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Das deutsche Stromnetz muss aufgerüstet werden.

Klimawandel

Zwei neue Stromautobahnen

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Wegen des Ausbaus der Erneuerbaren sind weitere Höchstspannungstrassen notwendig. Das treibt die Kosten gewaltig. Ist das tolerabel? Die Analyse.

Höhere Ziele für Ökostrom, mehr Elektromobilität, Kohleausstieg – das Stromnetz in Deutschland muss aufgerüstet werden, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Wegen des beschleunigten Ausbaus der erneuerbaren Energien sind nach den Kalkulationen der großen Netzbetreiber gegenüber den bisherigen Planungen zwei weitere Nord-Süd-Stromautobahnen nötig. Die vier Unternehmen Amprion, Tennet, Transnet BW und 50 Hertz haben jetzt den neuen Netzentwicklungsplan vorgelegt, gemäß dem die neuen Leitungen vor allem Windstrom von Schleswig-Holstein über Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bis nach Baden-Württemberg bringen sollen.

Aktuell sind bereits drei große Nord-Süd-Trassen mit insgesamt vier Leitungen in Planung. Sie sollen gewährleisten, dass der vor allem in Norddeutschland – offshore und onshore – produzierte Windstrom zu den Verbrauchszentren im Süden gelangen kann. Sie werden laut Plan bis 2025 fertiggestellt. Deren Kapazitäten von acht Gigawatt reichen aber laut Betreiber nicht aus, die zusätzlichen Ökostrom-Mengen aufzunehmen, die bis 2030 produziert werden sollen.

Die große Koalition hat in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen, den Anteil der erneuerbaren Energien am Verbrauch bis 2030 von derzeit knapp 40 auf 65 Prozent zu erhöhen, um das Klimaschutzziel zu schaffen.

Die zwei zusätzlichen Leitungen im Westen der Republik sollen vier Gigawatt Strom transportieren können, was der Leistung von drei großen Atommeilern entspricht. Ihre Länge ist mit 1160 Kilometern veranschlagt, genaue Trassenverläufe sind noch nicht definiert. Abzweige in NRW sollen sicherstellen, dass dort der Strom nicht knapp wird, wenn die Kohlekraftwerke vom Netz gehen. Zusätzlich schlagen die Netzbetreiber vor, die bereits geplante Trasse „Suedost-Link“, die von Sachsen-Anhalt über Thüringen nach Bayern führt, mit Extra-Leerrohren auszustatten, sodass dort nötigenfalls weitere Stromleitungen einfach nachgerüstet werden können.

Laut den Betreibern stiegen die Kosten des Netzausbaus durch die zusätzlichen Leitungen bis 2030 von 32 auf 52 Milliarden Euro, die Anbindung der Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee kommt je nach Szenario mit 18 bis 24 Milliarden Euro hinzu. Ob es tatsächlich so teuer wird, ist offen. Die Bundesnetzagentur, die die Pläne prüft, hat Kostenschätzungen der Betreiber in der Vergangenheit nach eigenen Angaben teils um bis zu einem Drittel gekürzt. Berücksichtigt wird dabei etwa, ob vorhandene Trassen ausreichend genutzt werden. Keine überhöhten Kosten zu produzieren, ist wichtig, schließlich werden sie von den Verbrauchern finanziert – über die Netzentgelte auf den Stromrechnungen. Derzeit machen diese bei Privaten rund ein Viertel des Strompreises aus.

Wie zu erwarten, setzte nach Bekanntwerden der neuen Zahlen eine Debatte darüber ein, ob, die Kosten des Umbaus des Energiesystems tolerabel sind. Zwei Stimmen verdeutlichen die Bandbreite. Der FDP-Politiker Martin Neumann forderte, die Regierung müsse endlich „ein Preisschild an die ganze Energiewende machen“. Die Grüne Ingrid Nestle indes verwies darauf, dass Deutschland jährlich 60 bis 80 Milliarden Euro für importierte Energieträger ausgebe. Um die Summen zu reduzieren senken, seien die Investitionen in die heimische Ökoenergie doch gut angelegtes Geld. Beide haben Recht.

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