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Das Ausland greift zu

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Von: Helena Schwar

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Die deutschen Top-Konzerne glänzen weltweit mit Erfolgen. Das zieht zunehmend ausländische Investoren an. Die Analyse.

Dax-Konzerne befinden sich mehrheitlich in ausländischer Hand. Gleichzeitig sinkt der Anteil deutscher Anleger. Das zeigt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) zur Aktionärsstruktur der 30 im Deutschen Aktienindex (Dax) gelisteten Unternehmen. Bis zum Jahresende 2017 besaßen ausländische Investoren 53,7 Prozent der Aktien; 2016 hielten sie 52,4 Prozent. Deutsche Aktionäre hielten 2017 dagegen nur 35,8 Prozent der Anteile. 2016 waren es noch 37,7 Prozent gewesen. 10,5 Prozent der Aktien ließen sich geografisch nicht zuordnen.

Dementsprechend hoch sind die Ausschüttungen an ausländische Aktionäre. Sie erreichten im vergangenen Jahr einen Rekordwert von 19,4 Milliarden Euro – ein Plus von 18 Prozent. Die Auszahlungen an inländische Aktionäre legten mit einem Anstieg von neun Prozent auf 12,9 Milliarden Euro zu.

Die deutschen Top-Konzerne agieren heute in einer stark globalisierten Weltwirtschaft. Sie erwirtschaften einen immer größeren Teil ihres Umsatzes auf ausländischen Märkten und sind auf diesen Märkten zum Teil auch Marktführer“, erklärt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung von EY den Anstieg. Aufgrund ihres weltweiten Erfolgs liege es nahe, dass das Interesse ausländischer Investoren an Deutschlands Top-Unternehmen weiter steige.

Bei der Deutschen Börse, Adidas, Bayer, Infineo und Linde sind nach den aktuellen Geschäftsberichten mehr als 70 Prozent der ausgegebenen Aktien in ausländischer Hand. 19 Dax-Konzerne gaben an, mindestens zu 50 Prozent im Besitz ausländischer Aktionäre zu sein. Den geringsten Anteil an ausländischen Aktionären haben mit nur 26 und 29 Prozent Henkel und Covestro. ThyssenKrupp, Linde und die Commerzbank verzeichneten mit je fünf Prozent einen besonders starken Zuwachs ausländischer Anleger.

Besonders deutlich werden die Veränderungen in der Aktionärsstruktur beim Blick auf den Mehrjahresvergleich. Der zeigt, dass bei 22 Unternehmen der Anteil der ausländischen Investoren von durchschnittlich 45 Prozent im Jahr 2005 auf 57 Prozent im Jahr 2017 gewachsen ist.

Die gestiegene Beteiligung aus dem Ausland hat nach Einschätzung von Ernst & Young einen Einfluss auf die Arbeit der deutschen Unternehmen. „Die verstärkte Ausrichtung der Dax-Unternehmen auf internationale Märkte und die steigende Bedeutung internationaler Investoren beschleunigen den Transformationsprozess, in dem sich viele Dax-Konzerne inzwischen befinden“, sagt Mathieu Meyer. „Mit Abspaltungen großer Unternehmensteile und Zukäufe in großem Stil modernisieren sich die Unternehmen und gestalten dabei einen tiefgreifenden Wandel ihrer Strukturen und ihrer Geschäftsmodelle.“ Sie steigerten ihre Flexibilität und ihre Handlungsfähigkeit in einer sich rasant verändernden Weltwirtschaft. Viele Dax-Konzerne seien inzwischen Weltunternehmen mit Hauptsitz in Deutschland – da seien eine steigende Bedeutung und ein zunehmender Einfluss ausländischer Investoren nur logisch.

Der Einstieg von Li Shufu, Präsident des chinesischen Autokonzerns Geely, bei Daimler wurde in der Untersuchung nicht berücksichtigt, da die Transaktion erst im Februar dieses Jahres stattfand. Bei seinem Positionswechsel gingen fast zehn Prozent der Aktien in chinesische Hand über.

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