+
Flach, breit, stark: Der Audi E-Tron GT wurde auf der Automesse in Los Angeles vorgestellt.

Autobranche

Audi greift Tesla an

  • schließen

Der Ingolstädter Autobauer stellt die erste ernsthafte Alternative zum Modell S der Amerikaner vor.

Das Rennen ist gestartet. In den nächsten zwei, drei Jahren wird sich quasi als Ouvertüre zur Elektromobilität ein Kampf um Marktanteile für Stromer im Luxussegment entwickeln. Dort ist Tesla der Platzhirsch. Doch fast alle großen Autobauer wollen den Amerikanern Marktanteile abluchsen. Audi etwa mit dem E-Tron GT, der gerade auf der Automesse in Los Angeles vorgestellt wurde. Flach, breit, stark. So könnte man das Konzept des Wagens beschreiben. So wie eine Reihe anderer angekündigter E-Autos der Premiumkategorie wird er mit zwei Elektroaggregaten ausgestattet, die über sehr üppige Leistung verfügen. Beim E-Tron GT sollen es 590 PS sein.

Die Batterie ist mit einer Kapazität von 96 Kilowattstunden konzipiert, damit der Fahrer mindestens 400 Kilometer weit kommt, ohne anhalten zu müssen. Der Wagen wird ausgestattet mit einer Ladetechnik, die es ermöglicht, die Batteriepackung im Unterboden in etwa 20 Minuten zu füllen. Große Reichweite, kurze Ladezeit, enorm viel Kraft – das sind auch bei anderen Herstellern die Merkmale, die Gutbetuchte davon überzeugen sollen, Autos mit Verbrennermotor links liegen zu lassen. Das hat seinen Preis. Das Audi-Coupé soll um die 100 000 Euro kosten und noch 2020 zu haben sein.

Im Grunde wird damit das Erfolgsrezept von Tesla imitiert. Seine größten Erfolge hat der US-Autobauer mit dem Model S gefeiert – das bislang mehr als 300 000 Mal verkauft wurde. Der Wagen ist auch in Deutschland zu einem Prestigeobjekt geworden und er hat maßgeblich zum positiven Image von Tesla beigetragen – als Autobauer, der einen umweltfreundlichen Antrieb mit gesteigertem Fahrspaß verbindet. Das Model S war sehr lange Zeit allein auf weiter Flur.

Hohe Verluste bei Tesla

Maßgeblich dafür dürfte gewesen sein, dass Tesla mit dem Wagen kein Geld verdient, sondern viele hundert Millionen Dollar Verluste eingefahren hat. Wegen hoher Kosten haben große Autobauer denn auch zahlreiche Prototypen auf Messen zwar präsentiert, sich aber nicht an eine Serienproduktion gewagt.

Viele Branchenkenner gehen davon aus, dass der Nischenmarkt nun schnell wachsen könnte. Vor allem aus einem Grund: Die Preise für Batterien sinken rapide – wegen technischer Verbesserungen und wegen kontinuierlich steigenden Stückzahlen. Jetzt wagen sich zahlreiche namhafte Autobauer an die Luxus-Stromer. Erst kürzlich hat Jaguar mit dem iPace debütiert. Der Wagen ist eine Mischung aus einem SUV und einer Coupé-Limousine, die es ab 78 000 Euro gibt. Er konkurriert damit sowohl mit dem Model S als auch mit Teslas SUV, dem Model X. In diese Fahrzeugkategorie möchte auch Mercedes im neuen Jahr mit dem EQC vordringen – mit rund 400 PS, mindestens 400 Kilometer Reichweite und 80 Kilowattstunden Ladekapazität. Ein ähnliches Modell will BMW in zwei Jahren lancieren. Das E-SUV der Münchener soll iX3 heißen. Auch Peter Fuß von der Prüf- und Beratungsgesellschaft EY sieht eine wachsende Dynamik: „Die führenden Autokonzerne machen jetzt ernst und haben inzwischen tatsächlich attraktive Elektroautos am Start. Ab 2020 wird die E-Mobilität daher mit zunehmender Dynamik ins Rollen kommen, was sich dann auch in den Absatzzahlen widerspiegeln wird.“

Enorm großen Ehrgeiz legt der Volkswagenkonzern an den Tag: Der E-Tron ist technisch eng verwandt mit dem Taycan von Porsche, der just von 2020 an mit noch etwas mehr Power als der Audi über die Straßen surren soll. Überdies wollen die Wolfsburger die neue E-Submarke ID mit einer ganzen Reihe von Modellen bestücken – vom Kompaktauto bis zur elektrifizierten Variante des Bulli. Und das nicht nur hierzulande, sondern vor allem für China und die USA. Dazu passt, dass Volkswagen in Nordamerika ein neues Werk ausschließlich für Elektrofahrzeuge bauen will.

Für die USA, so Keogh, sei geplant, ein Auto für 30 000 bis 40 000 Dollar zu bauen. Das lässt sich als Reaktion auf eine andere Erfolgsmeldung von Tesla lesen: Trotz erheblicher Probleme wurden von dem neuen Mittelklasse-Pkw Model 3 mittlerweile in den USA mehr als 100 000 Exemplare verkauft. In den Zulassungsstatistiken wurden konkurrierende Verbrenner-Fahrzeuge unter anderem von BMW und Mercedes abgehängt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare