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Bambus: Auch dieses Material hat gute Eigenschaften.
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Bambus: Auch dieses Material hat gute Eigenschaften.

Natürlich bauen und wohnen

Umweltgerecht sanieren: Auf Prüfsiegel achten

Fachleute erklären unseren Leserinnen und Lesern, worauf es beim umweltgerechten Modernisieren von Häusern ankommt und wie die Kosten zu stemmen sind.

Ich möchte meine Heizung auf erneuerbare Energieträger umstellen. Gibt es dafür eine Förderung?

Wenn Sie eine neue, regenerative Heizung installieren, können Sie Zuschüsse vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) beantragen.

Können Sie einschätzen, was eine energetische Grundsanierung durchschnittlich kostet?

Das ist pauschal nicht zu beantworten. Je nach Baujahr des Gebäudes, Bausubstanz und verwendeter Baumaterialien kostet eine Grundsanierung circa 50 000 Euro. Unberücksichtigt sind dabei Bio-Baustoffe. Mehrkosten von durchschnittlich 20 Prozent sind auch hier nur eine wirklich grobe Richtschnur.

Wie dick sollte die Dämmschicht an meinem freistehenden Einfamilienhaus sein, damit meine Energiekosten dauerhaft sinken?

Die Dämmschicht an den Außenwänden sollte mindestens 16 bis 20 Zentimeter dick sein. Um den Energieverbrauch drastisch zu senken, sind 35 bis 40 Zentimeter empfehlenswert. Sind Ihre Fenster jedoch nicht auf dem neuesten Stand, wird sich auch die neue Dämmung nicht rechnen.

Welcher Anteil des Warmwasserbedarfs kann durch Solarthermie abgedeckt werden?

Von Mai bis September stellt die vollständige Warmwasseraufbereitung bei entsprechender Kollektorfläche kein Problem dar. In der kalten Jahreszeit dient Ihre Solaranlage dann eher der Vorerwärmung von Kaltwasser. Die restliche Erwärmung erfolgt dann durch die Heizung. Pro Jahre lassen sich also etwa 60 bis 70 Prozent des Trinkwassers mit Solarthermie ausreichend erwärmen.

Ulrich Bauer ist Architekt, Baubiologe und Energieberater. Sein Schwerpunkt liegt in der Gestaltung von schadstoffarmen Wohnräumen mit Naturbaustoffen.

Ist ein komplett aus Holz errichtetes Haus energetisch sinnvoll?

Fast 80 Prozent aller Passivhäuser werden in Holzbauweise errichtet. Planer und Bauherren können wählen, wie gut das Holzhaus Wärme dämmen soll, denn Holzrahmen-Außenwände lassen sich auf Passivhaus-Niveau konstruieren. Die heute üblichen Wandkonstruktionen erfüllen ohne Mehraufwand den Niedrigenergie-Standard.

Lohnt sich eine energetische Sanierung wirklich?

Wie hoch die Kosten sind, hängt vom jeweiligen Gebäude und den eingesetzten Materialien und Techniken ab. Die Sanierungsmaßnahmen sollten sich grundsätzlich an den Lebenszyklen der Bauteile, aber auch an der Nutzungsdauer des Bauherren, orientieren.

Können wir unseren Bausparvertrag für die energetische Modernisierung unseres Hauses einsetzen?

Das Bauspardarlehen ist auf die „wohnwirtschaftliche Verwendung“ ausgerichtet. Sie können das Darlehen, das Sie aus Ihrem Bausparvertrag beanspruchen, für praktisch alles, was mit Bauen, Kaufen und Modernisieren oder Renovieren zu tun hat, verwenden.

Frank Preussner ist seit mehr als zehn Jahren für eine führende private deutsche Bausparkasse tätig. Er ist Experte für die Finanzierung von Immobilien und deren Modernisierung.

Ich brauche eine neue Heizung und will das Dach und vielleicht auch die Außenwände mit natürlichen Baustoffen dämmen. Wie kann ich das sinnvoll finanzieren?

Im Unterschied zu vielen Banken verzichten Bausparkassen auf sogenannte Kleindarlehenszuschläge. Zudem gibt es zinsverbilligte Kredite oder Zuschüsse durch die staatliche Förderbank KFW oder die Bafa. Lassen Sie sich bitte von zum Beispiel einem Energieberater und Ihrem Kreditinstitut beraten, wie der für Sie passende Finanzierungs-Mix aussehen kann. Überlegenswert wäre ein Sanierungsfahrplan, bei dem Sie in Etappen vorgehen.

Was raten Sie eigentlich Menschen grundsätzlich, die ökologisch bauen und wohnen wollen?

Achten Sie in jeden Fall darauf, dass eine Volldeklaration der Inhaltsstoffe der Baustoffe vorhanden ist beziehungsweise anerkannte Prüfsiegel oder gleichwertige Zertifikate vorhanden sind. Bei umfangreicheren Maßnahmen oder vor allem bei gesundheitlichen Fragen beziehen Sie am besten einen Baubiologen ein.

