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GDL-Chef Claus Weselsky (links) und DB-Personalvorstand Martin Seiler im Jahr 2019. Bis zu einer Einigung könnte es jetzt noch länger dauern.
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GDL-Chef Claus Weselsky (links) und DB-Personalvorstand Martin Seiler im Jahr 2019. Bis zu einer Einigung könnte es jetzt noch länger dauern.

Deutsche Bahn

Auf Kollisionskurs

  • VonWolfgang Mulke
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Die Tarifgespräche von Bahn und Lokführergewerkschaft GDL drohen schon vor Beginn zu scheitern. Die DB spricht von völlig realitätsfernen Forderungen.

Die Deutsche Bahn steuert immer mehr auf einen intensiven Arbeitskampf zu. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) stößt mit ihren Forderungen nach 4,8 Prozent mehr Lohn und 57 weiteren Wünschen bei der Arbeitgeberin und Unverständnis. Nach Angaben von Personalvorstand Martin Seiler würde das gesamte Paket zu einer Kostensteigerung von 46 Prozent führen.

Die Gewerkschaft müsse jetzt aufhören, die Corona-Schäden zu leugnen und Vernunft annehmen. „Ihre horrenden Forderungen sind angesichts der größten wirtschaftlichen Krise des Unternehmens völlig realitätsfern“, kritisiert der Vorstand.

Das sieht GDL-Chef Claus Weselsky ganz anders. „Der Arbeitgeber muss endlich seine eklatante Missachtung der Leistung der Eisenbahner beenden“, sagt er, sie haben den Verkehr auf der Schiene rund um die Uhr selbst in der schlimmsten Corona-Krise sicher und zuverlässig aufrecht erhalten.“ Deshalb will sich die GDL nicht mit jenen 1,5 Prozent mehr Lohn begnügen, die die Konkurrenzgewerkschaft EVG im vergangenen Herbst mit der Bahn ausgehandelt hat.

Neben der prozentualen Entgelterhöhung verlangen die Lokführer eine Corona-Prämie in Höhe von 1300 Euro. Darüber hinaus sieht der Katalog eine Zulage für Beschäftigte in Ballungsgebieten mit hohen Lebenshaltungskosten vor. Für das Sicherheitspersonal will die Gewerkschaft eine Absenkung der Wochenarbeitszeit von 41 auf 38 Stunden erreichen.

Dazu kommen noch Forderungen für Berufsgruppen, die von der GDL bisher gar nicht vertreten werden. Der Tarifvertrag soll laut Lokführergewerkschaft auch für die Beschäftigten in den Instandhaltungswerken, im Netzbetrieb und in der Instandhaltung der Trassen gelten.

An jenem letzten Punkt könnten die Tarifverhandlungen schon vor ihrem Start scheitern. Denn die GDL will erst über die materiellen Forderungen sprechen, wenn die Bahn die Anwendung ihrer Tarifverträge garantiert. Genau hier liegt ein beträchtliches Konfliktpotenzial.

Weselsky hat der Konkurrenz von der EVG den Kampf angesagt. Die GDL sprach bisher nur für das Zugpersonal. Nun will sie auch in den anderen Betrieben der Bahn Fuß fassen und der EVG dort Mitglieder abjagen. Sonst droht ihr der Fall in die Bedeutungslosigkeit. Denn seit Jahresbeginn muss die Bahn das Tarifeinheitsgesetz (TEG) anwenden. Danach gilt in einem Betrieb nur der Tarifvertrag mit der stärksten Gewerkschaft. Das wäre in den rund 300 Bahnbetrieben überwiegend der Vertrag der EVG. Nur in 60 Betrieben sind derzeit beide Gewerkschaften vertreten.

„Wir sind bereit, gemeinsam mit beiden Gewerkschaften eine Lösung für eine geordnete Koexistenz zu finden“, versichert Seiler. Die Bahn müsse das Gesetz umsetzen, die GDL Schluss machen mit ihrer Verzögerungstaktik. Am kommenden Freitag wird sich zeigen, wie verhärtet die Fronten tatsächlich sind. Dann treffen sich beide Seiten zu einem Gespräch.

Rechtlich ist die Lage kompliziert. So muss die Bahn feststellen, welche Gewerkschaft in einem Betrieb die Mehrheit stellt. Nach einer Mitgliedschaft fragen darf sie die Beschäftigten nicht. Also wird notfalls geschätzt, etwa anhand der Ergebnisse von Betriebsratswahlen. Im Zweifel müssten aber Gerichte die Mehrheit klären. Die Arbeitgeber:innen boten den Gewerkschaften an, ihre Mitglieder gegenüber unabhängigen Notaren offenzulegen. Während die EVG dazu bereit ist, lehnte die GDL dies ab.

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