im frühen New Yorker Handel legte das Wertpapier am Freitagmorgen wieder stark zu, war für 383 Dollar zu haben.

Für Börsianer ist klar: Das hat nichts mehr mit nachvollziehbaren Bewertungen des Videospiele-Händlers zu tun. Vielmehr geht es um ein neues Phänomen, das nun auch US-Politikern Sorgen macht: Eine Art Börsen-Guerilla kämpft gegen mächtige Hedgefonds und hat ihnen schon milliardenschwere Einbußen eingebrockt.

Beim Toben an den Börsen stehen auf der einen Seite mächtige Hedgefonds, die für Wohlhabenden und gegen hohe Gebühren mit vielfach kritisierten Methoden dicke Renditen erwirtschaften. Auf der anderen Seite haben sich Kleinanleger:innen über Internetforen zusammengetan, um den Hedgefonds Lektionen zu erteilen.

Zu den erprobten Praktiken der Hedgefonds gehören Wetten auf fallende Kurse, sogenannte Leerverkäufe: Dazu leihen sie sich gegen Gebühr Aktien eines Unternehmens und verkaufen sie umgehend an der Börse. Wenn die Kurse fallen, kaufen sie die Papiere wieder und geben sie an den Eigentümer zurück. Die Differenz ist ihr Gewinn. Um fallende Kurse zu provozieren, werden Unternehmen vielfach auch gezielt schlechtgeredet.

Gamestop oder auch die US-Kinokette AMC gehörten in den vergangenen Monaten zu den beliebten Zielen von Leerverkäufern. Aber Tausende von Privatanleger:innen haben sich verabredet, dagegen zu halten. Indem sie ganz schlicht Aktien von Gamestop oder AMC kaufen. Da es sich um kleine Unternehmen mit einer geringen Zahl von Anteilsscheinen handelt, lassen sich die Kurse leicht bewegen. Das ist den vielfach jungen Menschen mit ihren Börsen-Flashmobs in den vergangenen Tagen auch gelungen.

Dass Broker wie Robinhood die Kleinanleger:innen durch Handelsbeschränkungen versuchten, zu stoppen, empfinden diese als Parteinahme für die Hedgefonds. Womöglich nicht ganz zu Unrecht. So ist Robinhood zum Beispiel mit einem der in die Leerverkäufe involvierten Akteure geschäftlich verbandelt.

Auch in der US-Politik kam der Vorwurf der Parteilichkeit auf. So sagte die demokratische Abgeordnete Rashida Tlaib: „Das ist mehr als absurd. Das Finanzkomitee der Demokraten sollte eine Anhörung zur Marktmanipulation von Robinhood abhalten. Sie blockieren die Möglichkeit zu handeln, um Wall Streets Hedgefonds zu beschützen, die Millionen von Dollar von ihren Nutzern stehlen, um Menschen zu schützen, die die Börse seit Jahrzehnten wie ein Casino benutzen.“

Christian Hecker, Gründer des Brokers Trade Republic, betonte im Interview mit „Finance FWD“ aber: „Wir haben keine Beziehungen zu irgendeinem Hedgefonds und haben die Entscheidung völlig unabhängig getroffen.“ Er betonte auch, dass es technische Probleme auf der Plattform gegeben habe, da „die Systeme dem außerordentlichen Ordervolumen und der Volatilität nicht standhalten konnten.“ Tatsächlich sind Trade-Stopps nicht unüblich, wenn Marktvolatilität befürchtet wird und man ein komplettes Börsenchaos verhindern möchte. Allerdings dauern diese Stopps in der Regel nur ein paar Minuten.

Robinhood-Chef Vlad Tenev begründete die Aktion damit, dass Nutzerinnen und Nutzer und betroffene Firmen geschützt werden sollten. Zudem machte er geltend, dass Clearingstellen für den Aktienhandel größere finanzielle Sicherheiten von seinem Unternehmen verlangt hätten – den Experten für die Abwicklung der Deals waren die massiven Käufe von Gamestop- und anderen Aktien zu astronomischen Preisen nicht mehr geheuer.

Trade Republic hat die Beschränkungen inzwischen aufgehoben und teilte der empörten Kundschaft mit: „Wir entschuldigen uns ausdrücklich für die vorübergehende Einschränkung Deiner Freiheit im Handel.“ Robinhood lockerte die Beschränkungen am Freitag ebenfalls.

Klar ist, dass die Behörden sich die Vorgänge genau anschauen werden. Denn dass auf Social-Media-Plattformen so vehement Stimmung für oder gegen eine Aktie gemacht wird, ist auch für sie neu - wird sich aber in Zukunft vermutlich wiederholen.

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