AltmaierstelltKonjunkturprogno
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Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) präsentiert die Konjunkturprognose der Bundesregierung.

Konjunktur

Auf dem Weg nach oben

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Die deutsche Wirtschaft erholt sich nach dem Corona-Schock schneller als erwartet. Viele Fachleute warnen aber vor den Folgen eines zweiten harten Lockdowns

Zur Illustration seiner These hielt Peter Altmaier eine Grafik hoch. Sie zeigt eine Kurve in der Form eines V. So stellt sich der Bundeswirtschaftsminister die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung vor. Einem tiefen Sturz folgt ein ebenso starker Anstieg. Dieses V-Szenario wird seit Beginn der Corona-Krise von zahlreichen Wirtschaftsexperten vertreten.

Altmaier ist mit den Forschern auf einer Line. „Für das dritte Quartal des laufenden Jahres erwarten wir ein deutliches Wirtschaftswachstum“, sagte Altmaier am Dienstag bei der Präsentation der aktuellen Konjunkturprognose der Bundesregierung, die jetzt davon ausgeht, dass die Wirtschaftsleistung 2020 noch um 5,8 Prozent sinkt. Im April war noch ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts von 6,3 Prozent erwartet worden. Der Tiefpunkt der Rezession sei aber bereits im Mai durchschritten worden, so der Minister.

Für das kommende Jahr erwartet er „angesichts des sich abzeichnenden Aufholprozesses“ ein Plus von 4,4 Prozent. Damit revidiert er aber die frühere Prognose merklich nach unten. Zuvor war von 5,2 Prozent mehr die Rede gewesen. Als Grund nannte der CDU-Politiker „Vorzieheffekte“ – unter anderem wegen der Mehrwertsteuersenkung – in diesem Jahr und die schwierige Lage auf vielen Exportmärkten. Eine besondere Rolle spielten dabei die hohen Infektionszahlen in den USA: Die weltgrößte Volkswirtschaft ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für deutsche Unternehmen. Das Niveau der Wirtschaftsleistung von vor der Corona-Krise werde erst wieder 2022 erreicht.

arbeitsmarkt

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im August erneut gestiegen – allerdings wie im Vormonat in saisonüblicher Höhe. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren 2,955 Millionen Menschen ohne Job, rund 45.000 mehr als im Juli und 636.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg binnen Monatsfrist um 0,1 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent.

Wie schon im Juli habe es keinen zusätzlichen coronabedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit gegeben, sagte der Vorstandschef der Bundesagentur, Detlef Scheele, in Nürnberg. Im August erhöht sich die Arbeitslosigkeit üblicherweise, weil Beschäftigungs- und Ausbildungsverhältnisse vor den Sommerferien enden. dpa

Die Experten des Wirtschaftsministeriums gehen davon aus, dass die Ausfuhren in diesem Jahr insgesamt um gut zwölf Prozent zurückgehen. Damit eng verknüpft sind die Investitionen der Firmen, denn ein großer Teil kommt von Unternehmen, die hohe Exportanteile haben. Deshalb erwartet die Bundesregierung, dass die Aufwendungen für Maschinen und Anlagen 2020 um mehr als 16 Prozent zurückgehen, sich im nächsten Jahr aber wieder einigermaßen mit einem Plus von zwölf Prozent erholen.

Stabilisierend sollen in den nächsten Monaten die Konsumausgaben der Verbraucher wirken, was durch staatliche Hilfen wie dem Kurzarbeitergeld unterstützt wird. Auch geht das Ministerium davon aus, dass der Staat selbst seine Investitionen deutlich hochfährt. So sind unter anderem zahlreiche Infrastrukturprojekte etwa im Verkehrssektor angeschoben worden. Auch am Arbeitsmarkt zeichne sich nach einer großen Zahl von Jobverlusten im Frühjahr eine Erholung ab, die sich nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums im nächsten Jahr fortsetzen wird.

In der enorm wichtigen Autobranche bleibe die Beschäftigungssituation aber „angespannt“, so Klaus Wohlrabe vom Münchner Ifo-Institut. „Die Unternehmen planen weiter mit Personalabbau.“ Das hat nach einer Befragung der Forscher viel mit gedämpften Erwartungen zum künftigen Geschäft und insbesondere beim Export zu tun. Bei der jüngsten Konjunkturumfrage des Instituts unter Herstellern und Zulieferern kam aber auch heraus, dass sich die aktuelle Geschäftslage im August im Vergleich zum Juli insgesamt verbessert hat. „Im dunklen Keller geht ein Licht an“, sagte Wohlrabe am Dienstag. So bleibe die Nachfrage auf hohem Niveau. Hier spielten Nachholeffekte und die Mehrwertsteuersenkung sicherlich eine Rolle. Die Autobauer und Händler hätten so die Chance, ihre Lagerbestände zu verkleinern.

Der Arbeitsmarkt im August

Optimismus verbreitet auch das Hamburger Forschungsinstitut HWWI. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft schon zur Jahreswende 2021/22 wieder da ist, wo sie vor der Corona-Krise war. Auch das HWWI kalkuliert mit einem kräftigen Wachstum im dritten Quartal. Für das Gesamtjahr wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um lediglich fünf Prozent hochgerechnet. Das Wachstum 2021 werde bei ebenfalls fünf Prozent liegen. Die Hamburger gehören damit zu den größten Optimisten unter den renommierten Wirtschaftsforschern. Als Hauptgrund werden die einigermaßen glimpflichen Folgen der Pandemie in Deutschland genannt, was durch umfangreiche Hilfsmaßnahmen für Arbeitnehmer und die Wirtschaft erreicht worden sei. Allerdings macht das HWWI auch darauf aufmerksam, dass die Zahlen nur gelten, wenn es keine Rückschläge in der Pandemie gibt. Viele Experten warnen inzwischen vor möglichen immensen Folgen eines weiteren harten Lockdowns.

Altmaier machte aber klar, dass die Bundesregierung abermalige weitreichende Maßnahmen „zur Beschränkung der sozialen Kontakte“ tunlichst vermeiden will. Steigenden Infektionszahlen werde man durch „gezielte und regional begrenzte Maßnahmen entgegenwirken“ – damit sich die wirtschaftliche Belebung nach und nach entfalten könne.

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