Stellenabbau

Audi baut um

  • schließen

Jede zehnte Führungsposition fällt weg

Bei Audi zieht ein neuer Ton ein. Nach monatelanger Führungskrise erklärt der neue Chef Bram Schot die VW-Tochter zur Großbaustelle. Kosten, Produktpolitik, Managementkultur – alles komme auf den Prüfstand, hat der Niederländer jetzt im „Handelsblatt“ angekündigt: „Ich habe keine Tabus.“ Um 15 Milliarden Euro will er die Kosten in den nächsten drei Jahren drücken. Eine komplette Management-Ebene hält er für überflüssig, rund zehn Prozent der Führungsfunktionen sollen wegfallen.

Schot tritt bei der einstigen Renommiertochter des VW-Konzerns ein schweres Erbe an. Sein Vorgänger Rupert Stadler war schon lange vor seiner Inhaftierung intern umstritten. In Wolfsburg warf man ihm vor, dass Audi bei wichtigen Trends hinterher hinke und seinen „Vorsprung durch Technik“ – bis heute Werbeslogan der Ingolstädter – verloren habe.

Das Führungsproblem löste sich anders, als die Kritiker gehofft hatten: Als Beschuldigter im Abgas-Skandal kam Stadler im Juni 2018 in Untersuchungshaft und wurde erst im Oktober endgültig abgelöst. Nachfolger Schot, bis dahin Vertriebsvorstand, musste sich auch danach noch monatelang mit dem Status des kommissarischen Vorstandsvorsitzenden begnügen – und dem Makel, offensichtlich nicht erste Wahl zu sein.

Zum Jahresbeginn konnte der 58-Jährige das „kommissarisch“ streichen und setzt seitdem immer wieder Signale – vor allem an die eigene Mannschaft. Die Audi-Leute sind bekannt für ihr ausgeprägtes Selbstbewusstsein, nachdem sie jahrelang verlässlich große Teile des Konzerngewinns erwirtschaftet haben. Die Audi-Ingenieure ließen kurz nacheinander mehrere Entwicklungsvorstände abblitzen, die ihnen Wolfsburg in der Hoffnung auf Besserung geschickt hatte. Selbst Ferdinand Piech und Martin Winterkorn – einst selbst Audi-Chefs – ging das irgendwann zu weit.

Nun hat Konzernchef Herbert Diess den bis dahin unauffälligen Schot ausersehen, die Ingolstädter wach zu rütteln. Dank einer Karriere im Nutzfahrzeugvertrieb beherrscht der 57-Jährige beide Tonlagen: Er kann verkaufen, ihm ist aber auch die robuste Trucker-Mentalität nicht fremd. Für das Audi-Management dürfte er eine doppelte Herausforderung sein. Dort kennt man überlegene und bisweilen bewunderte Techniker wie Piech und Winterkorn. Und man kennt den Finanzmann Stadler, der trotz langer Amtszeit bis zuletzt um den Respekt der Techniker-Fraktion kämpfte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare