Arbeitslosigkeit wegen Corona

Ausländer verlieren häufiger den Job

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Firmen entlassen wegen der Corona-Pandemie Mitarbeiter. Nicht-Deutsche sind davon besonders oft betroffen. 

Der wirtschaftliche Abschwung infolge der Corona-Pandemie trifft ausländische Beschäftigte in Deutschland besonders stark. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervor, die der Frankfurter Rundschau vorliegt. Demnach ist die Arbeitslosenquote der Ausländer bereits im ersten Monat des Lockdowns um 1,9 Prozentpunkte auf 14,7 Prozent gestiegen, während bei den Deutschen lediglich ein Anstieg um 0,5 Punkte auf 4,6 Prozent zu verzeichnen war.

„Betrachtet man, in welchen Branchen die Zuwanderer tätig sind, ist für die nächsten Monate insbesondere bei den Geflüchteten eine substanzielle Verschlechterung der ohnehin ungünstigen Arbeitsmarktlage zu erwarten“, erläutert Studienautor Wido Geis-Thöne, der am IW zu Familienpolitik und Migrationsfragen forscht.

In einer wirtschaftlichen Krise trennen sich die Unternehmen üblicherweise zunächst von Leiharbeitern und anderen Beschäftigten, mit denen sie kein dauerhaftes Arbeitsverhältnis haben. Bei der Zeitarbeit handelt es sich um eine Beschäftigungsform, in der es besonders viele ausländische Beschäftigte gibt, da sie es schwerer haben, eine reguläre Beschäftigung zu finden und auf diesem Weg den Einstieg in den Arbeitsmarkt schaffen.

Von den deutschen Arbeitnehmern haben laut den derzeit verfügbaren Daten (für September 2019) lediglich 1,5 Prozent einen Leiharbeitsvertrag. Bei den Ausländern liegt diese Quote bei 7,1 Prozent und bei Beschäftigten aus Asylherkunftsländern wie Afghanistan, Nigeria oder Syrien sogar bei 14,4 Prozent. Vergleichbare Zahlen nennt die Untersuchung für das Gastgewerbe, das besonders vom Lockdown betroffen war und auch nach Wiedereröffnung der Restaurants, Bars und Hotels nur mit reduzierten Kapazitäten weitermachen kann.

Dass Ausländer in krisenanfälligeren Branchen tätig und dadurch in wirtschaftlichen Abschwüngen verletzlicher sind, ist ein bekanntes Phänomen, das auch in früheren Krisen beobachtet werden konnte. Als Gründe gelten schlechtere Deutschkenntnisse, geringeres Bildungsniveau, weniger Berufserfahrung und ethnische Diskriminierung in Bewerbungsverfahren.

Wissenschaftler Geis-Thöne hält es für kaum vermeidbar, dass „in nächster Zeit niedrigqualifizierte Zuwanderer mit schlechten Deutschkenntnissen besonders häufig ihre Arbeitsstellen verlieren und keine neuen finden werden“. Jedoch schlägt er vor, diesen Menschen mit Qualifizierungsangeboten zu helfen, damit sich ihre Chancen auf einen besseren Arbeitsplatz im nächsten Aufschwung erhöhen.

Der Experte warnt davor, dass die Integration durch die Krise gehemmt werden könnte. Denn neben dem Verlust des Jobs, der ein wichtiger Kontakt zur deutschen Gesellschaft darstellt, würden auch andere Begegnungen mit Einheimischen derzeit nicht stattfinden, zum Beispiel im Fußballverein. „Sollten diese Kontaktbeschränkungen längere Zeit in Kraft bleiben, könnte das Fehlen von Erfahrungen gelebter Gemeinsamkeit dazu führen, dass sich das Verhältnis zwischen Zuwanderern und Einheimischen auch nachhaltig verändert“, so Geis-Thöne.

Überdies würden auch Gelegenheiten verlorengehen, in denen fremdsprachige Menschen Deutsch sprechen müssten. „Gerade bei kleineren Kindern kann sich das Fehlen von Kontakten zu Personen, die gut Deutsch sprechen, negativ auf den Spracherwerb auswirken. Sind die Defizite so gravierend, dass die Kinder nach dem Schuleintritt Probleme haben, dem Unterricht zu folgen, können auch ihre langfristigen Bildungschancen beeinträchtigt werden“, warnt Geis-Thöne.

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