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Interview mit Alexander Kirchner

„Ausbeutung verhindern“

Der Transnet-Chef Alexander Kirchner spricht über die Fusion zweier Gewerkschaften und die neue geballte Macht der Bahngewerkschaften.

Heute wollen Transnet und GDBA zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG fusionieren – eine Liebesheirat oder eher von der Vernunft getrieben?

Ich hoffe, dass es beides ist. Was die Liebe anbelangt ist es so, dass wir in den letzten Jahren der Zusammenarbeit schon ein ganzes Stück zusammengewachsen sind. Da sind sogar Freundschaften entstanden.

Was ja nicht immer so war.

Richtig: GDBA-Vizechef Heinz Fuhrmann war für mich früher sogar mal der Inbegriff des Störenfrieds. Doch das ist lange her, das war noch zu Zeiten, als Fuhrmann Vizechef der Lokführergewerkschaft GDL war. Mittlerweile sind wir persönlich befreundet.

Ist das Bedürfnis, sich zu vereinigen, an der Basis ebenso ausgeprägt?

Es war die Basis, die uns aufgefordert hat, Nägel mit Köpfen zu machen und endlich zusammen zu gehen. In den Betrieben kooperieren wir ohnehin längst. Wenn es überhaupt Widerstände gibt, dann bei manchen Funktionären.

Wenn die Mitglieder so dahinter stehen, können Sie heute ja mit einer ordentlichen Zustimmung rechnen?

Wir gehen davon aus, dass eine übergroße Mehrheit die Bildung der EVG unterstützt und wir nicht nur die nötige Zustimmung von 75 Prozent erhalten.

Sie werden die EVG bis zu einem Wahlkongress 2012 anführen. Was wollen Sie mit der geballten Gewerkschaftsmacht künftig erreichen?

Bis 2012 werden wir in einer breiten Diskussion eine Art Grundsatzprogramm erarbeiten. Der Verkehrsmarkt gerät zunehmend ins Rutschen, was die Beschäftigungsverhältnisse und die Bezahlung angeht. Hier müssen wir Hebel finden, um eine Ausbeutung der Menschen zu verhindern. Wir werden aber auch gemeinsam mit Verdi Projekte aufsetzen, um gemeinsam gegen Lohn- und Sozialdumping vorzugehen.

Der Name Verkehrsgewerkschaft verrät schon, dass Sie Ihre Klientel nicht nur bei der Bahn suchen. Sind die Zeiten als Hausgewerkschaft der Deutschen Bahn (DB) vorbei?

Wir sind heute schon nicht mehr die Hausgewerkschaft der DB. Aber wir werden bisweilen noch so wahr genommen, was nicht verwundert, weil ein Großteil unserer Mitglieder aus diesem Unternehmen kommt.

Der Wettbewerb auf Schienen hat im Nah- und Güterverkehr ordentlich zugelegt. Hat sich das auch auf die Anzahl ihrer Mitglieder ausgewirkt?

Die Bahn hat zwar heute etliche Wettbewerber, doch das konnte den Aderlass an Arbeitsplätzen nicht kompensieren: Vor 50 Jahren waren im Eisenbahnverkehr in Deutschland noch weit mehr als eine Million Menschen beschäftigt. Heute arbeiten noch etwas über 200?000 in der Branche. Wir gewinnen zwar viele neue dazu, aber verlieren mehr alte. Die Hälfte unserer Mitglieder sind Rentner.

Wie stark ist Ihr Organisationsgrad bei DB-Wettbewerbern?

In klassischen Bahnen wie der Hessischen Landesbahn oder Regentalbahn sind wir seit langem vertreten. Dort liegt der Organisationsgrad ähnlich wie bei der DB bei rund 60 Prozent. Im Schnitt dürften in den Wettbewerbsbahnen 35 bis 40 Prozent der Mitarbeiter in der Gewerkschaft sein.

Vermutlich wären es mehr, wenn Ihnen nicht die GDL massiv Mitglieder abwerben würde...

Ach, das ist gar nicht mehr so schlimm. Die meisten von denen, die 2007/2008 zur GDL gegangen sind, etwa 1500, sind inzwischen wieder bei uns.

Wie haben Sie das geschafft?

Ganz einfach: Die GDL konnte nicht halten, was sie den Mitarbeitern versprach. Da sind die wieder zurückgekehrt.

Sie haben nach wie vor ein gespanntes Verhältnis zur GDL. Gibt es dennoch Chancen einer Annäherung oder gar Platz in der neuen EVG?

Wir halten die Tür weiter offen. Die GDL kann auch unterm EVG-Dach das Sprachrohr der Lokführer sein. Was aber nicht geht – dass die GDL ohne Rücksicht auf andere Sparten versucht, nur für ihre Mitglieder das Optimale rauszuholen.

Der Bund will ab 2011 Fernbuslinien in Deutschland zulassen. Sind Busfahrer-Tarife künftig auch ein Fall für die neue EVG?

Selbstverständlich, das ist eine Klientel für uns, aber auch für Verdi. Da müssen wir zusammen arbeiten und dafür sorgen, dass diese Branche nicht abrutscht. Man kann nicht mit Tarifverträgen des privaten Omnibusgewerbes die Fernbusse betreiben. Es ist zu befürchten, dass dort der Wettbewerb massiv über niedrige Fahrpreise und somit über Lohndumping ausgetragen wird. Deshalb brauchen wir für die Sparte auch einen Branchentarifvertrag. Das wird eine der ersten Aufgaben der neuen Gewerkschaft sein.

Interview: Peter Kirnich

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