Wie gut sind die Eigenschaften von Naturdämmstoffen?

Naturdämmstoffe sind beim sommerlichen Wärmeschutz herkömmlichen Produkten aufgrund ihrer größeren Wärme-Speicherfähigkeit überlegen. Dank der großen Speicherkapazität können sie tagsüber viel Wärme aufnehmen und diese nachts bei abgekühlten Temperaturen langsam wieder abgeben. Im winterlichen Wärmeschutz sind die Dämmeigenschaften von Naturdämmstoffen vergleichbar mit denen mineralischer oder fossiler Produkte.

Welche Naturstoffe eignen sich für die Dachdämmung?

Vor allem Zellulose ist ein beliebter Dämmstoff. Er wird aus Altpapier hergestellt und kann beispielsweise in Form von Flocken in Hohlräume eingeblasen werden. Auch andere natürliche Stoffe, wie Hanf, Flachs, Kork oder Schilfrohr und Holz sind geeignet. Ziehen Sie einen Dachdecker oder Energieberater hinzu, um das passende Material für Ihr Dach zu finden.

Was kosten Naturdämmstoffe im Vergleich zu herkömmlichen Dämmstoffen?

Als grobe Orientierung gelten folgende Richtwerte: Der Durchschnittspreis für mineralische Produkte liegt pro Kubikmeter bei etwa 37 Euro, für fossile Produkte wie Polystyrol bei circa 58 Euro pro Kubikmeter. Naturdämmstoffe kosten zurzeit durchschnittlich zwischen 50 bis 140 Euro pro Kubikmeter.

Gibt es ein ökologisches Holzschutzmittel, das wir für den Dachstuhl nutzen können?

Vom Umweltbundesamt (UBA) und dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) werden Mittel empfohlen, die entsprechend gekennzeichnet sind. Aber auch bei diesen Produkten gilt es, sorgfältig und nach Herstellerangaben zu arbeiten und Handschuhe zu tragen. Bestimmte Hersteller bieten Produkte auf Basis vergleichsweise ungiftiger Borsalze und als wässrige Lösung mit pflanzlichen und mineralischen Bestandteilen an.

Wir interessieren uns für eine Regenwassernutzungsanlage. Rechnet sich eine solche Anlage und welche Kosten kommen da auf uns zu?

Die Kosten für einen Vier-Personen-Haushalt liegen bei etwa 4000 Euro, inklusive Installation. Und die Wirtschaftlichkeit hängt entscheidend von den kommunalen Abwassergebühren ab.

Eva Koch ist Diplom-Ingenieurin und spezialisiert auf die energetische Gebäudesanierung. Sie ist zugelassen als sachverständige Energie-Effizienz-Expertin für Förderprogramme des Bundes.

Welchen biologischen Innenputz empfehlen Sie?

Mineralischer Putz auf Kalkbasis ist am weitesten verbreitet. Kalk hat eine antiseptische Wirkung, so dass Schimmel- oder Algenbefall verhindert werden. Damit der Kalk-Putz diese Eigenschaft behält, muss er diffusionsoffen bleiben, das heißt, er darf weder übertapeziert noch mit versiegelnd wirkenden Farben und Flüssigkeiten gestrichen werden. Neben mineralischen Öko-Putzen eignet sich ein ökologischer Baumwollputz.

Wir erwarten Nachwuchs und streichen das Kinderzimmer. Welche Wandfarben sind geeignet und gesundheitlich unbedenklich?

Für Kinderzimmer zu empfehlen sich Farben, die unter anderem Speichel und Schweiß standhalten. Diese erkennen Sie beispielsweise am grünen Logo mit Bauklötzen und dem Hinweis, das sie der europaweiten Norm DIN EN 71-3 entsprechen. Wichtig ist es in jedem Fall, den Anteil flüchtiger organischer Verbindungen möglichst klein zu halten. Oder Naturfarben, die mit Wasser angerührt werden.

Wir planen eine umfangreiche Innenraumrenovierung. Welche Fußbodenbeläge empfehlen Sie unter ökologischen Gesichtspunkten?

Sie müssen nicht zwangsläufig auf Holz zurückgreifen. Auch Korkböden, Linoleum oder Bambus haben gute Eigenschaften. Je nach Raum bieten sich auch Natursteinböden, zum Beispiel Fliesen aus Keramik oder Terrakotta an. Informieren Sie sich bei Teppichböden über Bestandteile wie Weichmacher oder Flammschutzmittel im Gewebe.

Ist eine Dachbegrünung energetisch sinnvoll?

Pflanzungen auf dem Dach wirken wärmedämmend, sodass der Energiebedarf und somit die Kosten gesenkt werden. Für eine Dachbegrünung ist ein einfaches Flachdach natürlich optimal. Aber auch bei einem Schrägdach ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Begrünung machbar. Grundsätzlich ist zu beachten, dass jede Dachbegrünung genehmigungspflichtig ist und dass das Dach im Vorfeld von einem Statiker geprüft werden muss. Sprechen Sie einen Dachdecker an, der Sie über Aufwand, Material und Kosten informiert.

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