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Auch mal in den sauren Apfel beißen

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Verderbendes Obst und Brot in einem Mülleimer.
Verderbendes Obst und Brot in einem Mülleimer. © picture alliance / chromorange

Tagtäglich landen in privaten Haushalten Lebensmittel im Müll. Darauf macht nun eine Aktionswoche aufmerksam. Dabei könnte jede und jeder dazu beitragen, dass die Abfallberge sinken. Von Carina Frey.

Es ist eine ganz normale Woche. Am Freitag Wochenendeinkauf im Supermarkt: Die Tomaten stecken in einer Plastikbox, Biowurst gibt es nur eingeschweißt. Zu Hause quillt schon wieder die Wertstofftonne über. Am Montag landet ein Kanten Brot im Müll, hart geworden über das sonntägliche Brötchenfrühstück. Eine halbe Schale geschlagene Sahne vom Nachmittagskuchen, der Rest Reis vom Mittagessen, ein verschimmelter Joghurt hinten im Kühlschrank – weg damit.

In unseren Küchen herrscht das große Wegwerfen: 78 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf und Jahr werden bei privaten Haushalten eingesammelt. 78 Kilogramm Lebensmittel wirft jede und jeder von uns zu Hause alljährlich weg. Die Hälfte davon wäre problemlos vermeidbar. Zur Einordnung: Was wir zu Hause wegschmeißen, macht mehr als die Hälfte aller Lebensmittelabfälle in Deutschland aus. 17 Prozent fallen bei der Außer-Haus-Verpflegung in Kantinen und Restaurants an, 15 Prozent bei der Verarbeitung.

Unter dem Motto „Deutschland rettet Lebensmittel!“ beginnt am heutigen Donnerstag eine Aktionswoche des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die das Bewusstsein der Bevölkerung für die außerordentliche Verschwendung schärfen soll. Denn für all diese Lebensmittel werden Rohstoffe angebaut, was Flächen und Wasser verbraucht, die Nutztiere fressen Futter und produzieren reichlich CO2. Würden die Lebensmittelabfälle in Deutschland halbiert, könnten sechs Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden, rechneten Wissenschaftler:innen aus.

Das alleine hält den Klimawandel nicht auf, ist aber ein weiteres Puzzlestück, um die Emissionen zu drücken. Das Bündnis Lebensmittelrettung fordert gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe in einem aktuellen Positionspapier von der Bundesregierung entschlossenes Handeln: Verbindliche Reduktionsziele, Rechtssicherheit für lebensmittelrettende Organisationen, außerdem sollte die Weitergabe von Lebensmitteln gefördert werden.

Aber auch jede:r von uns kann dazu beitragen, dass weniger Lebensmittel im Müll landen. Man muss keine Superköchin sein, die aus Bananenschalen oder Karottengrün kreative Köstlichkeiten kocht. Viel wichtiger ist, dass wir im Alltag ein neues Bewusstsein für Lebensmittel entwickeln – sie wertschätzen, statt sie wegzuwerfen.

Überlegter einkaufen, Lebensmittel richtig lagern, Vorräte im Blick behalten, Reste verwerten – damit ließe sich schon viel gewinnen. Trotzdem gelingt selbst das den meisten von uns nicht besonders gut. Sind wir alle Ignorant:innen? Sicher nicht.

Da alles immer und überall erhältlich ist und Lebensmittel vergleichsweise günstig sind, haben wir verlernt, planvoll mit ihnen umzugehen. Wir springen nach der Arbeit kurz in den Supermarkt und überlegen dort, was wir abends kochen können. Wochenspeisepläne schreiben, Vorratshaltung, Restekochen – wer kann das schon? Auch wenn wir bewusst einkaufen, stecken wir ständig in einem Entscheidungsdilemma: Kaufe ich die kleine Portion, wird weniger schlecht, dafür fällt mehr Verpackungsmüll an. Eingeschweißte Wurst hält länger als frisch verpackte, dafür landet wieder Extraplastik im Müll.

Es richtig machen zu wollen, ist oft nicht leicht – und das führt leider dazu, dass wir einfach so weiterwursteln wie bisher. Weil das aber auch keine Lösung ist, haben wir zwei Expertinnen und einen Experten nach ihren persönlichen Lebensmittelrettungstipps für zu Hause gefragt.

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