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Da war Trump noch ein Fan von Harley-Davidson: Treffen des US-Präsidenten mit Harley-Chef Matthew S. Levatich Anfang 2017.

Handelsstreit

Ausgerechnet Harley Davidson

Der Hersteller der Kult-Bikes stellt sich im Zollstreit gegen US-Präsident Donald Trump.

Alles für die Freiheit, Freiheit für alle“. Mit diesem Slogan werden die Besucher auf der Harley-Davidson-Website begrüßt. Der Spruch ist eigentlich nur auf das Gefühl gemünzt, das der Fahrer auf einem der Motorräder des Unternehmens empfinden soll. Doch nun bekommt er eine neue politische Dimension – er lässt sich auch als Appell für freien Handel lesen. Das Unternehmen positioniert sich im Handelsstreit mit der EU gegen Präsident Donald Trump und kündigt an, in den nächsten Monaten einen Teil der Fertigung der Bikes, die für amerikanischen Lebensstil stehen, aus den USA in ein anderes Land zu verlagern.

Seit Anfang Juni erheben die USA Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der EU. Schon das hat seinerzeit dem Harley-Management nicht gefallen. Der Aufschlag von 25 Prozent werde die Kosten für Grundstoffe in die Höhe treiben, teilte der Vorstand kürzlich mit. Am vorigen Freitag setzte die EU Gegenzölle, ebenfalls 25 Prozent, in Kraft, und zwar ganz gezielt gegen Motorräder, Jeans und Bourbon-Whiskey. Alles sehr amerikanische Produkte, die überdies in strukturschwachen Regionen produziert werden, in denen Trumps republikanische Partei dominiert.

So ist der Motorradbauer in Wisconsin zu Hause. Von dort kommt auch Paul Ryan, Sprecher der Republikaner im US-Repräsentantenhaus. Das Harley-Management teilte nun in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsen für Ryan Bitteres mit: Zu den bisherigen Einfuhrzöllen von sechs Prozent kämen nun weitere 25 Prozent. Das führe dazu, dass jedes Motorrad, das in Europa verkauft werde, um knapp 2000 Euro teurer werde. Gebe man dieses Kostenplus an Händler und Kunden weiter, seien schädliche Auswirkungen auf das Geschäft in der EU unvermeidbar.

Deshalb wolle man die Verkaufspreise konstant halten. Dies führe für dieses Jahr zu einer Belastung von bis zu 45 Millionen Dollar (etwa 39 Millionen Euro). Würden die Zölle weiter bestehen, müsse jährlich mit zusätzlichen Kosten von bis zu 100 Millionen Dollar gerechnet werden. Deshalb werde die Produktion von Motorrädern für Europa verlagert – von US-Werken in andere Regionen. Der Aufbau der neuen Fertigungskapazitäten werde neun bis 18 Monate dauern. Ryan ließ mitteilen, die Reaktion von Harley sei der Beweis, dass einseitige Strafzölle nur Schaden anrichteten. Er stellt sich damit gegen den Präsidenten. 

Ausgerechnet Harley. Das hat Trump mächtig geärgert. Hatte er den Motorradbauer bei einem Besuch des Vorstandschefs Matt Levatich im Februar 2017 doch noch als „echte amerikanische Ikone, eine der größten“ über alle Maßen gelobt. Er dankte dem Manager dafür, dass Harley in den USA seine Produkte montiert. Und jetzt ist der Präsident richtig sauer: „Überrascht, dass Harley-Davidson als erstes Unternehmen die weiße Flagge hisst“, richtete er per Twitter aus. Er habe hart für die Firma gekämpft. Letztendlich werde sie aber gar keine Zölle zahlen müssen.

Und er ermahnte das Management, geduldig zu sein. Es ist zu bezweifeln, dass Levatich da mitspielt. Die Verkäufe auf dem Heimatmarkt gehen seit mehr als drei Jahren Quartal für Quartal zurück. Anfang dieses Jahres kündigte das Unternehmen an, ein kleineres Werk in Kansas City zu schließen und an einem Standort in Pennsylvania Stellen zu streichen. Zugleich soll ein neuer Standort in Thailand entstehen – als Reaktion darauf, dass Trump das pazifische Handelsabkommen TPP aufgekündigt hat. Außerdem werden die schweren Maschinen schon in Australien, Indien und Brasilien zusammengeschraubt.

Aber die EU ist für Harley-Davidson der zweitwichtigste Markt. Auf dem alten Kontinent wird gut ein Sechstel der Motorräder verkauft, und hier ist der Absatz zuletzt sogar spürbar gestiegen. Im vorigen Jahr waren es knapp 40.000 Maschinen.

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