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Auf die USA kommt es an

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Von: Thomas Magenheim-Hörmann

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Der Gaspreis könnte in den nächsten 18 Monaten fallen - wenn der Verbrauch sinkt und LNG die Lücke füllt.

Bis 2026 besteht die Chance, dass die Großhandelspreise für Erdgas ohne jede Lieferung aus Russland wieder das Niveau von 2018 erreichen. Das lässt eine Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln (EWI) im Auftrag des Industrieverbands Zukunft Gas erwarten. Dafür seien aber Voraussetzungen nötig, betont Studienmacher Eren Cam. „Die EU muss dazu ihre Gasnachfrage um 20 Prozent reduzieren“, betont der EWI-Experte. Das habe preisdämpfende Effekte. Erreichbar sei das durch einen Ausbau erneuerbarer Energien und zunehmende Elektrifizierung sowie mehr Bio-Methan als Energiequelle. Weitere Prämisse ist, dass in den USA neue Kapazitäten zur Verflüssigung von Erdgas zu LNG in großem Umfang entstehen.

„Es gibt da erhebliche Unsicherheiten“, warnt Cam. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas, erklärt das mit hohen Investitionskosten für entsprechende Anlagen. „Die liegen um den Faktor zehn über denen von Anlagen zur Regasifizierung wie sie in Deutschland nun gebaut werden“, sagt er. Immerhin müsse Erdgas in den USA auf minus 160 Grad Celsius gekühlt werden, um die dann im Volumen erheblich geschrumpfte Fracht per LNG-Tanker nach Europa zu bringen. Hohe Milliardensummen würden in den USA aber erst dann investiert, wenn langfristige Abnahmegarantien vorlägen.

Kehler spricht dabei von Vertragslaufzeiten von 15 bis 20 Jahren. Die EU müsste sich also vertraglich verpflichten, für solche Zeiträume US-LNG abzunehmen, weil sonst keine neuen Verflüssigungsanlagen gebaut werden. Ohne die sind stark sinkende Gaspreise aber Makulatur.

Sinkende Gaspreise sieht Kehler zwar auf alle Fälle binnen 18 Monaten kommen, weil durch den Bau von LNG-Terminals vor allem an deutschen Küsten Importengpässe beseitigt werden. Das Ausmaß des Gaspreisrückgangs und vor allem ein Erreichen des Niveaus von 2018 sei aber vor allem von US-Investitionen in Gasverflüssigungskapazitäten abhängig.

Nur die USA könnten binnen weniger Jahre die großen LNG-Mengen liefern, die fehlendes russisches Gas ausgleichen können, stellt Cam klar. Alternative Lieferanten wie Norwegen, Katar, Nigeria oder Israel könnten nur noch geringe Mengen zusätzlich beisteuern, weil sie langfristige Lieferverträge mit asiatischen Abnehmern eingegangen sind.

Sich auf bis zu 20 Jahre an LNG aus den USA zu binden, das zudem durch enorm umweltschädliches Fracking gewonnen wird, widerspricht aber EU-Klimaschutzzielen, wissen auch Kehler und Cam. Das Dilemma ist damit offensichtlich. Ohne US-LNG aber bleiben die Gaspreise vor allem in Europa hoch und über dem Niveau in Asien und den USA, was einen Wettbewerbsnachteil für EU-Firmen darstellt. Derzeit liegen die EU-Großhandelspreise für Erdgas um bis 20 Prozent höher.

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