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Entree der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt. Das Filialnetz des Instituts dürfte jetzt noch stärker ausgedünnt werden.

Commerzbank

Ausfallgefährdet

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Corona könnte viele Unternehmen in die Insolvenz treiben. Das trifft auch die Banken, wie das Quartalsergebnis der Commerzbank zeigt.

Die Banken in Deutschland hatten in den vergangenen Jahren viele Probleme: eine oft geringe Profitabilität, bedingt auch durch hohe Fixkosten und niedrige Margen - ganz zu schweigen von dem schlechten Ruf, den sie sich durch die Finanzkrise erworben hatten. Aber eines belastete die Kredithäuser nicht: Die Sorge, dass viele Unternehmen oder Privatleute ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Denn die Konjunktur lief hervorragend, es gab kaum Unternehmensinsolvenzen, die Arbeitslosigkeit war niedrig. Doch diese Zeiten sind erst einmal vorbei. Die Corona-Pandemie zwingt die Banken dazu, viel Geld für ausgefallene oder ausfallgefährdete Kredite zurückzulegen.

Das zeigt sich auch bei der Commerzbank, die am Mittwoch ihre Zahlen fürs erste Quartal vorlegte. Die Bank rutschte deutlich in die roten Zahlen, unter dem Strich stand ein Minus von 294 Millionen Euro - nach einem Gewinn von 122 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die Belastungen durch die Pandemie bezifferte die Bank dabei auf 479 Millionen Euro.

Dabei handelt es sich zum einen um negative - und je nach weiterer Entwicklung möglicherweise nur temporäre - Effekte durch die hohe Volatilität an den Märkten. Zum anderen aber vervierfachte sich die Risikovorsorge des Instituts nicht nur wegen, aber doch stark getrieben durch die Corona-Pandemie im Vergleich zum ersten Quartal 2019 auf 326 Millionen Euro. Die Risikovorsorge zeigt sowohl bereits eingetretene Verluste - bei der Commerzbank waren das coronabedingt immerhin schon 74 Millionen Euro - als auch noch nicht realisierte, aber wahrscheinliche Verluste.

Für das Gesamtjahr erwartet die Bank eine Risikovorsorge von 1,0 bis 1,4 Milliarden Euro - im Jahr 2019 waren es 620 Millionen Euro. Die Annahme hierbei ist allerdings, dass es keinen zweiten Lockdown gibt und die Wirtschaft nun langsam wieder hochfährt. Die Prognose wirkt dennoch optimistisch, denn die staatlichen Rettungspakete erhalten derzeit viele Firmen am Leben - die Welle von Insolvenzen könnte erst später folgen.

Die Finanzvorständin der Commerzbank, Bettina Orlopp, betonte aber, dass die Quote der Problemkredite im Kreditbuch nur bei 0,8 Prozent liege - während der Durchschnitt bei europäischen Banken 2,7 Prozent betrage. Die Commerzbank-Aktie verlor am Mittwoch deutlich. Analysten hatten mit einem nicht ganz so schlechten Ergebnis gerechnet. Ob die Commerzbank in diesem Jahr noch einen Gewinn machen kann, ist fraglich.

So wie die Commerzbank müssen auch andere Banken ihre Risikovorsorge derzeit hochfahren. Dies dürfte ein weltweiter Trend sein, da die Corona-Pandemie kaum eine Volkswirtschaft verschont. Der Präsident der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, hatte aber erst am Dienstag betont, die deutschen Banken hätten das Zeug, die Krise zu überstehen - „wenn auch mit einigen Blessuren“.

Weitere Blessuren dürfte das bereits seit Jahren dünner werdende Filialnetz der Banken davontragen. Vorständin Orlopp sagte, der Trend Richtung digitales Banking sei durch die Krise verstärkt worden. „Ich kann mir vorstellen, dass viele Kunden nun auf den Geschmack kommen“, sagte sie. Die Commerzbank hatte ohnehin schon angekündigt, 200 ihrer 1000 Filialen zu schließen. Es gibt Spekulationen, dass es deutlich mehr werden könnten. Die Bank hat im ersten Quartal netto 142 000 Neukunden gewonnen - drei von vier kamen über Onlinekanäle zu dem Institut, so Orlopp.

Commerzbank-Chef Martin Zielke erklärte auf der ebenfalls am Mittwoch nur virtuell abgehaltenen Hauptversammlung des Instituts, die Bank werde weiterhin zu ihren Kunden stehen. Er verwies darauf, dass viele ausländische Finanzdienstleister sich derzeit aus dem deutschen Markt zurückzögen. Auch in der Finanzkrise hatten sich viele Banken plötzlich auf ihre heimischen Märkte konzentriert. Das wird von vielen Branchenexperten immer wieder als Argument dafür herangezogen, dass Deutschland eigene große Banken braucht und sie vor dem Aufkauf durch ausländische Konkurrenten schützen sollte.

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